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„Wir wollen unser Angebot globalisieren“

Online
Montag, 02. November 2009 (11:11 Uhr)


Interview zum Abebooks-Jubiläum

„Wir wollen unser Angebot globalisieren“

Zehn Jahre, nachdem fünf Absolventen der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz einen Internetmarktplatz für vergriffene Bücher eröffneten, feiert die Keimzelle von Abebooks Europa Jubiläum. Im Interview mit buchreport.de beschreibt Mitgründer und heutiger CEO von Abebooks Hannes Blum (Foto) die Veränderungen auf dem Markt – und erklärt, wie das Unternehmen zur ersten Bücher-Adresse im Netz werden will.


Abebooks gilt als größter Online-Händler für gebrauchte Bücher und arbeitet angeblich seit seiner Gründung profitabel. Was haben Sie besser als andere Startups gemacht?
Abebooks arbeitet von Anfang an mit einem Gebührenmodell, dass das Geschäft insbesondere in der Frühphase sehr gut unterstützt hat. Durch monatliche Einstellgebühren (gestaffelt nach Anzahl der eingestellten Bücher) hatte man ein sehr gut planbares Geschaeftsmodell mit geringen Schwankungen auf der Einkommensseite. Darüber hinaus war Abebooks von Anfang an äußerst sparsam und hat immer nach kreativen, günstigen Lösungen gesucht. Auch für Marketing war in den frühen Jahren kein Budget vorhanden. Folglich war der größte Wachstumstreiber die Empfehlung von Abebooks durch Käufer und Verkäufer, was wiederum durch gute Leistungen für diese beiden Zielgruppen erreicht wurde.  

Wie hat sich seit 1999 der Markt verändert?  
Sowohl Angebot als auch Nachfrage haben sich massiv verstärkt. Die Folge ist, dass erhöhte Transparenz auf Angebots- und Nachfrageseite Preise für sogenannte "commodities" (Bücher, von denen zahlreich Angebot vorhanden ist) nach unten treibt und auf der anderen Seite besondere und seltene Bücher im Preis nach oben gegangen sind. Eine weitere massive Veränderung ist ferner die technische Entwicklung, die sich auch auf die Professionalität im antiquarischen und Gebrauchtbuchhandel bemerkbar macht. Beispielsweise sind Bücher schneller und leichter erfassbar, schneller und einfacher im Netz verfügbar und können professioneller dargestellt warden (z.B. Fotos und Videos von besonderen Büchern).  

Was hat sich seit der Übernahme von Abebooks durch Amazon getan?  
Auf dem Marktplatz von Abebooks findet der Kunden die weltweit besten antiquarischen Buchhändler. Die Seite bietet ein umfassendes Angebot von Unikaten und Raritäten. Die Zusammenarbeit mit Abebooks ermöglicht es Amazon, Kunden eine noch größere Auswahl von Büchern anzubieten, vor allem seltene Bücher und solche Titel, die nicht mehr gedruckt werden. Weiterhin kann Amazon durch die Zusammenarbeit auch den Top-Service verbessern, den Amazon der Verkäufer Community zur Verfügung stellt.  

Inwiefern profitieren Sie von der starken Mutter? 
Durch die Zusammenarbeit mit Amazon haben die Teams die Möglichkeit, auf die globalen Ressourcen von Amazon zuzugreifen. Diese können sie einsetzen, um Kunden einen noch besseren Service anzubieten und Kunden und Buchhändler auf der ganzen Welt besser zusammenzubringen.  

Sie wollen die erste Anlaufstelle für Buchliebhaber aller Art im Netz werden. Wie gelingt Ihnen das?  
Wir sind in den wesentlichen Märkten in Europa und Nordamerika recht gut positioniert. Die Attraktivität weiterer Internationalisierung z.B. in Osteuropa und Lateinamerika testen wir derzeit über gojaba.com in Polen und Brasilien. In Asien sind wir derzeit noch sehr schwach vertreten. Dies ist ein Thema, das wir in den nächsten Jahren angehen werden. Die Globalisierung unseres Angebots und unserer Plattform wird ein wesentlicher Wachstumstreiber für Abebooks in den nächsten Jahren sein.


Die Geschichte des Unternehmens rekapituliert  Abebooks wiefolgt:

„1999 gründen fünf Absolventen der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz  die JustBooks.de GmbH. Die Geschäftsidee: Die Errichtung eines Internet-Marktplatzes, auf dem Leser vergriffene Bücher schnell und günstig erwerben können. Bereits während ihres Studiums stellen die Firmengründer fest, dass dringend benötigte Fachbücher oft nicht lieferbar oder in den Uni-Bibliotheken verliehen sind. Die Bücher, ob neu, gebraucht oder antiquarisch, sollen jetzt durch ein breites Netzwerk von Antiquaren, Buchhändlern und Privatanbietern bereitgestellt werden und bequem durch wenige Klicks über die Website JustBooks.de zu kaufen sein.
 
Noch im selben Jahr präsentiert sich das Düsseldorfer Start-Up auf der  Frankfurter Buchmesse. Finanziell unterstützt wird das Gründerteam zunächst von Business Angels,  später dann von Hubert Burda Media. Die Idee wird von Antiquaren und Büchersammlern begeistert aufgegriffen.  Im Jahr 2000 werden mit JustBooks.co.uk und JustBooks.fr  die englische und französische Variante der erfolgreichen Internetplattform gestartet.
 
2001 übernimmt das kanadische Online-Antiquariat Abebooks.com das deutsche Unternehmen. Damit erweitern sich in kurzer Zeit sowohl das Angebot als auch die Reichweite erheblich. Abebooks wächst seitdem stetig weiter: 2004 expandiert der Online-Marktplatz nach Spanien und vier Jahre später nach Italien. 2008 erfolgt der nächste Meilenstein: Amazon.com erwirbt Abebooks und ergänzt somit sein umfangreiche Angebot mit einer Vielzahl an antiquarischen und seltenen Büchern aus aller Welt.
 
Was vor zehn Jahren als kleines Internet-Start-Up in Düsseldorf begann, hat sich über die Jahre zu einem globalen Online-Marktplatz für Bücher entwickelt. 110 Millionen neue, gebrauchte, antiquarische und vergriffene Bücher werden von Tausenden von Verkäufern aus der ganzen Welt auf den Abebooks Webseiten zum Verkauf angeboten, und auch in Zukunft arbeitet Abebooks hart daran, die erste Anlaufstelle für Buchliebhaber aller Art zu sein.“

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