Anzeige
Anzeige

„Kein Grund, den Autorenanteil zu senken“

Online
Montag, 23. November 2009 (11:11 Uhr)


VS-Chef Imre Török zu E-Book-Tantiemen

„Kein Grund, den Autorenanteil zu senken“

Diesseits und jenseits des Atlantiks liegen Verlage und Agenten mit Blick auf die Höhe der Autorenhonorare bei E-Books im Clinch. Nach Random House und Simon & Schuster hat zuletzt auch noch Macmillan die Tantiemen der Autoren gesenkt. Im Interview mit buchreport.de kommentiert Imre Török, Bundesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller, die Entwicklung.

Während in den englischsprachigen Ländern bei Lizenzverhandlungen 
derzeit 25% vom Verkaufspreis favorisiert werden, steuert Macmillan 
20% an. Wie kommentieren Sie diese Offensive?
Das ist ausgesprochen ärgerlich. Man muss wissen, dass diese 20% oder 25% vom Verlagsabgabepreis berechnet werden, also von einer deutlich niedrigeren Basis als bei gedruckten Büchern. Bezogen auf den Verbraucherpreis bekommen Autoren beim E-Book einen ähnlich großen Anteil wie beim Hardcover. Das ist zu wenig, wenn man bedenkt, dass für das E-Book praktisch keine Herstellungskosten mehr anfallen. Deshalb ist es wenig verständlich, wenn Verlage nunmehr versuchen, den Autorenanteil weiter zu drücken. Sachliche Gründe dafür sieht der VS nicht; wir haben vielmehr den Eindruck, dass durch ein abgestuftes Vertriebssystem und ein überteuertes Abrechnungswesen unnötige Kosten generiert werden.
 
Wo könnten die Verlage sparen, wenn nicht bei den Autoren?
Die Verlage ersparen sich beim E-Book ohnehin die kompletten Herstellungskosten. Die Konvertierung der vorhandenen Daten auf ein neues Format fällt im Vergleich zum Aufwand, ein gedrucktes Buch zu produzieren und zu vertreiben, nicht ins Gewicht. Wenn die Verlage diesen Kostenvorteil an die Leser weitergeben, schmälert die abgesenkte Verlagsabgabepreis ohnehin die prozentual berechneten Autorenhonorare. Es gibt somit keinen vernünftigen Grund, den prozentualen Autorenanteil zusätzlich noch einmal abzusenken. Die Erwartung vieler, digitale Werke billigst – womöglich gratis - aus dem Internet zu beziehen, ist bekannt. Der VS allerdings erwartet von allen Verwertern, dass sie sich dieser wertefeindlichen Ideologie nicht beugen.


Erwarten Sie, dass andere große Verlage nachziehen?
Wir haben schon davon gehört, dass auch deutsche Verlage ihre Kalkulation umstellen wollen. Auch hier sollen hohe Vertriebskosten als Grund gelten, den Autorenanteil zu kürzen. Es bleibt zu hoffen, dass man sich auf einen vernünftigen Standard wird verständigen können.


Im Ausland trommeln die Autorenverbände längst für ihre Belange. Warum war der VS bisher bei diesem Thema so still?
Der VS ist zu diesem Thema, zusammen mit unserem Justitiar Wolfgang Schimmel, noch in internen Beratungen. Allerdings werden wir demnächst auf den Börsenverein zugehen, um Verhandlungen über die notwendige Anpassung des Normvertrags und die Höhe der Vergütungen aufzunehmen. Wir erwarten vom Börsenverein, dass er darauf konstruktiv reagiert.

zurück


Diesen Artikel kommentieren

Vorname*
Nachname*
E-Mail*
Homepage
Ort*
CAPTCHA Bild zum Spamschutz Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
Kommentar*

*Pflichtfelder


ImpressumSitemapAGB © 2010

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews