(Anzeige)

(Anzeige)
Buchhandel
Mittwoch, 06. Oktober 2010 (12:00 Uhr)


Markus Preißner (Institut für Handelsforschung) zur „Zukunftsstudie“

Entscheidend ist das Personal

Das Kölner IfH hat die vom Börsenverein beauftragte »Zukunftsstudie« zum Sortimentsbuchhandel vorgelegt (hier mehr zu den Ergebnissen). Autor Markus Preißner interpretiert im Interview einige Befunde der komplexen Gemengelage.

Wie ernst steht es um den Buchhandel?
Im Schnitt haben die Buchhandlungen im Kölner Betriebsvergleich ausgerechnet im schwierigen Jahr 2009 mit einer schwarzen Null besser abgeschnitten als in den Vorjahren. Aber hinter dem Durchschnittswert steht ein heterogener Befund: Ein Viertel hat ein recht gutes Ergebnis geschrieben, ein Viertel weist aber auch sehr schlechte Zahlen auf. Damit unterscheidet sich der Standortbuchhandel nicht von anderen inhaber­geführten Branchen, die sich mit großen Filialsystemen auseinandersetzen müssen.  

Welche Rolle spielt die Flächengröße?
Es gibt den Trend, dass sich etwas flächengrößere Buchhandlungen besser schlagen, aber in der Detailanalyse im Rahmen der „Zukunftsstudie“ waren auch einige sehr kleine Läden, die ein sehr erfolgreiches Konzept fahren.

Welches sind die wichtigsten Stellschrauben, um zu besseren Ergebnissen zu kommen und fit für die Zukunft zu werden?
Die wichtigste Rahmenbedingung bleibt der Standort, weil er die Wettbewerbssituation, das Einzugsgebiet und die Kundenfrequenz bestimmt. Es gibt aber nicht einfach gute und schlechte Standorte, sondern oft spielen mikrogeografische Faktoren eine entscheidende Rolle. Die größte be­triebswirtschaftliche Stellschraube ist das Personal, mit der man wegen des großen Kostenblocks im Buchhandel die größte Wirkung erreichen kann.

Mit welchen Nebenwirkungen beim Abbau?
Das Personal ist womöglich der Wettbewerbsvorteil. Darauf deutet zumindest das Ergebnis der Kundenbefragungen hin. Die Kunden scheinen die Personalleistung zu honorieren, neben der Freundlichkeit auch ausdrücklich die Kompetenz und Verfügbarkeit. Kunden spüren auch die höhere Motivation und Arbeitszufriedenheit im Vergleich zu anderen Branchen.

Schlägt sich das auch in der Kasse nieder?
Das ist die Herausforderung: Die Buchhandlung muss zum Beispiel durch Mitnahme­artikel und ein stärker auf Abschluss orientiertes Personal sicherstellen, dass über das Wohlfühlen hinaus auch verkauft wird. Bei den großen Wettbewerbern wird das praktiziert und kontrolliert. Mit den Kennzahlen des Umsatzes pro Mitarbeiter haben aber auch Standortbuchhändler In­strumente an der Hand, die Leistung zu steigern.

Braucht es neben den Benchmarks einer Studie professionelle Beratung?
Das hängt von der kaufmännischen Vorbildung ab. In vielen Branchen haben sich die Selbsthilfe durch Erfa-Gruppen bewährt und die offene Diskussion im Mitarbeiterteam.

Die Fragen stellte Thomas Wilking

Zur Person: Markus Preißner

ist Bereichsleiter Betriebsvergleich und Controlling im Institut für Handelsforschung (IfH) in Köln. Der promovierte Diplom-Kaufmann ist Mitautor der Studie „Die Zukunft des Deutschen Sortimentsbuchhandels“ (kurz: Zukunfts­studie), die das IfH im Auftrag des Börsenvereins jetzt vorgelegt hat.



blog comments powered by Disqus


ImpressumSitemapAGB © 2014

CMS, Programmierung Design und Hosting: www.wecotec.de