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Verlage
Freitag, 05. Dezember 2008 (17:12 Uhr)


E-Book-Konferenz in München

E-Book-Hype reloaded

„Niemand kann sich dem Thema verschließen, auch wenn wir damit erst einmal kein Geld verdienen“, brachte ein Verleger die verbreitete Stimmung bei der „E-Book-Konferenz“ der Akademie des Deutschen Buchhandels auf den Punkt. Die Referenten predigten den über 100 Bekehrten, die zu der Veranstaltung ins Literaturhaus München gekommen waren, weiter eindringlich von der bevorstehenden Ankunft des neuen Mediums im Massenmarkt.

Anders als beim verpufften E-Book-Hype vor acht Jahren sprechen diesmal handfeste Hinweise für den bevorstehenden Erfolg der elektronischen Bücher:

  • In den vergangenen Jahren hat im Fachbuchbereich „heimlich, still und leise“ eine schrittweise Gewöhnung der Leser an elektronische Information stattgefunden, analysiert Norbert Hofherr, Geschäftsführer des E-Book-Dienstleisters Ciando.
  • In den USA dürfte der Umsatz mit elektronischen Büchern in diesem Jahr bei rund 80 bis 100 Mio Dollar liegen, schätzt Johannes Mohn, der bei Bertelsmann als Executive Vice President für Corporate Media Technology zuständig ist. Das sei noch nur ein kleiner Prozentsatz des Buchumsatzes, aber das Wachstum verlaufe exponentiell.
  • Das erfolgreiche Lesegerät Kindle erschließe in den Vereinigten Staaten für Anbieter Amazon neue Kundengruppen, schwärmte Anne Stirnweis, die beim deutschen Ableger für die Entwicklung digitaler Medien zuständig ist. Typische Käufer des Geräts seien nicht in erster Linie internetaffine 20 – 25-Jährige, sondern Vielleser aus höheren Altersgruppen.
  • Der Fachinformationsriese Springer Science + Business Media beobachtet in seinem Bereich, dass die Bewegung ins E-Book schnell voranschreitet, wie Vice President Sales Dagmar Laging berichtete. Während die Verlagsgruppe auf dem deutschsprachigen noch 91% seiner Bücher in gedruckter und nur 9% in elektronischer Form vertreibt, liegt dieses Verhältnis weltweit bereits bei 81% zu 19%.
  • Auch in der Belletristik geht die Entwicklung in den USA, vor allem durch die dort erfolgreich verkauften Endgeräte Amazon Kindle und Sony Reader, rasant voran. Nach bestätigten Zahlen auf Basis des Monats September geht Random House USA von einer Verdreifachung seiner E-Book-Umsätze im Jahr 2008 aus, berichtete COO Frank Sambeth.


Auf die Verlage kommen mit dieser Entwicklung drängende Fragen zu: Welche Investitionen sind nötig, um ein E-Book-Angebot aufzubauen? Welche Umsätze lassen sich damit generieren? Wie lassen sich die Inhalte vor Internet-Piraten schützen?

Lesen Sie mehr zu den Antworten, die auf der „E-Book-Konferenz“ gegeben wurden, kommende Woche in buchreport.express.

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Ulrike Kok aus Köln

Freitag, 05-12-08 18:31

Gute Anregungen, Herr Keiper! Das EBook ist eine Riesenchance für Buchhandel und Verlage, alte Zöpfe abzuschneiden, neue Vertriebswege zu beschreiten und viel mehr Leser zu gewinnen. Mehr Leser bedeuten mehr Kunden. Mehr Kunden können mehr Umsatz generieren. Und schließlich und endlich können wir uns alle freuen, wenn in 10 Jahren das Buch immer noch gleichberechtigt zum EBook angeboten wird. wird. Wir -die Branchenteilnehmer- haben es in der Hand, wie interessant, innovativ und perspektiv der Buchhandel zukünftig verkaufen kann. Erinnern wir uns doch einmal an die endlosen Diskussionen über die Einführung von Disketten, Hörbüchern und Software im Buchhandel. Haben wir etwas daraus gelernt??

 

Manfred Keiper aus Rostock

Freitag, 05-12-08 17:42

Massenmarkt EBook?
Man hat eher das Gefühl, dass hier als Masse wieder ein kleines Häuflein unentwegter übrigbleibt, weil das Herangehen der Branche an den Innovationsmarkt nicht gerade mit innovativen Gedanken gespickt ist.
Einerseits jammert die Branche darüber herum, dass an den gegenwärtigen Preisen nicht mehr geschraubt werden kann, andererseits wird aber davon ausgegangen, dass ein EBook ungefähr 80% vom Printbooks kosten sollte. Fazit (eine Betrachtung aus einem Verlegergespräch): Bei einer Printauflage von 10.000 werden ca. 100 EDownloads verkauft, der Rest wird (raub-)kopiert. Klar, bei dieser Preisgestaltung!
1. Die Musikindustrie ist da offenkundig schon weiter: Trotz 10 Jahren Download macht der haptische Verkauf immer noch 90% aus. Konsequenz: Ab 2009 steigen die Majors von der CD auf den Micro-SD-Chip, aber es bleibt beim Haptischen.
2. Zwar gibt es für EBooks zusätzliche Leser, aber in der Mehrzahl sind die Nutzer von EBooks Komplementärleser, d.h. sie lesen zwar auch EBooks, aber vorwiegend das Printbook oder das selbst Ausgedruckte (auch wenn das noch viel teurer ist). Die Wenigsten lesen nur EBook!
3. Masse bedeutet Menge, und die nicht unbedingt in der Breite. Wenn 50-100 Romane eines Halbjahres, von denen die Hälfte die Bestsellertitel erklimmt, als Bundle erscheinen, sozusagen "2 in 1"(Printbook + EBookChip) und als solches 125% vom Printbook kosten, soll jeder Verleger mit einer Titelauflage von 10.000 mal durchrechnen, bei welchem Modell er und Autor mehr Umsatz machen. Aber vor allem haben die Hersteller der EBookReader ein Problem: Wie bekommen sie so schnell so viele EBookReader?
4. Dem Kunden verkaufen, was er gar nicht braucht? Das geschieht bei jedem PC zu 80%, bei jedem Auto zu 40% - die Kunden kaufen trotzdem. Beispiel: Der neue VW Golf - nicht mehr ohne Klimaanlage zu haben, egal, ob man will oder nicht. Da heißt das "Wertigkeit neu erleben".
5. "Verdreifachung der EBook-Umsätze" Wie soll das bei dem niedrigen Niveau berauschend sein?

 
 

 
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