(Anzeige)

(Anzeige)
Online
Freitag, 26. November 2010 (11:34 Uhr)


Interview mit Christine de Mazières vom französischen Verlegerverband

„Strategische Wende bei Google“

In Frankreich hat sich das US-Unternehmen mit Hachette Livre auf die digitale Verwertung Tausender urheberrechtlich geschützter, aber vergriffener Bücher geeinigt. Christine de Mazières (Foto), Generalsekretärin des französischen Verlegerverbandes SNE, begrüßt den Vorstoß des größten französischen Verlags.


Das Google-Settlement liegt offenbar seit Monaten auf Eis. Bringt der Hachette-Schritt Ihrer Meinung nach Bewegung in das Thema?
Diese Vereinbarung hat sicherlich Bewegung gebracht, nach 4,5 Jahren ändert sich jedenfalls der Diskurs von Google zum ersten Mal. Es scheint sich sogar eine strategische Wende bei Google abzuzeichnen. Im Verlegerverband (SNE) haben wir aber den Text zur Absichtserklärung noch nicht gelesen. Es ist eine erste Etappe: Die Vereinbarung würde nämlich bestimmen, dass die Parteien binnen sechs Monaten ein definitives Abkommen zu beschließen versuchen werden.

Ist die Vereinbarung ein Sieg für das Urheberrecht, wie Christian Sprang vom Börsenverein kürzlich sagte?
Wenn die Vereinbarung bestätigt wird, dann wird es ein Sieg sein für das Urheberrecht, für die Autoren und Verleger, für die kulturelle Vielfältigkeit. Das Rechtsverfahren von La Martinière zusammen mit dem SNE und der Autorengesellschaft SGDL wird aber zunächst weitergeführt, bis man sich dessen sicher ist.

Welche Auswirkungen hat dies auf die geplanten brancheneigenen Plattformen für digitale Bücher sowie die Initiative des Kultusministeriums zur Digitalisierung vergriffener Werke aus dem 20. Jahrhundert?
Es ändert soweit nichts an die Digitalbücher-Plattformen und auch nichts an dem Vorhaben zur Digitalisierung vergriffener Werke, das viel mehr Werke umfasst (ca. 400.000) und auf einem „collective rights management“ beruht. Beide Projekte ergänzen sich.

Hachette war bereits wegen einer Anzeigenkampagne mit Apple in der Branche umstritten. Wie schätzen Sie das aktuelle Klima in der Verlags-Branche ein? Ziehen alle an einem Strang?
Der Verband SNE vereinigt 80 Prozent der Verlagsbranche und leistet eine kollektive Arbeit in vielen Bereichen und ganz besonders im digitalen Bereich: der Wille, zusammen in die digitale Welt anzukommen, ist nach wie vor sehr stark, denn es gibt eigentlich keine Alternative dazu gegenüber den „global players“. Wenn der größte französische Verlag, dank seiner Grösse, ein gutes Abkommen verhandeln kann, das für die ganze Branche Vorteile haben kann, dann sind alle Gewinner.


Die Fragen stellte Daniel Lenz



blog comments powered by Disqus


ImpressumSitemapAGB © 2014

CMS, Programmierung Design und Hosting: www.wecotec.de