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Verlage
Donnerstag, 12. Januar 2012 (16:01 Uhr)


Weltbild: Betriebsrat verlangt Vertretung im Aufsichtsrat

„Wir wollen beim Verkauf mitreden“

Unmittelbar vor dem zweiten Verhandlungstermin über einen Zukunftstarifvertrag (am 16. Januar) erhöht der Betriebsrat von Weltbild den Druck auf die Geschäftsführung. Die Arbeitnehmervertreter verlangen eigene Sitze im Aufsichtsrat.

Update: Der Verhandlungstermin wurde auf den 24. Januar 2012 verschoben. 

Obwohl Arbeitnehmer nach deutschem Recht im Aufsichtsrat mitzubestimmen hätten, sei dies von der Geschäftsführung bisher verweigert worden, da Weltbild ein kirchliches Unternehmen und damit ein Tendenzbetrieb sei, bei dem die Mitbestimmungsgesetze keine Anwendung finden würden, rekapituliert der Betriebsrat. Jetzt sage die Kirche aber selbst, dass die Firma ein rein profit-orientiertes Handelsunternehmen sei – was von der Deutschen Bischofskonferenz als Grund für den Verkauf genannt worden sei. Damit greift die Argumentation aus Sicht des Betriebsrats nicht mehr.

Vor dem Hintergrund, dass die Vertreter der katholischen Gesellschafter im achtköpfigen Aufsichtsrat – unter der Leitung von Prälat Peter Beer, Generalvikar Erzbistum München und Freising – mit Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff derzeit die Leitlinien für den geplanten Verkauf der Verlagsgruppe erarbeiteten, wolle der Betriebsrat dort im Interesse der Belegschaft mitreden, erklärt der stellvertretende Betriebsrats- Vorsitzende Josef Trutt. „Es geht uns nicht um Pöstchen, sondern um konkrete Einflussnahme bei diesem wichtigen Thema“, betont auch Verdi- Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann.

Als ersten Schritt in den Aufsichtsrat wird der Betriebsrat jetzt einen Wahlvorstand bilden. Die Belegschaftsvertreter hätten eine spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei zur Beratung und Unterstützung hinzugezogen.

In der Debatte um die Zukunft des Augsburger Medienkonzerns hatte zuletzt Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gegenüber der dpa ein bisschen Druck herausgenommen. Man müsse sich unter anderem der Frage stellen, wie nach dem Wegfall des Vertriebswegs in Zukunft christliche Literatur in ähnlich erfolgreichem Maße verbreitet werden kann. 

Die zur Umorientierung nötige Zeit werde auch genutzt, um die umstrittenen Schriften aus dem Weltbild-Katalog zu tilgen. Zollitsch betont, ein Verkauf in den kommenden zwei Jahren sei realistisch und werde angestrebt, wohingegen ein Schnellschuss in den nächsten Monaten fatal wäre – besonders für die Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze dann in Gefahr sein könnten. 



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