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„Der Wandel wird unterschätzt“

Verlage
Mittwoch, 17. Februar 2010 (08:02 Uhr)


Interview mit Management-Prof. Fredmund Malik

„Der Wandel wird unterschätzt“

Die Medienbranche einschließlich des Buchmarktes steht vor großen Herausforderungen: Die Digitalisierung fordert ein Überdenken von Strategien und Erlösmodellen, die sich lange bewährt haben, die aber unter den neuen, komplexen Rahmenbedingungen nicht mehr ausreichen. Mit dieser Ausgangslage und unter der Überschrift „Aufbruch zum Umbruch im Medienmanagement“ veranstaltet die Akademie des Deutschen Buchhandels in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen Malik Management eine Top-Management Konferenz zum Thema (in München am 3. März).

Prof. Dr. Fredmund Malik, Gründer und Leiter des Malik Management-Beratungsunternehmens in St. Gallen, hat die Konferenz mit konzipiert und wird die Key-note vortragen. Er verweist auf die Anforderungen an Unternehmensführung und Management („Nur wer heute Lösungen findet, wird morgen noch im Markt sein“) und antwortet im Folgenden auf sechs buchreport-Fragen:

Sprengen die aktuellen Bedingungen den üblichen Rahmen für Managemententscheidungen?
Malik: Ja, weil die großen Trends an den Grundfesten von Unternehmen und Gesellschaft rütteln. Nur drei Beispiele: Ein Mega-Trend ist die Komplexifizierung der Welt, d.h. das Entstehen der neuen Welt hochdynamischer Systeme und der Komplexitätsgesellschaft. Das bedeutet das Ende von Gewissheit, Vorhersehbarkeit und herkömmlichen Mitteln der Unternehmenslenkung. Dazu gehört: Management und vor allem Selbstmanagement wird in der Komplexitätsgesellschaft zur neuen Kulturtechnik, die potenziell jede Person braucht, um beschäftigungsfähig zu sein, so wie früher Lesen und Schreiben.
Ein weiterer Mega-Trend ist die Entstehung gänzlich neuer komplexitätsgerechter Lenkungs-, Leitung- und Führungssysteme für Organisationen. Bildlich gesprochen entstehen jetzt Nervensysteme und Gehirn für Unternehmen und besonders auch für die Organisationen der Politik und Verwaltung mit einer Totalreform der heutigen Demokratie und ihrer nur noch geringen Problemlösungs- und Entscheidungsfähigkeit, denn sie ist nicht mehr ausreichend komplexitätsfähig. Der kleinste gemeinsame Nenner und diesem entsprechende Kompromisse genügen heute nur noch selten für die Lösung politischer Probleme.

Wo sind die direkten Anknüpfungspunkte zu den Unternehmen?
Wirtschaft und Gesellschaft gehen durch eine Periode des vielleicht tiefgreifendsten Wandels, den es je gab. Die aktuelle Krise, in ihrer Natur weitgehend missverstanden, sind die Geburtswehen der neuen Welt. Der wichtigste Treiber des Wandels ist die immense Komplexität der vernetzten Systeme, die rund um die Welt ihre Dynamik entfalten.

Was bedeutet das für die Medienbranche?
Die Herausforderung auf einen Satz gebracht und keineswegs nur für die Medienbranche: Doppelt so gut funktionieren – mit der Hälfte des Geldes. Für herkömmliches Denken ist das zwar unvorstellbar, aber es entspricht im Kern den Leistungsfortschritten in vielen anderen Bereichen, z. B. in Technik und Medizin. Wer etwa in Kategorien des früheren Telefons denkt, wird die Welt des Handys nicht für möglich halten. Das Unmögliche von heute ist häufig der selbstverständliche Standard von morgen.

Was hindert Medienunternehmen?
Viele Menschen, darunter auch Unternehmer und Führungskräfte, tun sich mit grundlegendem Wandel so schwer, dass sie die nötige Neuorientierung nicht oder zu spät einleiten. So haben viele enorme Mühe mit den neuen Gesetzmäßigkeiten der Wissensgesellschaft und Wissenswirtschaft, denn diese funktionieren fundamental anders, als die bisherige Wirtschaft der klassischen Güter und Dienstleistungen. Für Medien ist das zentral. Ein anderer Grund ist die Fehleinschätzung der Wucht und Geschwindigkeit, mit der neue Technologien plötzlich zuschlagen. Ein weiterer Grund sind Strategien der kurzfristigen Gewinnmaximierung zu Lasten langfristig nachhaltiger Investitionen und Innovationen. Und hinzu kommt das Phänomen, dass man den Wandel bei den Konsumenten, hier den Mediennutzern, übersieht oder unterschätzt.

