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Kommentar
Dienstag, 12. Juli 2011 (08:07 Uhr)


David Wengenroth über Fehlschlüsse aus der Preisbindung

Schiefer Dreiklang

Die Buchhändler in der Schweiz stehen in den kommenden Monaten vor einer ganz neuen Herausforderung: Sie müssen nicht nur Parlamentariern, sondern dem ganzen Volk erklären, was, wie und warum die Buchpreisbindung ist. Angesichts der polemischen Anwürfe der Preisbindungsgegner ist das sicher keine vergnügungssteuerpflichtige Angelegenheit (hier mehr zum Thema).

Es wäre nun allerdings ein Irrtum, zu glauben, abstruse Vorurteile gegen die Preisbindung seien eine Spezialität rechtsgerichteter Schweizer Parteien. Es gibt da einen Dreiklang, der auch diesseits der Alpen immer wieder angeschlagen wird, etwa in Meinungsbeiträgen von Handelsforschern und sogar in Keynote-Ansprachen auf den Buchtagen: Die Preisbindung verhindere Wettbewerb – und dadurch Innovation und besseren Service im Buchhandel.

Mit der Wirklichkeit haben beide Schlussfolgerungen nichts zu tun, wie ein flüchtiger Blick auf real existierende Buchmärkte zeigt. Die rund 80.000 Novitäten, die deutsche Verlage pro Jahr auf den Markt bringen, offenbaren eine enorme inhaltliche Innovationskraft und stehen ständig in einem schärfstmöglichen Wettbewerb um die Gunst der Leser. Und von dem Glauben an ein vermeintlich freisetzbares Servicepotenzial sollte ein Blick auf den britischen Buchmarkt nachhaltig kurieren, wo Buchhandelsketten reihenweise unter die Räder kommen. Dort floriert das Buchgeschäft der Supermärkte – nicht wegen überlegenem Service, sondern weil sie in einer auf Effizienz getrimmten Verkaufsumgebung ein Schmalspursortiment mitlaufen lassen.

Trotzdem: Der schiefe Dreiklang wird auch hierzulande immer wieder gern angeschlagen. Auch ohne drohende Volksabstimmung sollte man dagegen gelegentlich einen Kontrapunkt aus Sachargumenten setzen.

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Rudi Stahl aus Ort

Freitag, 15-07-11 12:47

Lieber Herr Brosche
gut gebrüllt, Löwe.
X kleine Anmerkungen dazu:
1. Nicht ich, sondern Sie waren es, der zuerst 'Studien' angeführt hat, die dann auch keine Aussage brachten (Prognos)
2. Sollten Sie mal über den Tellerrand der Branche, in der Sie so "intensiv vernetzt und tätig" scheinen, hinaussehen, sehen Sie den Rest der Welt, wo das mit dem Markt 'ganz normal' ist. Auch die Buchbranche kann das lernen. Ich bin da ganz zuversichtlich.
3. Und vielleicht am wesentlichsten, warum nur, frage ich mich, sind alle, die an Büchern in diesem unserm preisgebundenen Land Geld verdienen so dermaßen versessen auf die Aufrechterhaltung der Buchpreisbindung? Sind alle, die in "der Branche intensiv vernetzt und tätig" sind, total bekloppt? Wenn nämlich das so stimmt, wie Sie sagen, dann verzichten die alle darauf, höhere Preise am Markt durchsetzen und damit mehr Geld machen zu können. Ist doch komisch, nicht?
Wissen Sie genau deshalb habe ich mir angewöhnt den Behauptungen von Leuten die mit einer "Branche intensiv vernetzt und tätig" sind mit einem gerüttelten Maß an Misstrauen zu begegnen.

LG
Rudi

 

Lorenz Borsche aus Heidelberg

Mittwoch, 13-07-11 15:53

Lieber Herr Stahl,

was Ihnen wozu *einfällt*, ist - ehrlich gesagt - noch irrelevanter als der berühmte, weil umfallende Sack Reis.

>und das noch bis 70 Jahre nach
>dem Tod der wirklichen Urhebers.

