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Wikipedia für Lehrbücher

Verlage
Montag, 22. Februar 2010 (15:02 Uhr)


Macmillan bietet angereicherte und interaktive E-Books an

Wikipedia für Lehrbücher

Wenn 2009 das Jahr der printaffinen elektronischen Bücher war, könnten sich E-Books in diesem Jahr von ihren gedruckten Geschwistern emanzipieren. Waren die E-Books der ersten Stunde primär Eins-zu-eins-Übertragungen der Print-Titel, werden mit der Einführung des iPad angereicherte, multimedial komponierte E-Books an Bedeutung gewinnen. Nach ersten Testballons z.B. von Random House folgt nach einem Bericht von „The Chronicle“ und der „New York Times“ eine Offensive von Macmillan.

Das US-Verlagshaus hat eine Art Software mit dem Namen „DynamicBooks“ vorgestellt, das auf den lukrativen Bildungssektor zugeschnitten ist (den auch Amazon mit dem größeren Kindle-Modell DX ansteuert). Mit dieser Software (Screenshot) können akademische Lehrkräfte Print-Texte (auch anderer Autoren) ergänzen und auf bestimmte Lesergruppen wie ihre Studenten hin anpassen. Beispiel: Ein Chemie-Professor loggt sich auf der Online-Plattform ein, schreibt einzelne Kapitel eines Lehrbuchs um oder neu und fügt Grafiken oder Videos sowie Hausaufgaben-Fragestellungen für die Studenten hinzu. Die Änderungen werden im Dokument eindeutig als solche markiert, um die Unterschiede zur Print-Ausgabe herauszustellen.

Weitere Details zum Konzept:

  • Die akademischen Remixer müssen die Änderungen nicht mit dem Verlag oder Autor abstimmen.
  • Die „dynamischen Bücher“ können sowohl online per Browser als auch nach dem Download auf dem iPhone oder Laptop gelesen werden; auch auf dem iPad soll die Lektüre möglich sein.
  • Für jede lesergerecht angefertigte Ausgabe, die ein Student kauft, erhält der Professor ein Honorar – laut „The Chronicle“ einen Dollar.
  • Auch andere Verlage sollen die Plattform nutzen können. 2009 hatten auch McGraw-Hill (Connect, hier mehr) und Wiley (WileyPlus) eigene E-Book-Formate für den Lehrbuchmarkt präsentiert – die untereinander allerdings nicht kompatibel sind.
  • Die aktuell verfügbaren rund 20 Titel kosten etwa die Hälfte der Print-Ausgaben.
  • Der Wiederverkauf der angereicherten E-Lehrbücher soll dadurch unterbunden werden, dass sich diese nach einem bestimmten Zeitraum (ein paar Semester) selbst zerstören.
  • Laut einer Meldung von Pressetext Deutschland ist der offizielle Marktstart erst im August 2010; dann sollen mehr als 100 DynamicBook-Titel verfügbar sein.
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