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Verlage
Freitag, 26. August 2011 (15:08 Uhr)


Jan F. Wielpütz über Perspektiven digitaler Bücher

„Ein völlig neues Leseerlebnis“

Bastei Lübbe will künftig verstärkt originäre Inhalte auf die digitale Schiene schieben und verstärkt dazu die Abteilung Bastei Entertainment um ein eigenes Lektorat (hier mehr). Leiter der neuen Abteilung wird Jan F. Wielpütz (Foto), der im Buchlektorat von Lübbe bisher den Spannungsbereich betreute und als Teil des Autorenteams Bonner/Weiss den Bestseller „Generation Doof“ schrieb. Seine Pläne umreißt der Cheflektor im Gespräch mit buchreport.de.

Müssen digitale Bücher neu erfunden werden?

Wir erschaffen bei Bastei Entertainment Inhalte, die sich speziell an die digitale Zielgruppe richten. Dabei haben wir es mit einem komplett anderen Nutzerverhalten als beim klassischen Buchleser zu tun. Auf einem Tablet oder einem Smartphone stehen Texte in Konkurrenz mit einer Vielzahl anderer Angebote wie Spiele, Filme oder Musik. Daher brauchen wir Inhalte, die man auch in kurzer Zeit konsumieren kann.

Spielt dabei auch Social Reading eine Rolle?

Social Reading ist für uns als Verlag die Chance direkt mit unseren Lesern in Kontakt zu treten. Wir lernen ihre Lesegewohnheiten besser kennen und können auf sie reagieren. Das ist für uns sehr wichtig, da wir unsere Inhalte primär für die digitale Vermarktung produzieren werden. Die physischen Produkte wie Buch und Hörbuch können dann eine weitere Verwertungsstufe sein.

Sie arbeiten an einer digitalen Romanserie…

Bislang waren E-Books die virtuelle Simulation herkömmlicher Bücher. Unsere Romanserie wird Ihnen nun ein völlig neues Leseerlebnis bieten, das Sie in dieser Art nur auf Tablets und Smartphones erleben können. Wir haben die Romanserie exklusiv für diese Geräte entwickelt, und sie wird erstmals deren multimediale Möglichkeiten nutzen. Es ist für uns die Chance, Geschichten auf eine neue Art zu erzählen und so auch hoffentlich neue Zielgruppen für das Lesen zu begeistern. 

US-Statistiker haben Apps und angereicherten E-Books, einen Dämpfer erteilt, die Umsätze sind minimal (hier mehr). In welche Kanäle sollen ihre Inhalte fließen, wenn Apps offenbar nicht das geeignete Medium sind?

Der App-Markt ist sicherlich die größte Herausforderung, und bislang haben sich Bücher dort nicht etablieren können. Doch das ist vielleicht nur eine Frage des Formats: Bislang gab es lediglich multimedial angereicherte Bücher als App, die zumeist hochpreisig und umfangreich waren. Wir wollen die App deshalb nicht voreilig abschreiben. Wir werden neben „normalen“ E-Books auch diese Schiene weiter bedienen und uns auch dort in Preis und Textlänge dem Leserverhalten anpassen.

Die Fragen stellte Lucy Kivelip.

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David Gray aus Hamburg

Montag, 29-08-11 10:51

Lieber Jan Wielpütz,

Ich kann nur sagen: endlich.
Endlich scheint man sich in einem der Publikumsverlage tatsächlich auf das besonnen zu haben, was das E-Book-Format nicht nur vom Standpunkt des Lesers her, sondern auch dem des Autoren erst wirklich zu einem vollwertigen neuen Medium macht: nämlich einen Crossover zwischen Text, Film, Animation, Bild und Internet herzustellen.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf wann und wie Bastei Lübbe dieses Konzept umsetzen wird und werde sicher einer der ersten sein, der sich solche Crossover-Titel zulegt.
Nur sehe ich eben auch gewisse Probleme auf uns Autoren zukommen. Bislang war es ja eher so dass man E-Book-Rechte in Verlagsverträgen als Nebenrechte behandelte, und dem Autor nicht anders vergütete, als man das mit den Printrechten tat. Das heißt mit einer Marge irgendwo zwischen 8 und 12 % pro verkauftem Exemplar. Was offen gestanden nie viel war, angesichts der Tatsache, dass die E-Book-Herstellung für den Verlag wesentlich weniger aufwendig war, als die eines Taschenbuches oder gar Hardcovers.
Doch falls ich als Autor schon in der Konzeption meines Textes / meines Plots wesentlich umfangreicher zu arbeiten haben werde – sprich: Film- Foto und Animationscontent in die Gestaltung meines Produktes einzufügen und anzupassen habe – dann reicht die bisherige Vergütung nicht mehr aus, um mich zu motivieren, diesen zusätzlichen Aufwand tatsächlich auf mich zu nehmen.
Mir scheint, dass sich der klassische Schriftsteller in dieser Beziehung deutlich der Arbeitsweise des Drehbuchautors bzw. – warum nicht? – des Spiele-Entwicklers annähert. Und für dieses wesentlich veränderte Berufsbild und den deutlich erhöhten Arbeits- und Zeitaufwand des Autors kann die übliche Vergütung gar nicht einmal mehr auch nur kostendeckend sein.
Für die Leser wäre eine solche Entwicklung allerdings ein Quantensprung: sie bekämen damit endlich einen angemessenen Gegenwert für die Taschenbuch- oder gar Hardcoverpreise, die man derzeit immer noch für E-Books verlangt.

 
 

 
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