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Rip. Mix. Burn

Presseschau
Dienstag, 09. Februar 2010 (10:02 Uhr)


Die Buchbranche im Fokus der Medien

Rip. Mix. Burn

Weiter geht's in der Debatte über Helene Hegemanns Copy-and-Paste-Roman „Axolotl Roadkill“. Im Interview mit der „Welt“ bezeichnet die 17-Jährige die Quellenangabe als „ästhetisches Problem“.  Der Entstehungsprozess zeitgenössicher Bücher habe „mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun“, „also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation“.

Der „Tagesspiegel“ meint, Hegemann sei das Remixen und Collagieren nicht gelungen. Der auf der Website www.gefühlskonserve.de des Bloggers Deef Pirmasens präsentierte Text-Vergleich von Original (Buch des Berliner Bloggers Airen) und Kopie zeige „viel Scham- und Kunstloses“.

Wolfgang Tischer (literaturcafe.de) wundert sich, dass die Feuilletons Abschreiben ohne Quellenangabe auf einmal ok finden. „Die junge Autorin Helene Hegemann hat einen Fehler gemacht. Dass sich ihr Verlag nicht vor sie stellt und Verantwortung für eine Minderjährige übernimmt, ist bedauerlich. Dass Journalisten den wahren Fehler nicht erkennen, ist peinlich. Dass sich im Netz nun ein Kübel Hass- und Hähme über die Autorin ergießt, ist unwürdig.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ empfiehlt dem Vater von Hegemann – dem Ex-Dramaturgen an Frank Castorfs Volksbühne Carl Hegemann, der seiner Tochter den Original-Roman „Strobo“ schenkte – seine „schwurbelnde Tochter“ jetzt mit Brechts legendärer „Laxheit in Fragen geistigen Eigentums“ zu trösten.

stern.de interviewt den Verleger von „Strobo“, Frank Melau (Subkultur Verlag), der im Moment keinen Anlass sieht, „die juristische Keule zu ziehen, das Buch per einstweiliger Verfügung einstampfen zu lassen, oder gar Frau Hegemann zu denunzieren.“

„Wo kommen wir eigentlich hin, wenn die Literatur auf einmal wieder einem Autorenbegriff unterworfen wird, der aus dem 18. Jahrhundert stammt?“, fragt Spiegel Online. Es scheine für viele, auch für das Feuilleton, eine große Kränkung darin zu liegen, dass die für gut befundene literarische Provokation eine genuin postmoderne, also aus Versatzstücken montierte sei.

Die „FAZ“ vergleicht die Bücher von Hegemann und Airen und kommt zu dem Ergebnis, dass „Strobo“ nur eine „gleichmäßig dahinfließende Litanei“ sei, deren Grellheiten auf die Dauer etwas Lähmendes habe, während „Axolotl Roadkill“ immerhin eine Geschichte erzähle.

welt.de, literaturcafe.de, gefuehlskonserve.de (Vergleich Original- Hegemann), tagesspiegel.de, „Süddeutsche Zeitung“ (S. 11), stern.de, spiegel.de, nzz.ch, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 29)

 

BÜCHER & AUTOREN

J. M. Coetzee: feiert am heutigen Dienstag seinen 70. Geburtstag.
tagesspiegel.de, „Süddeutsche Zeitung“ (S. 14), nzz.ch, fr-online.de, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 30)

Douglas Coupland: Die „Süddeutsche Zeitung“ wandert mit dem Schriftsteller durch die Olympia-Metropole Vancouver.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 11)

Niall Ferguson, Ayaan Hirsi Ali: Die Liaison zwischen dem Jetset-Historiker und der Islamkritikerin bewegt Großbritannien.
welt.de

Alexander Kluge: bekommt den Deutschen Hörbuchpreis 2010.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 14)

ONLINE

Ortsbezogene Dienste: Foursquare macht das Internet lokal.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 17)

 

MEDIEN & MÄRKTE

Burda: Michael Krüger gratuliert „meinem Freund“ Hubert Burda zum 70. Geburtstag.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 33)

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