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Kommentar
Freitag, 09. Oktober 2009 (12:00 Uhr)


Ingo Schiweck über die Konzepte der DBH

Schaufeln am Grab

Entschuldigung, können Sie mal auf die Bücher aufpassen, ich muss zur Toilette.“ So oder ähnlich könnten (vertrauenswürdige) Kunden der Wohlthat’schen künftig öfter eingebunden werden. Die Ramsch-Tochter der DBH-Gruppe hat gerade erneut Mitarbeiter entlassen und führt, so bringt es der Betriebsrat auf den Punkt, das Schlecker-Prinzip ein: Nur noch ein Mitarbeiter pro Schicht muss sich im Laden um alles kümmern, vom Aufstellen der Ware bis zum Kassieren. Das ist der Abschied vom traditionellen, serviceorientierten Standortbuchhandel.

Nun kann man einwerfen, es handle sich doch eh nur um eine Billigkette mit einem sowieso schon nicht sonderlich ausgeprägten Service. Diese Kette, die Verluste in Millionenhöhe einfährt, passe eben ihre Belegschaft und zusätzlich ihr Filialnetz an ihre auch mit dem weniger gefragten Ramsch-Angebot zusammenhängende missliche Lage an. Ähnlich hat es das ebenfalls über den Preis verkaufende Schwesterunternehmen Weltbild bei seinem Personalabbau im Frühjahr gemacht.

Aber es ist nicht allein die Krise des Schmalspurbuchhandels. Der wahre Paradigmenwechsel ist bei der Konzernschwester Hugendubel zu besichtigen, die nicht nur ebenso Personal abbaut, sondern den Vollbuchhandel als Selbstbedienungskonzept neu erfindet und selbst große Flächen mit
wenigen Buchhändlern und das auch nur zu Kernzeiten bearbeitet.

Das mag heute rentabel sein und zwingend erscheinen angesichts von Verlagerungen ins Internet. So schaufelt der stationäre Buchhandel aber kräftig an seinem Grab mit. Der Online-Wettbewerb kann sich beruhigt zurücklehnen.

aus buchreport.express 41/2009



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