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Online
Montag, 30. Mai 2011 (08:52 Uhr)


Perspektiven der Buchbranche aus Sicht der Hochschulen

Szenarien für den Buchmarkt der Zukunft

Nicht nur Branchenunternehmen und ihre Mitarbeiter sind von der fortschreitenden Digitalisierung betroffen. Auch die Hochschulinstitute, die das Buch im Schild führen, beackern Themenfelder, die weniger Gewissheiten als in früheren Zeiten enthalten. Wie sie den aktuellen Herausforderungen der Branche begegnen, erläutern Lehrende in einer neuen buchreport-Serie. Heute bewertet Prof. Dr. Stephan Füssel vom Institut für Buchwssenschaft der Gutenberg Universität Mainz die Perspektiven der Branche.

Die größten Herausforderungen für die Branche?

Die Digitalisierung stellt zweifellos die größte Herausforderung für die Branche dar, und zwar nicht nur in der elektronischen Bereitstellung der Texte und in dem Vertrieb über E-Books, sondern auch in der Erarbeitung von neuen Marketing- und Vertriebsstrategien, von Überlegungen zur typografischen Gestaltung bei crossmedialer Präsentation, der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zum Bezug von Buchausschnitten, aber auch bei den Rückwirkungen auf die analoge Präsentation digitaler Texte (Druck nach digitaler Satzgestaltung).

Die Buchgestaltung steht vor neuen Herausforderungen durch die Veränderung der Sehgewohnheiten im Layout von Fach- und Sachbüchern, durch veränderte Marketingaktivitäten mit Booktrailer oder dem Verkauf über Social Networks. Schließlich sind die Veränderungen der Lesegewohnheiten durch das Lesen am iPad und durch die Möglichkeit, nun audiovisuelle Elemente in Texte einzufügen, eine Herausforderung nicht nur für Autorinnen und Autoren, sondern auch für Gestalter und für die Leser/Betrachter. Schließlich bekommt die Aktualisierung von Fach- und Sachbüchern im elektronischen „Abonnement“ eine völlig neue Bedeutung, die sich auch auf die Umschlaggeschwindigkeit der Druckversionen beziehen wird.

Mit welchen Ansätzen begleiten Sie die Entwicklung?

Das Mainzer Institut für Buchwissenschaft, aus dem 1947 gestifteten Gutenberg-Lehrstuhl hervorgegangen, forscht und lehrt über die Rolle und Bedeutung des Buches in der Geschichte, in der momentanen Umbruchsituation und entwickelt gleichzeitig Szenarien für den Buchmarkt der Zukunft. Die inzwischen über 1000 Studierenden (Magister, Bachelor, Master) erfahren an historischen Fallbeispielen die kulturelle und die gesellschaftliche sowie die demokratiefördernde Funktion des Buches und werden mit dem Doppelcharakter des Buches als einer Ware und eines geistigen Wertes vertraut gemacht.

Fallbeispiele der Medienkonkurrenz (Buch und Hörfunk/Buch und Film in den 20er-Jahren/Buch und Fernsehen seit den 60er-Jahren/Buch und Internet) analysieren Symbiosen und Verdrängungswettbewerbe.

Seit 12 Jahren begleitet das Institut die Entwicklungen auf dem E-Book-Markt (Gutenberg-Preis im Jahr 2000 an den Erfinder des E-Ink, Joseph Jacobson vom MIT) und nimmt u.a. Stellung zur „Digitalisierung und Geisteswissenschaften“ (2003) und ist federführend an einem Zusammenschluss der Mainzer Medienfächer mit zusammen 4800 Studierenden in einem „Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz“ beteiligt. Dem FSP liegt die Erkenntnis zugrunde, dass das künftige Zusammenwachsen der Medien nicht mehr von Fächern wie Buchwissenschaft, Journalistik, Publizistik oder  Filmwissenschaft einzeln betrachtet werden kann, sondern dass sie gemeinsam mit Medienökonomie, Medienpädagogik und Medienrecht analysiert und erforscht werden müssen.

Wie schlägt sich das im Lehrangebot nieder?

Durch die Studienreform zum Bachelor und Master konnte eine Neugewichtung von medienrechtlichen und medienökonomischen Fragestellungen fest in dem Lehrplan verankert werden, ebenso die Betrachtung und die Analyse des digitalen Umbruchs, Fragen der Langzeitarchivierung oder des Einsatzes von Social-Media-Marketing. Das Lehrangebot enthält u.a. Vortragsserien mit Praktikern; daneben finden regelmäßig Seminare zur Berufsfeldorientierung statt, die die veränderten Arbeitsbedingungen von Typografen und Herstellern, Lektoren und Redakteuren, Verlegern und Sortimentern thematisieren.

Alle Artikel der Serie:

Aus: buchreport.magazin 5/2011

 



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