... zum Wohle seiner Erben, die lange, lange Geld einstreichen.

Aber sie haben ja immerhin richtig festgestellt: Urheberrecht ist ungleich Buchpreisbindung.

Zu den von Ihnen zitierten neueren Studien: Nix gegen einen sicher ehrbaren Diplomkaufmann, aber muss ich das ernstnehmen, wenn doch der Markt in England und in Schweden was ganz anderes realiter bewiesen hat?

Da soll nicht sein dürfen, was aber leider wahr ist? Weil ein Herr Döring das sagt? Man nennt sowas Realitätsverlust, fürchte ich.

Und was die Schweiz angeht: daß dort bislang nichts wesentliches passiert ist (deshalb habe ich genau die von Ihen angeführten Studien eben nicht zitiert, weil sie gar nichts 'beweisen' können), liegt nur daran, daß kaum ein Marktteilnehmer (vor allem Thalia nicht) ausgeschert ist bis auf einen. U.a. weil man eine gesetzliche dauerhaft Klärung abwarten - und es sich nicht mit den im Zweifel doch gewichtigeren deutschen Kunden (& Verlagen) verderben wollte.

Schauen Sie, solche Probleme sind komplex, und wenn man nicht in der Branche intensiv vernetzt und tätig ist, überschaut man das vielleicht nicht. Das ist aber kein Beinbruch.

Nochmal: Herstellerpreisbindung heisst nur, daß Sie das Samsung-Flat-TV im ganzen Land zum gleichen Preis kaufen können, um die Ecke oder auf der grünen Wiese oder im Internet. Das Teil *konkurriert* dort aber mit ähnlichen Modellen von Phillipps, Sony etc.pp. - und wird schon deshalb einen marktgerechten Preis haben. Für Sie ist das superpraktisch: keine doofe Schnäppchenjagd mehr, und Sie müssen dann auch nicht bei einem zwar billigen, aber vielleicht doch dubiosen Anbieter kaufen.

Naja, den Vertretern der reinen Marktwirtschaftslehre ist sowas leider nicht beizubringen - das sind übrigens dieselben, die uns die Schrotthypotheken zu AAA-Papieren gebündelt haben. Im angeblich freien Spiel der Kräfte. Gleiche Lehre, gleicher Schwachsinn.

Und das kann man beweisen: es gibt hinreichend Studien, daß die Elektronik-Verbauchermärkte mit ihrem Schnäppchen-Geschrei in Wirklichkeit die teureren sind, da werden Auslaufmodelle verkauft und ähnliches. Aber etwas rote Farbe und ein paar Prozent-Zeichen, und auch Ihre Augen fangen an zu leuchten...

Haben Sie sich eigentlich mal gefragt, was die riesigen Zeitungsanzeigen kosten - und wer die bezahlt? Ja, genau: SIE :-)))

Für heute: tschüß.
LB

 

Rudi Stahl aus Ort

Mittwoch, 13-07-11 08:47

Lieber Herr Brosche
vielen Dank für die nette Belehrung.
Sie haben natürlich vollkommen recht, dass Buchpreisbindung kein Monopol bedingt. Dieses Monopol bedingt das unsägliche Urheberrecht welches einem Verlag für einen Titel nicht nur etwas über 30% sondern volle 100% Marktmacht für diesen garantiert und das noch bis 70 Jahre nach dem Tod der wirklichen Urhebers. Davon träumen alle, die mal irgendwo ein Patenet oder einen Musterschutz angemenldet haben. Mir fällt da das Wort Privilegien ein. Die Buchpreisbindung ist eher wohl sowas wie Planwirtschaft.
Aber ein wenig zu Ihrer Polemik. Ich bin also nicht auf dem Stand der Forschung und habe hier als einziger kein Ahnung?
Nun schauen wir mal. Ihre Prognos-Studie, die Sie mir so ans Herz gelegt haben ist von ...
Na? Richtig: von 2002 gemacht von 2000-2001. Man könnte fast sagen aus dem vergangenen Jahrtausend.
Das sag ich mal superaktuell auf dem neuesten Stand der Forschung! Wow!
Nebenbei sei erwähnt, dass Sie die Thesen von Prognos, von vor 9-10 Jahren, hier mal eben als Fakten darstellen.
Aber Google ist ja bekanntlich ein Freund. Unter 'Buchpreisbindung Auswirkungen' kommt man schnell auf eine Doktorarbeit von Herrn Dipl.-Kaufmann Hans-Döring von Gottberg (immerhin von 2004) der zu dem Schluss kommt, dass die Aufhebung einer Preisbindung zu eher keinen Veränderungen der Preise führt.
Und dann der Knaller. Die von der SECO an die FHNW in Auftrag gegebene Studie 'Erste Auswirkungen der Abschaffung der Buchpreisbindung'. (von 2009)
Darin, quasi schon ein Kurzfazit, bereits im Vorwort:
"Es ist auch zwei Jahre nach der Aufhebung der Buchpreisbindung nicht möglich, genauere
Prognosen über die Entwicklung der Buchpreise mit oder ohne Buchpreisbindung zu machen"

