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Verlage
Donnerstag, 15. März 2012 (11:04 Uhr)


Diskussion um Agency-Modell: Kritik am Justizministerium

„Amazon würde den Buchhandel zerstören“

In den USA schlägt die Androhung einer Klage gegen mehrere Großverlage wegen Verletzung des Kartellrechts durch das US-Justizministerium (hier mehr) hohe Wellen. Selbst Booker-Preisträger Salman Rushdie mischt sich in die Debatte ein. Der Chef des US-Autorenverbands Scott Turow (Foto: li.) attackiert Amazon-Chef Jeff Bezos (re., Foto: James Duncan Davidson, Wikipedia, Lizenz: cc-by-2.0) in einem offenen Brief.

Die jüngsten Reaktionen aus der US-Buchbranche demonstrieren, wie tief die Angst sitzt, das durch Apple hoffähig gemachte „Agency“-Modell (nach dem die Verlage die Verkaufspreise bestimmen können) könnte auf der Strecke bleiben und Amazon selbst wieder die Preise (ursprünglich 9,99-Dollar) bestimmen. Kein Geringerer als Booker-Preisträger Salman Rushdie erklärte auf Twitter, das US-Justizministerium wolle „die Welt der Bücher zerstören“. Und: „Jeder, der davon ausgeht, dass ein faires Pricing, das den Autoren ein Auskommen ermöglicht, ein Kartellsystem ist, ist gefangen im Napsterismus.“

Scott Turow, Chef des US-Schriftstellerverbands, rekapituliert in einem offenen Brief, dass Amazon vor dem „Agency“-Modell auf dem Weg gewesen sei, mit E-Book-Rabatten den Buchhandel zu „zerstören“. Um den Anschein von Wettbewerb zu erhalten, sei das Ministerium gerade dabei, den realen Wettbewerb zu zerstören.

Ob die Verlage tatsächlich gemeinsame Sache gemacht hätten, um das Agency-Modell durchzusetzen, ist laut Turow sekundär. Eine „Kollusion“ sei nämlich gar nicht nötig gewesen. „Jeder vernünftige Verleger wäre auf das Angebot von Apple angesprungen und hätte sich daran geklammert wie an ein Rettungsfloß.“ Sie hätten keine Wahl gehabt: entweder dem Agency-Modell folgen oder mitansehen, wie Amazon den Vertriebskanal für gedruckte Bücher zerstört.

Amazon habe mit der Pricing-Praxis seinerzeit nicht nur die Wettbewerber auf Distanz gehalten, die es sich nicht hätten leisten können, E-Books zum gleichen Preis (9,99 Dollar) zu verkaufen. Hinzu komme, dass Amazon den Hardcover-Markt unterminiert habe, von dem der stationäre Buchhandel gelebt habe. 

Positive Auswirkungen des Agency-Modells laut Turow:

  • Durch die Einführung des Agency-Modells sei der Anteil von Amazon auf dem E-Book-Markt von 90 auf 60% gesunken. 
  • Besonders Barnes & Noble habe sich zu einem mächtigen Wettbewerber mausern können, 
  • während stationäre Buchhändler durch die Kooperation mit Google ins E-Book-Geschäft geholt worden seien – sie könnten ihren Kunden E-Books zum gleichen Preis wie Amazon anbieten. Schließlich hätten Self-Publishing-Autoren profitiert, deren Anteil inzwischen durch den Wettbewerb von Amazon verdoppelt worden sei.


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