Trekking auf schwerem Terrain
Schwieriges Jahr für Reiseverlage
Weil die Wirtschaftskrise die Touristikbranche trifft, befürchten auch die Reiseverlage Umsatzeinbußen. Weil das Internet bei der Informationssuche eine immer größere Rolle spielt, sind neue Produkte gefragt. buchreport analysiert das Marktsegment.
Luftlöcher im Landeanflug werden nicht ausgeschlossen: Die großen Reiseverlage schauen in der Ferienzeit mit gemischten Gefühlen auf die Entwicklung der Umsatzkurven. Die Reisebranche beklagt die Buchungszurückhaltung der krisengeplagten Kunden. Und die Anbieter von Reiseinformationen befürchten entsprechende Rückkopplungseffekte in ihren Jahresbilanzen.
„Wir hatten ein schwieriges erstes Quartal, Mai und Juni waren aber etwas entspannter“, zieht Stefan Rieß, Geschäftsführer der Ganske-Tochter Travel House Media, Zwischenbilanz.
Stephanie Mair-Huydts, Verlegerin des Marktführers MairDumont (Gesamtumsatz 2008: 200 Mio Euro) kommt zu einer ähnlich klingenden Bewertung. „In den ersten vier Monaten des Jahres sind die Umsätze im Buchgeschäft zurückgegangen, um sich im Mai und Juni wieder zu fangen. Die Zeiten sind nicht rosig, es könnte aber schlimmer sein“, stellt sie im Gespräch mit buchreport fest.
Das Internet tangiert die Grundlagen des Geschäfts
Wie Mair-Huydts betont, haben sich die Anforderungen an die Verlage im klassischen Geschäft mit gedruckten Reiseinformationen in den letzten Jahren deutlich verschärft. „Die Publikationen müssen ständig optimiert werden. Früher wurde im Print alle zehn Jahre modernisiert, heute ist nach fünf oder sechs Jahren ein Neuauftritt angesagt.“
Bei den großen Reiseverlagen – sie wurden schon früh durch elektronische Konkurrenzangebote im Internet herausgefordert – gilt die Entwicklung von Produkten für das Web sowie die Verzahnung von Print und Online als wichtige Option, wenn es um die Absicherung der Zukunftsfähigkeit gilt. Auf dem Weg dorthin beeinflussen folgende Faktoren die Anzeige auf dem Kompass:
- Nach aktuellen Zahlen des Bundesverbandes BITKOM machen sich mittlerweile 31 Mio Deutsche vor Antritt einer Reise im Internet schlau. „Communitys sind drauf und dran, im Reisemarkt zu einem echten Machtfaktor zu werden“, konstatiert Claudia Brözel, Vorstand des Verbandes Internet Reisevertrieb (VIR).
- Die Reiseverlage müssen gegen wild wuchernde und kostenlose Informationsplattformen antreten, bei denen sich Nutzer als Inhalteproduzenten einbringen können. Sie positionieren sich dabei mit ihrer Qualitätskompetenz, die auch Anzeigenkunden wie etwa Reisebüros auf die Webseiten locken soll.
- Um den Finger am Puls der Zielgruppen zu halten, sind Produktentwicklungen gefragt, die nicht nur über den Computer beim Kunden landen. MairDumont und Travel House Media haben Angebote im Koffer, die für mobile Endgeräte wie das iPhone geeignet sind. Auf dem wichtigen Feld der Applikationen ist die Kenntnisnahme der jeweils neuesten Gerätegeneration Pflicht.
Neue Impulse für das Online-Geschäft – auch in Form von Werbebuchungen – erhofft sich MairDumont von dem im Mai gestarteten Reisenetzwerk 4trips.de. Als vertikales Netzwerk bündelt das Portal unter der Dachmarke 4trips.de viele kleinere und mittlere Reisewebseiten, die ein breites Themenspektrum abdecken. Die Werbevermarktung übernimmt MairDumont Media. Die Strategie: Durch die aggregierte Reichweite wird ein relevanter Platz bei den Online-Reichweitenmessungen durch IVW und AGOF erzielt. Und die Werbewirtschaft wird mit einer „einfachen und zielgruppenspezifischen Platzierung von Buchungen über mehrere Seiten“ geködert.
Innovative Online-Projekte stehen auch bei Travel House Media ganz oben auf der Agenda. Unter anderem wird die Vernetzung des gedruckten Kompakt-Reiseführers „Merian live!“ ausgebaut, um für die Leser Zusatznutzen zu schaffen:
- Geplant sind aus dem Internet herunterladbare GPS-Daten zu Touren, Ausflugsvorschlägen und Spaziergängen, die in den Bänden vorgestellt werden. Rieß: „Die lohnenswerten Wege müssen mit den Zwischenstationen nicht umständlich in das Handy oder ins Navigationsgerät eingegeben werden, sondern können in einem Schritt heruntergeladen werden.“
- Audio Guides: Hörbeiträge mit einer Länge von drei bis sechs Minuten bieten weiterführende Informationen.
- In einem zweiten Schritt werden personalisierte Reiseführer angeboten, die sich Kunden mit Inhalten aus einem Info-Pool zusammenstellen können.
aus: buchreport.express 30/2009, Foto: ITB Berlin