Also mehr auf die Kunden hören?
Herkömmliche Marktforschungsmethoden sind weitgehend ungeeignet, das radikal Neue zu entdecken. Es braucht innovative Strukturen, Strategien und neue Unternehmenskulturen. Das dafür nötige Wissen kommt heute aus den Biowissenschaften und der Gehirnforschung und weit weniger aus der Betriebswirtschaftslehre. Das führt zu neuen hochwirksamen Lenkungs-, Leitungs- und Managementsystemen. Zu ihren Funktionsprinzipien gehören Ganzheitlichkeit und Vernetzung. Sie ermöglichen Real Time Control von Organisationen durch punktgenaues Navigieren. Unter anderem ist es uns bereits gelungen, gerade für das Bewältigen der komplexesten Herausforderungen grundlegend innovative Verfahren für Kommunikation, Entscheidungsfindung und für das Umsetzen von Lösungen zu entwickeln. Damit verbessern wir z. B. die Effizienz herkömmlicher Teams um das 80fache und Entscheidungsprozesse werden um bis zum 100fachen beschleunigt.

Ein Szenario, das vor allem nach einer weiteren Effizienzsteigerung und Rationalisierung des Menschen klingt...
Keine Bedrohung: Im Umdenken liegt eine enorme Chance für innovative Unternehmen und Führungskräfte. Das kann sehr rasch gehen. Es ist, als würden wir plötzlich erkennen, dass die Erde keine Scheibe sondern eine Kugel ist. Für die Portugiesen, die das ernst nahmen und danach handelten, hat das im 16. Jahrhundert die weltweite Seeherrschaft begründet. Für Medienunternehmen wird es die Marktführerschaft in ganz neuen Märkten bedeuten.
Umdenken ist häufig eine Sache von Einzelnen. Das heute nötige Umdenken geht unter anderem in folgende Richtung: Das Unternehmen als lebendigen Organismus verstehen und die Kräfte von Selbstorganisation und Selbstregulierung gezielt und systematisch in das Unternehmen „hineinorganisieren“.

Informationen zur Top-Management Konferenz am 3. März in München

 

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Fredmund Malik aus St. Gallen

Sonntag, 16-05-10 10:56

Und noch schnell zu "who cares", wenn ich schon am Posten bin:
Man kann die Selbst-Kompetenzen (Selbst-Regulierung, Selbst-Organisieren usw.) zwar nicht anordnen, da haben Sie schon Recht.
Aber man kann ein System so organisieren, dass es diese Selbst-Kompetenzen entwickelt. Das ist eine der Lösungen (vermutlich die einzige) für das alte Paradoxon zwischen "Machen und Lassen" bzw. zwischen "Gestalten und Entwickeln". Das kybernetische Naturgesetz lautet:
"Organisiere ein System so, dass es sich selbst organisiert". Das ist identisch mit meinem Konzept "Richtiges und Gutes Management", nachzulesen in mehreren Campus-Büchern (die meisten Bestseller) und in meiner Habilitations-Schrift: Strategie des Managements komplexer Systeme; 10. Auflage, Bern, Wien Stuttgart 2008
Also: who cares? many care! - for a better world; Ihr Bild von der "Dunklen Nacht .." haben Sie treffend gewählt.

 

Fredmund Malik aus St. Gallen

Sonntag, 16-05-10 10:44

High Value aus Spielbergen
Erst jetzt sehe ich Ihre Frage. Wo kann das Video eingesehen werden? Kommen Sie zu uns nach St. Gallen, wir zeigen es Ihnen. Danach können Sie stehenden Fusses das Unternehmen und seinen Vorstandvorsitzenden anrufen.

 

High Value aus Spielbergen

Donnerstag, 01-04-10 11:48

Herr Malik - und wo ist dieses Video einzusehen?

 

Fredmund Malik aus St. Gallen

Samstag, 20-03-10 14:02

Dr. Seltsam, angenommen, was ich sage, ist wahr, und die Methode (Syntegration heisst diese übrigens) wäre mehr als 400mal schon angewandt worden, wäre jedesmal ein durchlagender Erfolg gewesen, und hätte gerade vor 2 Wochen bei einem grossen Konzern statt der als Ziel vorgegebenen 50 Mio Euro sogar 150 Mio Euro Kosteneinsparunge gebracht (lockere 25% des Gewinnes) und nehmen wir an, dass es darüber sogar ein Video gibt, in dem die Vorstände selbst ihre Begeisterung überschwänglich zeigen ... Würde Sie das nicht interessen ?

 

Ralf Lippold aus Dresden

Samstag, 20-03-10 00:40

.... dass es möglich ist Entscheidungsprozesse um das 100fache zu beschleunigen, habe ich bei einem großen OEM selbst erleben können.

Machbar ist alles, auch das, was man sich eben noch nicht vorstellen konnte!

 
 

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