Aber auch der Feststellung:
"Auch konnte festgestellt werden, dass sich seit der Aufhebung der Buchpreisbindung in der
deutschsprachigen Schweiz bereits eine beträchtliche Bandbreite bei den Verkaufspreisen etabliert
hat. Der Konsument hat also neu die Möglichkeit von tieferen Verkaufspreisen zu profitieren."
Insgesamt also Genaues weiß man nicht und Prognosen sind ungewiss.
Wir hatten also beide Unrecht wie es scheint ;-)

 

Lorenz Borsche aus Heidelberg

Dienstag, 12-07-11 16:03

Ach Herr Stahl - was, bitte, ist an einer "Herstellerpreisbindung" denn monopolistisch? Wissen Sie überhaupt, was ein Monopol ist? Monopol ist zum Beispiel, wenn jemand mit 30% oder mehr Anteil am Markt den Preis für ein bestimmtes Produkt (Öl o.ä.) bestimmen kann.

Zum einen sind Bücher allerdings sehr mannigfalitg, keines gleicht dem anderen, zum anderen hat kein Verlag auch nur annähernd diese Marktmacht.

Und zum Dritten: Ihrem Aküfi zum Trotz: Ja, es ist allerdings ein Halluzination, daß preisgebundene Märkte teurer seien. Das Gegenteil ist richtig, und Sie sind einfach nicht auf dem Stand der Forschung.

Der Grund ist simpel: wenige 'sichtbare' Titel werden durch z.B. Supermärkte preisreduziert, beim Rest der Bücher hebt man den Preis, der doofe Verbraucher merkt es ja nicht. So geschehen in Schweden, so geschehen in England, wo sich die Summe aller verkauften Bücher nach Aufhebung der Preisbindung um satte 8% verteuert hat - reduzierte Bestseller eingerechnet.

Tja, hätten Sie nicht gedacht, daß gewiefte Marketingstrategen solche Kurzdenker wie Sie zum Frühstück verspeisen und Ihnen flott das Geld aus der Tasche ziehen, gelle?

Ist aber so Herr Stahl. Genau dafür gibt es ja Gesetze, um die Schwachen zu beschützen. Ob körperlich oder anderweitig schwach, ist dem Gesetzgeber dabei egal, er will nur nicht, daß Sie unter die Räder kommen.

P.S.: Googlen Sie doch mal "Preisbindung Prognos" - die Studie der renommierten Schweizer Forschungs-AG könnte Ihnen ein Licht aufstecken.

Beste Grüße, LB

 

Rudi Stahl aus Ort

Dienstag, 12-07-11 12:37

Ja, natürlich und die heilige Preisbindung ist auch gar kein Quasimonopol für die Verlage und dass in preisgebundenen Landen die Bücher im Schnitt teurer sind ist auch so eine Halu, weil wir ja so einen tollen Markt haben mit einem Monopol.
Na dann viel Spass beim Erklären. Kleiner Hinweis: '1984' hat auch schon ganu genau erklärt dass Frieden Krieg ist. Da lassen sich bestimmt tolle Beweiführungen kompieren.

 
 

 
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