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Verlage
Donnerstag, 08. März 2012 (07:23 Uhr)


US-Justizministerium droht mit Klage wegen E-Book-Preisabsprachen

Attacke auf Agency-Koalition

Bei der juristischen Offensive gegen Apple und mehrere Großverlage wegen Preisabsprachen bei E-Books hat sich ein mächtiger Akteur zu Wort gemeldet: Das US-Justizministerium droht Apple & Co. mit einer Klage wegen Verletzung des Kartellrechts. Die Verlage hoffen weiterhin auf einen Vergleich.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ geht das US-Justizministerium nach Prüfung des Falls davon aus, dass sich Apple und die Verlage im Schulterschluss dafür eingesetzt hätten, die Preise für E-Books zu erhöhen. Dies verstoße gegen das Kartellrecht.

Die Verlage hätten dies abgestritten: Das Agency-Modell habe, im Gegenteil, den Wettbewerb erhöht, weil mehr elektronische Buchhändler ihr Geschäft ausgeweitet hätten. Nach Einschätzung von William Lynch, Chef beim Amazon-Rivalen Barnes & Noble, würde ein Ende des Agency-Ansatzes dazu führen, dass Amazon noch mehr Macht besäße.

Ob die Gespräche zwischen den Verlagen und Apple sowie den US-Behörden in einen Vergleich mündeten, sei unklar, so das „WSJ“. Die Verhandlungen hätten noch nicht zu einer Annäherung geführt, zitiert das Blatt einen Verlags-Vertreter. Allein angesichts der hohen juristischen Kosten müssten sich die Verlage um einen Vergleich bemühen, auch wenn dieser am Ende aus ihrer Sicht unfair ausfallen könnte.

Angeblich haben die Verlage angeboten, am Agency-Modell festzuhalten, aber dennoch Buchhändlern Preisnachlässe in einem gewissen Maße zu gewähren.

Die Vorgeschichte dieses Falls: 

  • Im August 2011 reichten zwei Privatpersonen eine Klage gegen Apple und die US-Verlage Macmillan (Holtzbrinck), HarperCollins, Hachette, Penguin sowie Simon & Schuster ein. Vorwurf: Die Verlage hätten über das Agency-Modell illegal die Preise festgesetzt, um ihre „Gewinne zu steigern und den Rivalen Amazon dazu zu zwingen, seine Discountpreise aufzugeben“. Dank der Konkurrenz durch Apple hätten die Verlage den Druck auf Amazon erhöhen können und damit gedroht, ihre Titel aus dem Amazon-Store zu nehmen, sollte der Onliner ihnen nicht die Preishoheit gewähren. Die Annahme der Kläger: Keiner der Verlage hätte im Alleingang riskiert, seinen größten E-Book-Kunden zu verlieren – eine Absprache untereinander sei also wahrscheinlich. 
  • Nachdem zahlreiche ähnliche Klagen eingereicht wurden, wurden alle Fälle unter Federführung der Anwaltskanzlei Hagens Berman zusammengefasst. 
  • Im Dezember erklärte das US-Justizministerium, den Fall zu untersuchen (hier mehr).
  • Auch die EU leitete ein Kartellrechtsverfahren gegen mehrere Großverlage ein (hier mehr).


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