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Verlage
Donnerstag, 31. Mai 2012 (15:49 Uhr)


Bookboon finanziert seine Bücher über Anzeigen

„E-Books sind viel zu teuer“

Die Deutschen kaufen so wenige E-Books, weil sie ihnen zu teuer sind, meint Thomas Buus Madsen (Foto), Mitbegründer von Bookboon.com. Das dänische Verlagshaus mit Niederlassungen in London, Kopenhagen und München bietet seine E-Books deshalb kostenlos an – und finanziert sich über Anzeigen. Wie das Konzept funktioniert und warum die Preisbindung für E-Books seiner Meinung nach aufgehoben werden sollte, erläutert der Bookboon-Vizechef im Interview.

Thomas Buus Madsen (Foto, ©Bookboon.com) hat das Verlagshaus Bookboon zusammen mit seinem Bruder Kristian Buus Madsen 2005 ins Leben gerufen. 

Sind E-Books zu teuer?

Ein klares ja: E-Books sind immer noch viel zu teuer – besonders in Deutschland aber auch auf internationaler Ebene. Der Grund dafür ist die hierzulande auch für E-Books geltende Buchpreisbindung: Alle E-Books müssen bei deutschen Online-Händlern dasselbe kosten. In anderen Ländern liegt es oft an der Dominanz der großen Verlage, die hohe Preise festsetzen, um ihre hohen Ausgaben zu decken.

Momentan ist der E-Book-Markt auf demselben Stand wie der europäische Markt für Flugreisen vor der Deregulierung des Flugverkehrs Anfang der 90er Jahre. Die Deregulierung machte den Weg frei für Billigfluggesellschaften wie easyJet. Dadurch wurde Fliegen auch für die breite Masse möglich und mit den fallenden Preisen stieg die Anzahl an Fluggästen enorm. Wird die Preisbindung für E-Books aufgehoben, wird auch hier die Nachfrage nach oben schießen.

Auch Zahlen von Marktforschungsunternehmen deuten auf diese Entwicklung hin. Einer Umfrage des amerikanischen Unternehmens Bowker zufolge kaufen nur 13% der Deutschen E-Books, wohingegen 23% kostenlose E-Books herunterladen. Das zeigt: Den Bundesbürgern sind E-Books einfach zu teuer.

Welchen Ansatz verfolgen Sie?

Bei Bookboon.com können die künftigen Arbeitgeber unserer Leser – hauptsächlich Studenten und Young Professionals – Anzeigen in unseren Büchern schalten. Dies sind in erster Linie Rekruitment-Anzeigen von Unternehmen wie Daimler oder RWE. Wir achten bei der Auswahl der Anzeigen und unserer Partner sehr genau darauf, dass nur ethisch vertretbare und für den Leser vorteilhafte Inhalte in den Büchern auftauchen. 

Außerdem stellen wir sicher, dass die Anzeigen in den Büchern auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtet sind – je nach Studienrichtung bzw. Job, Sprache und Land. 

Lädt beispielsweise ein Ingenieurstudent ein Buch herunter, sieht er Anzeigen von Unternehmen, die ihm Karrieremöglichkeiten im Bereich Ingenieurwesen aufzeigen. Damit können Studenten schon während ihres Studiums einen Eindruck von künftigen Arbeitgebern gewinnen. 

Die nötigen Informationen für die Anzeigenverteilung erhalten wir, indem wir dem Nutzer vor dem Download einige wenige Fragen stellen.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie als Verlag nicht ihre Unabhängigkeit und Glaubhaftigkeit verlieren?

Zum einen haben wir festgelegt, dass maximal 15% des Inhalts der Bücher von Anzeigen belegt sein darf. Das ist weniger als bei den meisten Zeitungen. 

Zum anderen halten wir strenge Auswahlkriterien ein, was den Inhalt der Anzeigen betrifft. Dann wäre da noch die Tatsache, dass die Bücher völlig unabhängig von den Anzeigen geschrieben werden. Unsere Priorität gilt den Büchern, die Anzeigen werden erst im Nachhinein hinzugefügt. Diese Trennung zwischen Inhalt und Anzeigen ist uns sehr wichtig.

Sie haben auch Kritik einstecken müssen, dass Sie Bücher verschleudern. Wie reagieren Sie darauf? 

Solange nur unsere Wettbewerber und nicht unsere Nutzer etwas an unserem Konzept auszusetzen haben, sind wir auf dem richtigen Weg. Wir erhalten jede Menge positives Feedback von unseren Lesern auf sozialen Netzwerken wie Facebook aber auch via E-Mail. 

Jedes unserer Bücher wird mindestens vier Mal mit Freunden geteilt und dieses Jahr haben deutsche User bereits zwei Mio E-Books auf unserer Seite heruntergeladen. Das sind über 400% mehr als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres. Von „Kritik“ von Seiten unserer Leser kann also keine Rede sein. 

Die Fragen stellte Lucy Kivelip. 



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