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Kommentar
Freitag, 24. Oktober 2008 (14:25 Uhr)


Daniel Lenz zur Zukunft gedruckter Wörterbücher

Flucht nach vorn

Monatelang hat die Wissens-Community darauf gewartet, dass die Online-Variante der Brockhaus-Enzyklopädie freigeschaltet wird. Doch während die BIFAB-Manager den Launch auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben haben, kommt aus Stuttgart ein Signal, das für das Segment der Wissensverlage kaum leiser ist als der verschobene Einzug der Brockhaus-Enzyklopädisten ins Netz. Der Sprachenverlag Pons hat jetzt das Mitmach-Wörterbuchportal www.pons.eu als Beta-Version vorgestellt: Umfangreich und wohlsortiert, mit Community-Einbindung und kostenlos.

Ein ambitionierter, vielleicht aber auch alternativloser Schritt der Klett-Tochter. Denn zum einen hat das Leo-Angebot den Wörterbuch-Verlagen jahrelang im Netz den Rang abgelaufen – die verschiedenen Leo-Lexika verzeichnen monatlich rund 300 Mio Zugriffe, was als gute Basis für eine Werbefinanzierung gelten kann–, zum anderen ist das kontinuierliche Schrumpfen der Print-Käuferschaft im Zeitalter elektronischer Bücher besonders bei Nachschlagewerken, bei denen das Internet oder E-Book-Lesegeräte ihre Stärken ausspielen können, programmiert.

Welche Klientel abseits der professionellen Wörter-Jongleure oder Wissens-Junkies (Übersetzer, Studenten, Journalisten) sollte mittelfristig noch große Nachschlagewerke kaufen, wenn schon heute viele Inhalte kostenlos im Netz stehen? Bei immer mehr Internet-Nutzern dürfte die schnelle, auch mobile Online-Recherche den Griff zu einem Print-Nachschlagewerk ablösen, das schon beim Erscheinen veraltet ist.

Der Abschied der gedruckten Brockhaus-Enzyklopädie war der erste Schritt eines Teil-Rückzugs von Wissensverlagen. Möglicherweise ist Pons jetzt mit dem Online-Vorstoß in einem weiteren Bereich gefolgt.



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