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Online
Donnerstag, 19. Februar 2009 (06:43 Uhr)


Leander Wattig über Verlage im Internet

Community First

In den vergangenen Monaten haben viele Buchverlage ihr „Social Media Marketing“ intensiviert. Es finden sich inzwischen etliche Blogs, Podcasts, Social-Network-Accounts, Wikis, Video-Kanäle und andere Plattformen der Verlage. Hier ein paar Beispiele für Aktivitäten auf Verlags-, Autoren- und Buchtitel-Ebene:

Verlags-Ebene:

Verlagsblog Klett-Cotta

Marco Polo Reise- und Freizeit-Community

MySpace-Account des mairisch Verlags

YouTube-Kanal des Eichborn Verlags

Autoren-Ebene:

Twitter-Account von Deuticke-Autor Daniel Glattauer

Podcast mit Gedichten von Mascha Kaleko von dtv und Literaturcafé.de

Buchtitel-Ebene:

Blog und Podcast zum Buch Deutschland-Quiz von Eric T. Hansen bei S. Fischer

Blog zum Buch „Wohin geht die SPD?“ von Daniel Friedrich Sturm bei dtv

Selbst bei Twitter, dem jüngsten der neuen Online-Dienste, finden sich immer mehr Profile von Buchverlagen aus dem deutschsprachigen Raum:

Kein & Aber
Kiepenheuer & Witsch
Ökotopia Verlag
O'Reilly Verlag
Periplaneta Verlag
Piper Verlag
Random House
Storia Verlag
Voland & Quist
Wiley-VCH

Angesichts der zunehmenden Fülle solcher Aktivitäten stellt sich die berechtigte Frage, ob diese sinnvoll sind. Daher möchte ich hier kurz erklären, warum solche auf Kommunikation und Interaktion ausgerichteten Maßnahmen grundsätzlich für alle Medienunternehmen wichtig sind:

„Wert hat, was knapp ist“

Wert hat, was knapp ist. Zu Hochzeiten der Massenmedien war der Zugang zu den Massen bzw. der Öffentlichkeit knapp. Es ist teuer, Bücher und Zeitungen zu drucken oder Rundfunkprogramme auszustrahlen. Daher konnten das nur wenige Unternehmen profitabel tun – als Gatekeeper waren sie exklusive Informationsaussender.

Dann kam das Internet. Jetzt konnte erstmals in der Geschichte jeder Mensch beliebige Inhalte der Öffentlichkeit zugänglich machen. Doch nicht nur die Inhalte der Websites und Blogs von Privatleuten wandern in die „Internet-Cloud“. Das gilt auch für immer mehr Inhalte der Massenmedien, inzwischen auch für Bücher und Filme.

Die Zugänglichkeit dieser Inhalte garantiert aber nicht, dass sie auch wahrgenommen werden. Das knappe Gut ist heute die Aufmerksamkeit. Die Schlüsselfrage für Medien- und alle anderen Unternehmen im Internet lautet daher: Wie erlange ich die Aufmerksamkeit der Menschen? Vor allem die Werbungtreibenden sind an Antworten sehr interessiert.

„Kommunikation auf Augenhöhe“

Seit 1999 wissen wir: Märkte sind Gespräche. Die Menschen reden aber nur mit jenen, denen sie vertrauen. Bei wem das der Fall ist, wird verschiedentlich untersucht. Die Marketing-Beratung Universal McCann hat dies in jüngster Zeit getan. Dort zeigte sich, dass die Menschen vor allem ihrem sozialen Netz, d.h. ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Bekannten vertrauen. Selbst die sehr angesehenen der Massenmedien fallen in der Einschätzung von Vertrauenswürdigkeit zurück, da sie auch im Internet lange nur Sender waren und keinen Raum für Kommunikation und Interaktion geboten, also ihren Gesprächspartnern nicht zugehört haben.

Die Medienunternehmen müssen sich daher konsequent für die Kommunikation auf Augenhöhe mit ihrer Zielgruppe öffnen. Schließlich sind sie auf die Menschen angewiesen und diese nicht auf sie. Deshalb müssen sie sich ebenso sehr um das Vertrauen der Menschen bemühen, wie es deren Freunde und Bekannte tun. Die Medienunternehmen müssen sich also ein eigenes Freundesnetz, eine eigene Community aufbauen, wenn sie auch in Zukunft gehört werden wollen. Das ist die Basis und Voraussetzung für das künftige Geschäft.

„Verlage haben hierzulande länger Zeit“

Glücklicherweise haben viele Medienunternehmen heute noch eine große (wenn auch nicht immer sichtbare) Community. Diese verdanken sie ihren oft noch immer starken Marken, die sie als Gatekeeper aufgebaut haben. Zudem bietet das Internet heute sehr viele Möglichkeiten, die eigene Community aktiv anzusprechen, mit ihr zu interagieren und sie so zu pflegen. Nicht umsonst spricht man vom Social Web und von Social Media. Es gilt also, die Möglichkeiten dieses „sozialen Netzes“ für die eigene Community zu nutzen.

Da die Deutschen nach wie vor die klassischen Medien bevorzugen, haben die Verlage hierzulande etwas länger Zeit, sich auf diesen tiefgreifenden Wandel und dessen Konsequenzen einzustellen. Der Druck wird aber desto höher werden, je stärker auch die Deutschen die neuen Medien nutzen. Langfristig werden vor allem jene Unternehmen Erfolg haben, die der Devise „Community First“ folgen.


Zur Person: Leander Wattig

Der Diplom-Buchhandelswirt arbeitet für die Unternehmensberatung content-press und betreibt einen Blog zu „Trends in neuen und alten Medien“.



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