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Mittwoch, 07. Oktober 2009 (07:03 Uhr)


Amazon bietet Kindle auch in Deutschland an

Ausweitung der E-Zone

Damit hatte im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse wohl kaum einer gerechnet: Amazon weitet das Kindle-Programm jenseits der USA aus und liefert das E-Book-Lesegerät auf einen Schlag in 100 Länder weltweit – in Europa war man zuletzt von einer bevorstehenden Markteinführung ausschließlich in Großbritannien ausgegangen. Außerdem senkt Amazon, wie Firmengründer Jeff Bezos in einem Brief an die Kunden (Foto) mitteilt, den Hardware-Preis:

  • Die US-Version kostet 40 Dollar weniger als bisher: 259 Dollar (rund 176 Euro); die internationale Version verkauft Amazon für 279 Dollar (rund 190 Euro).
  • Hinzu kommen allerdings saftige Porto- und Zollgebühren, in Deutschland 20,98 bzw. 57 Dollar; Gesamtpreis: 356,98 Dollar (etwa 243 Euro)

Weitere Details:

  • Zu den Ländern, in die Amazon ab dem 19. Oktober den Kindle liefert, zählen Frankreich, Indien und Brasilien.
  • Die Bestellung des Kindle erfolgt auch von Deutschland aus über die US-Seite; abgerechnet wird der Hardware- und E-Book-Kauf in Dollar.
  • In allen Ländern hat der Online-Primus offenbar Verträge mit den lokalen Mobilfunkbetreibern abgeschlossen: Überall soll es laut Amazon möglich sein, binnen 60 Sekunden ein Buch auf den Kindle zu laden, ohne das Gerät an den Computer anschließen zu müssen.
  • Amazon verlangt keine monatlichen Gebühren und setzt keine Vertragslaufzeiten voraus.
  • Im Großteil von Westeuropa setzt Amazon auf das schnelle UMTS-Netz (siehe Deutschland-Karte: dunkel-violette Bereiche) oder, wenn nicht verfügbar, das langsamere Edge-Netz.
  • Mit welchem Mobilfunkbetreiber Amazon in Deutschland kooperiert, ist noch unklar. Die Wirtschaftswoche hatte im Juni gemeldet, dass die Verhandlungen mit T-Mobile und Vodafone gescheitert waren, weil beide Verhandlungspartner zu viel Geld für die Bereitstellung des Online-Services verlangt hätten.
  • Bislang bietet Amazon für Deutschland nur 280.000 von insgesamt 350.000 verfügbaren englischsprachigen Büchern sowie amerikanische und internationale Zeitungen und Zeitschriften an.
  • Beim Pricing der elektronischen Bücher schlägt Amazon zumindest in Deutschland ein paar Dollar auf: Statt 9,99 Dollar kosten beispielsweise die „New York Times“-Bestseller zwischen 11,99 bis 13,99 Dollar; daneben verspricht Amazon über 70.000 Titel für unter 5,99 Dollar.
  • Spezifikum für den deutschen Markt: Blogs und Webbrowser sind laut Amazon derzeit nicht verfügbar.

Die Spezifikationen des internationalen Kindle-Lesegeräts sind identisch mit der zweiten Generation des Readers, die Amazon im Februar präsentiert hat:

  • Der interne Speicher umfasst 2 Gigabyte (Platz für 1500 Bücher).
  • Der Kindle 2 ist 9 Millimeter dünn und sehr leicht: 289 Gramm (weniger als drei Tafeln Schokolade).
  • Das 6-Zoll-Display (15 Zentimeter) zeigt 16 Graustufen an.
  • Batterie-Kapazität: Laut Amazon hält eine Ladung beim Verzicht auf die Funkanbindung etwa zwei Wochen.
  • Der Kindle-Store umfasst aktuell rund 350.000 Bücher, darunter 104 der 112 „New York Times“-Bestsellerliste, sowie Zeitungen/Zeitschriften wie den „New Yorker“ oder die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. In Deutschland bietet Amazon nur 280.000 Titel an.
  • Der Kindle unterstützt zahlreiche Text- und Bildformate (darunter neben dem eigenen .azw-Format .txt, .Mobipocket, PDF, .doc sowie .jpg, .gif, .png, .bmp) sowie Audioformate (.mp3); auch Hörbücher der Audible-Tochter können wiedergeben werden.
  • Somit blicken Epub-Fans beim Kindle bislang offenbar noch in die Röhre. Gleichwohl hat Bezos zuletzt angekündigt, dass künftige Kindle-Lesegeräte für weitere Dateiformate geöffnet werden sollen – ohne sich explizit zu dem in Europa dominanten Epub-Format zu äußern (hier mehr).

Mit dem internationalen Vorstoß stellt Amazon die deutschen Onliner und Dienstleister, die zur Messe ihre eigenen E-Book-Aktivitäten präsentieren wollen, in den Schatten. Dies gilt besonders für das Berliner Startup txtr, das in Frankfurt das selbst entwickelte Lesegerät txtr-Reader einführen (hier mehr) und dabei als einer der ersten Anbieter hierzulande mit der Wireless-Funktionalität (E-Books per Mobilfunk herunterladen) punkten will – eine für Nutzer besonders attraktive Funktion, die der heimische Marktführer Sony
bislang in Deutschland nicht anbietet.

Aber auch für Weltbild und Hugendubel, die ebenfalls zur Messe neue E-Reader ins Sortiment aufgenommen haben, erfolgt der Vorstoß von Amazon zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Verbandsportal Libreka hatte erst Mitte September den Vertrieb des vergleichsweise leichten Cybook Opus gestartet.



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