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Donnerstag, 12. März 2009 (11:30 Uhr)


Interview mit Zukunftsforscher Matthias Horx

Was bringt das E-Book, Herr Horx?

Immer mehr E-Book-Reader kommen auf den deutschen Markt. Die Technik wird sich weiterentwickeln, glaubt Matthias Horx. Im Interview mit buchreport.de beschreibt der Zukunftsforscher die Perspektiven der elektronischen Bücher. Die neue Technik sei eine Projektionsfläche für die strukturellen Schwächen der Branche.
 
Wird das E-Book die Buchbranche in ihren Grundfesten erschüttern?
Ich habe eher den Eindruck, dass viele der strukturellen Schwierigkeiten, die generell in der Buchbranche existieren, jetzt auf diese neuen Geräte projiziert werden. Ich sehe das Problem der Buchbranche, salopp gesagt,  nicht in neuen Technologien, sondern darin, dass zu viele schlechte Bücher gedruckt werden. Aber natürlich muss man davon ausgehen, dass das E-Book sich einen Marktanteil  erobern wird. Der wird vielleicht nicht so groß sein, wie viele erhoffen oder befürchten, aber es werden sich mit Sicherheit gewisse Lese- und Verlagsgewohnheiten ändern.

Was heißt das konkret?
Das E-Book wird die Tendenz zur Polarisierung des Kulturgenres Buch weiter vorantreiben. Wir beobachten ja jetzt schon, dass es eine ungeheure Menge gedruckten Trashs gibt und sehr viele Gebrauchstexte, die immer stärker in den Computer abwandern. Daneben haben sich neue Vertriebskanäle für kulturellen Content gebildet wie zum Beispiel das Hörbuch. Dessen Boom hat ja nichts damit zu tun, dass Autoren besser oder schlechter wären als früher, sondern dass immer mehr Menschen mobil sind. Wir sind heute alle gebildeter und gelangweilter und deswegen lassen wir uns auf langen Autofahrten Bücher vorlesen.

In diesem Kontext muss man auch elektronische Bücher sehen. Es gibt dafür klare Zielgruppen, zum Beispiel professionelle Vielleser, gerade in den Buchverlagen selber. Daneben wird das E-Book aber auch eine Plattform für alles sein, was man sich nicht ins Bücherregal stellen will. Klassische Herz-und-Schmerz-Geschichten, Taschenbücher und Billigromane sind einerseits besonders anfällig für diesen Kanal, lassen sich dort andererseits auch sehr gut zweit-, dritt- und viertvermarkten.

Was ist mit der viel beschworenen Gefahr für das „Kulturgut Buch?
Die sehe ich nicht. Das Aufkommen neuer Medien führt generell dazu, dass bei den alten Medien ein Prozess evolutionärer Veränderung einsetzt. Das Taschenbuch wird sicher massiv leiden, aber parallel zur Ausbreitung des E-Books werden wir eine Renaissance des schönen, wertvollen Buches erleben. Diese Entwicklung können Sie jetzt schon in Amerika sehen: Im Vergleich zu den schönen Sachbüchern, die dort in der hochtechnologisierten Kultur entstehen, sind unsere deutschen Sachbücher noch, salopp gesagt, bad designed.

Werden Sie sich einen E-Book-Reader kaufen?
Ich persönlich werde warten, bis sich diese Technologie in andere Geräte integrieren lässt – in ,smart books‘, die den Laptop mit dem Organizer verbinden. Das klassische Buch ist in seiner Praktikabilität und in der Einfachheit des Bedienens unschlagbar. Ich habe keine Lust, mich mit einem Gerät, dass ich dauernd nachladen muss, in Italien an den Strand zu legen. Vor allem habe ich keine Lust, noch ein Gerät zu haben, das ständig piepst und mich nervt, weil es aufgeladen werden muss.

Wir leben heute in einer Welt des elektronischen Terrors. Ein neues, singuläres Gerät fügt dem Ganzen noch eine Stufe der Komplexität hinzu. Ich sehe andererseits aber auch, dass sich viele Leute in meiner Umgebung solch ein Gerät zumindest als Übergang zulegen werden, weil es für sie in ihrem Gebrauchsmuster von Lesen deutliche Vorteile bietet, Das sind die Profis, die schnell bestimmte Stichworte finden müssen.

Zur Person: Matthias Horx

1955 in Düsseldorf geboren, lebt in Wien. 1973 bis 1980 Studium u.a. der Sozilogie in Frankfurt a.M. 1980 bis 1991 Autor und Redakteur bei „Tempo“, „Zeit“ und „Merian“. 1993 Gründung des „Trendbüros“ in Hamburg, nach seinem Ausstieg dort 1997 Gründung des „Zukunftsinstituts“ mit Sitz in Kelkheim bei Frankfurt und Wien.
Autor zahlreicher Bücher, zuletzt „Technolution. Wie unsere Zukunft sich entwickelt“ (Campus, 2008).

Das komplette Interview ist im buchreport.magazin 3/2009 nachzulesen, das hier bestellt werden kann.



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