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Montag, 30. Juli 2012 (16:44 Uhr)


Klaus Driever über das Online-Geschäft bei Weltbild

„Online-Erfolg ist auch Zukunftssicherung fürs Stationäre“

Klaus Driever (Foto: neben Hugendubel-Chefin Nina Hugendubel) blickt optimistisch in die Zukunft. 2015 könnten 25% der Online-Bücher-Erlöse bei Weltbild durch E-Books eingespielt werden – ohne dass digital die Print-Erlöse kannibalisieren müssten. Um den vielleicht größten Trend im E-Book-Geschäft, Selfpublishing, macht der Konzern-Geschäftsführer allerdings einen Bogen. 

40% des Weltbild-Gesamtumsatzes kommen von der Online-Schiene. Überwiegt der Stolz oder die Scham, dass Sie auf der Onlineschiene Umsatz aus dem Filialgeschäft abziehen?

Das Bild der kommunizierenden Röhren passt hier nicht. Im Gegenteil: Profitables Wachstum im Internet  kann sehr gut einhergehen mit einer positiven Entwicklung im stationären Buchhandel. Ein Kunde, der mit Angebot und Service bei unseren Onlineshops zufrieden ist, wird auch gerne in eine Filiale gehen – und natürlich umgekehrt. Das zeigen ja auch die Zahlen: Unsere Kunden kaufen „Multichannel“. Wichtig ist, dass Angebotsphilosophie und Markenführung über alle Vertriebswege stimmig und aufeinander abgestimmt sind. Wir sehen: Wenn sich der Online-Bereich besonders gut entwickelt – im klassischen E-Commerce, beim mobilen Einkaufen mit dem Handy und aktuell besonders bei den E-Books –, dann ist das auch eine Zukunftssicherung für das stationäre Geschäft. Denn hinter diesem Gesamterfolg stehen mit Weltbild und Hugendubel gute und erfolgreiche Marken.

Nach Einschätzung von Carel Halff werden 2015 ein Viertel der Online-Buchumsätze mit E-Books erwirtschaftet. Ist das konservativ oder ambitioniert gerechnet?

Das ist realistisch.

Können E-Books das Minus im Geschäft mit gedruckten Büchern ausgleichen?

Wir können zunächst nur für uns und unsere momentane Erfahrung sprechen: Kunden, die bei uns E-Reader und E-Books kaufen, lieben Bücher und kaufen gerne das eine oder andere Buch zusätzlich.

„Ertrag ist entscheidend“

Carel Halff sagt im Interview im buchreport.express, dass durch die Substitution der gedruckten Bücher die Umsätze sinken werden – entscheidend sei aber der Ertrag.

Das gibt’s keinen Widerspruch. Klar ist: Ertrag war, ist und bleibt die entscheidende Frage. Und von unseren ersten positiven Erfahrungen auf eine gesamte langfristige Branchenentwicklung zu schließen, geht natürlich nicht. Unsere Branche ist von der digitalen Zeitenwende in der Medienlandschaft sicherlich im Augenblick am stärksten geprägt. Ich sehe diesen Wandel aber mit Optimismus: Unsere starken Handelsmarken, die auf allen Kanälen zuhause sind, geben dem Buch eine große Sichtbarkeit: Wir haben moderne Filialen in Top-Lagen, attraktive Internetshops, innovative Vertriebswege wie E-Book und mobile Commerce. Das ist ein klares Bekenntnis zum Buch.

In Ihrer Bilanz erwähnen Sie den erfolgreichen E-Reader 3.0. Wie lautet die Bilanz zu Ihrem 160-Euro-Tablet?

Auch dieses Produkt lief hervorragend, sogar so gut, dass der Lieferant zeitweilig mit der Produktion nicht nachkam. Der Fokus bei diesem Tablet lag aber nicht auf dem Thema E-Book; es handelt sich um ein Multimedia-Tablet für Lesen, Surfen im Internet, E-Mail und vieles mehr.

Google und Amazon werden in Kürze auch hierzulande Tablets rund um und unter 200 Euro anbieten, vermutlich mit einer ausgefeilten Technik und Shopintegration. Wie halten Sie dagegen, wenn Sie preislich nicht mehr führend sind?

Zu Branchengerüchten möchte ich nichts sagen. Grundsätzlich gilt aber, dass Sie unsere Kunden nicht unterschätzen sollten: Qualität, Aktualität und Preis sind bei all unseren Produkten wichtig – nicht nur bei E-Readern und Tablet PCs. Aktuell sehe ich im deutschsprachigen Markt übrigens keine große Wanderungsbewegung vom E-Reader zum Tablet. Da es sich doch um unterschiedliche Nutzungskontexte handelt, kaufen auf Besitzer von Tablet-PCs häufig einen E-Reader. 

Selfpublishing? – „Wir sind Partner der Verlage“

Die E-Book-Bestsellerlisten von Amazon werden von Selfpublishing-Autoren geprägt. Fehlen Ihnen solche Titel?

Unsere Weltbild-Philosophie als Buchhändler setzt auf Kompetenz bei der Auswahl, Zusammenstellung und Präsentation von Büchern. Dafür haben wir eine hochkompetente Buchprogramm-Redaktion – sehr wahrscheinlich sogar die größte in Europa – und tolle Leute im Marketing. Von dieser Philosophie werden wir auch im Segment E-Book nicht abweichen: Unser Angebot ist mehr als eine anonyme Plattform; wir wollen dem Leser beides bieten: Empfehlungen von begeisterungsfähigen Programm-Machern und die große Breite des Internets. Was mir wichtig ist: Auch beim E-Book sehen wir uns als Partner der Verlage.

Das heißt, Sie verschenken Umsatz, um die Verlage zu unterstützen?

Es geht nicht um Verschenken; es geht um ein Bekenntnis zu dem, was unsere Buchbranche auch in Zukunft die Lebenskraft gibt: Um gute Bücher zu finden, brauchen Sie gute Autoren, gute Lektoren und gute Buchhändler. Das gilt mehr denn je im digitalen Zeitalter mit seiner Tendenz zur Beliebigkeit und Anonymität. Darum setzen wir auf die Zusammenarbeit mit Verlagen und Autoren.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

Mehr zur Entwicklung von Weltbild, inkl. Interview mit Carel Halff, im aktuellen buchreport.express 30/2012 (hier zu bestellen).



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