Abebooks will ZVAB übernehmen
Welt- schluckt Deutschland-Primus
In den vergangenen Monaten war es ruhig geworden, um den deutschen Marktführer unter den Marktplätzen für antiquarische Bücher. Jetzt folgt der Paukenschlag: Der Weltmarktführer Abebooks (seit 2008 eine Amazon-Tochter) übernimmt den von der börsennotierten Mediantis AG betriebenen ZVAB-Marktplatz. Der Verkauf soll im 2. Quartal 2011 über die Bühne gehen.
An der Frankfurter Börse legte das Mediantis-Papier um 8% auf 197 Euro (Stand: 13.30 Uhr) zu.
Über die Details zur Übernahme schweigen sich die Kanadier, die in Düsseldorf eine Dependance unterhalten, in einer Pressemitteilung aus. ZVAB-Mutter Mediantis erklärt, dass der auf ca. 4,5 Mio. Euro prognostizierte Umsatz für das Geschäftsjahr 2010/2011 dadurch auf etwa 2 bis 2,5 Mio. Euro reduziert werde. Das operative Ergebnis hatte Mediantis auf 250.000 bis 300.000 Euro taxiert.
Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2009/2010 lag der Umsatz bei 4,6 Mio. Euro (+ 4,2%) bei einem Gewinn von 1,16 Mio Euro.
„Mit der großen Auswahl an seltenen und antiquarischen Büchern ist zvab.com eine hervorragende Ergänzung zum internationalen Abebooks-Angebot“, erklärt Hannes Blum, CEO, in einer Pressemitteilung. „Wir freuen uns sehr darauf, zukünftig mit dem ZVAB-Team zusammenzuarbeiten. Wir werden sicherstellen, dass unsere Kunden sicher, schnell und bequem jedes Buch finden und kaufen können, das von zvab.com und Abebooks angeboten wird.“
„Die Zusammenführung mit Abebooks eröffne uns eine Vielzahl an Möglichkeiten – auch für die schnellere Umsetzung von Verbesserungen der Funktionalität des ZVAB“, lässt sich Bernd Heinisch, Gründer und Mitglied der Geschäftsleitung von zvab.com, zitieren. „Unser Ziel bleibt: mehr Bestellungen, bessere Funktionalität und mehr Kundenzufriedenheit.“
Mit der Übernahme wandern die Deutschen pikanterweise unter das Dach des US-Giganten Amazon, den sie 2011 noch juristisch bekämpft hatten. Im vergangenen Jahr erwirkte das ZVAB eine einstweilige Verfügung gegen die Preisparitäts-Klausel des Onliners (eine Art Buchpreisbindung für den Gebrauchtbuchmarkt, hier mehr).
Das ZVAB im Überblick (Quelle: ZVAB):
- Das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher sieht sich als größter Online-Anbieter für deutschsprachige antiquarische Bücher.
- Das ZVAB finanziert sich durch die monatlichen Beiträge, Listungsgebühren und Verkaufsprovisionen der Mitglieder.
- Es sind ausschließlich gewerbliche Antiquariate als Mitglieder zugelassen.
- Der über das ZVAB generierte Umsatz beträgt jährlich über 26 bis 30 Mio. Euro.
- Mitgliedsantiquariate aus 27 Ländern bieten zusammen mehr als 35 Mio. Artikel an.
- Täglich werden zwischen 4000 und 5000 Titel über www.zvab.com bestellt.
Fotomontage: buchreport.de
Gunhild Stoll aus Berlin
Freitag, 20-05-11 18:35Ich befürchte, das diese Übernahme für viele Antiquare ein wirklicher Einschnitt ist. Die Bemerkung "sture Antiquare" ist sicher provozierend, jedoch gibt es wohl wirklich Einige und nicht Wenige im ZVAB, die die Entwicklung der Zeit und der Preise aus den Augen verloren haben.
Die Menschen gucken schon lange bei Ebay, Amazon und vergleichen.
Ein Grossteil auch der lesenden Menschen macht das, sie mögen nicht immer Fremdwörter oder Abkürzungen in Antworten und Beschreibungen
Warum auch nicht, bevor Amazon und Co. gross wurden, haben sich die gewerblichen!! Händler im ZVAB, keine "Privathändler" wie bei Amazon die es nun auch im ZVAB geben wird, die Preise selbst kaputt gemacht.
Einer fängt bei bsw. 100 Euro für einen Titel an, der Nächste guckt und stellt ihn für 90 ein, dann 70 usw. usw..
Es gab auch im ZVAB schon lange keine "Wertgrenze nach unten", das wäre nett aber mal ehrlich.
Kaufen Händler mit dieser "Wertgrenze" auch an oder passen sie sich inzwischen nicht auch dem Markt an??
Die Übernahme ist eine logische Konsequenz und passt in die Zeit.
Macht gute und witzige Läden auf, das Internet ist eine gute Ergänzung, mehr aber wohl langfristig nicht mehr. Dann stirbt auch der Beruf nicht aus, einfach ein wenig an die denken, die nun der "satten" Sammlergeneration folgen und sie zeitgemäss ansprechen
Christoph Schäfer aus Heinrich Heine Antiquariat, Düsseldorf
Donnerstag, 03-03-11 08:44Sehr geehrter Herr Pisko,
da muß ich doch ausnahmsweise mal das ZVAB in Schutz nehmen und Sie bitten Ihre pauschale Behauptung zu relativieren.
In Einzelfällen mögen Sie Recht haben, aber allgemein gesehen, oder auch nur speziell in unserem Fall, trifft Ihr Verdikt nicht zu.
Viele Antiquare bieten momentan durchaus interessante und auch frische Ware zu sensationellen Preisen nicht nur über das ZVAB, sondern z.B. auch über antiquariat.de an - es herrscht, ganz im Gegenteil, derzeit ein Käufermarkt.
Wäre ich Sammler, würde ich jetzt kaufen, als Händler tue ich es kontinuierlich.
Aber vielleicht ist es in Ihrem Segment tatsächlich so, wie Sie es beschreiben, aber dazu müßte ich wissen, was Sie sammeln.
Teilen Sie uns das doch mit, dann verifizieren oder falsifizieren wir gemeinsam Ihren Verdacht, aber den Begriff "sture Antiquare" bitte ich bereits vorab zu überdenken - übrigens gibt für Bücher eine Wertgrenze nach unten, die eben kein seriöser Buchliebhaber, sei er Antiquar, oder Sammler dauerhaft unterschreiten sollte, wenn beide nicht den Beruf als solchen vernichten wollen, um sich fürderhin nur noch auf virtuellen oder realen Flohmärkten zu tummeln.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Schäfer
Wilhelm Pisko aus Aschaffenburg
Mittwoch, 02-03-11 14:11Das ZVAB verfügt ausschliesslich über Ladenhüter. Der Rest ist überteuerte Ware von sturen Antiquaren, die auf dieser schon jahrzehntelang rumsitzen!
Amazon sollte sich genau überlegen, diesen Schritt zu wagen.








