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Verlage
Donnerstag, 09. Juni 2011 (15:46 Uhr)


Buchtage: 55 Thesen zum Buchmarkt 2025

Stationärer Handel verliert ein Drittel der Erlöse

Wie entwickelt sich die Buchbranche bis 2025? Die Vertreter der drei Sparten Matthias Ulmer (Verleger-Ausschuss), Heinrich Riethmüller (Sortimenter-Ausschuss) und Matthias Heinrich (Ausschuss für den Zwischenbuchhandel) skizzieren den Wandel des Marktes mit 55 Thesen.

Das Trio will mit dem Szenarien-Katalog die Diskussion anstoßen, welche Konsequenzen sich für die Sparten sowie den Verband und seine Wirtschaftsbetriebe ergeben.


Branche

1. Alle gedruckte Medien verlieren an Bedeutung. Der Rückgang bei Buch, Zeitschrift und Zeitung liegt bezogen auf Vertriebserlöse jeweils bei über 25%.
2. Der stärkste Rückgang bei den Vertriebswegen für Bücher betrifft den stationären Buchhandel (-31%).
3. Die institutionellen Aggregatoren können mit einem geringen Wachstum rechnen.
4. Die Umsatzrückgänge im Bereich gedrucktes Buch werden durch Umsatzwachstum im Bereich Paid-Content ausgeglichen.
5. Die Content-Anbieter bei Paid Content sind nur bedingt identisch mit den Buchverlagen. Neue Anbieter nehmen alten Verlagen Marktanteile ab.

 

Verlage

6. Die Warengruppen 1-5 halten sich bei gedruckten Medien relativ gut, die Fachbuchwarengruppen und die Bildungsmedien verlieren erheblich an Bedeutung.
7. Klassische Absatzorganisationen müssen auf die neue Markt- und Produktstruktur Rücksicht nehmen.
8. Die Fokussierung auf den Sortimentsbuchhandel werden viele Verlage reduzieren müssen.
9. Konditionenmodelle müssen stärker nach Effizienz- und Rentabilitätskriterien geprüft werden.
10. Die Entwicklung elektronischer Angebote im Bereich Bildungs- und Fachmedien muss vorangetrieben werden.
11. Verlage müssen Know How zu Konzeption, Produktion und Vermarktung von multimedialem Paid-Content aufbauen.

 

Sortiment

12. Der Sortimentsbuchhandel muss die durch Umsatzrückgang frei werdenden Flächen durch neue Produkte auffüllen.
13. Der Sortimentsbuchhandel muss neue Flächenkonzepte entwickeln.
14. Das Rechnungsgeschäft und die zugehörigen Deckungsbeiträge werden bei den meisten Sortimentsbuchhändlern verschwinden.
15. Das Schulbuchgeschäft und die zugehörigen Deckungsbeiträge werden bei den meisten Buchhändlern verschwinden. Das Volumen wird zurückgehen und sich auf spezialisierte Händler konzentrieren, die Print und Elektronik parallel anbieten können.
16. Das Fachbuch im allgemeinen Sortiment, die Fachbuchhandlung und die Campus- Buchhandlung werden größtenteils verschwinden.
17. Das Lehrbuchvolumen wird radikal zurück gehen.
18. Die Kundengruppe der Studenten geht den Fachbuchhandlungen als Käufer auch des allgemeinen Buchsortiments verloren.

 

Zwischenbuchhandel

19. Der Zwischenbuchhandel muss mit einem stark rückläufigen Volumen rechnen.
20. Die Konzentration im Zwischenbuchhandel verschärft sich von der Kostenseite, durch einen Rückgang der Buchhandlungen und durch Konzentration auf Verlagsseite zusätzlich.
21. Die Konzentration auf Verlags- und Buchhandelsseite kann auch zur Kostenentlastung beim Bücherwagen durch weniger Fahrstrecken und höhere Bündelung führen.
22. Die Flächenauslastung im Lager des Zwischenbuchhandels muss durch neue Produktgruppen verbessert werden.
23. Die Auslieferungsgebühren entwickeln sich je nach Umsatzprovisionsmodell oder nach Prozesskostenmodell deutlich unterschiedlich.

 

Verband

24. Die Beitragseinnahmen aus allen Sparten sinken durch den Rückgang des Marktvolumens.
25. Die Beitragseinnahmen aller Sparten sinken durch Mitgliederschwund durch Konzentration.
26. Die Auswirkung der Beitragsstaffel (Deckelung, Progression) im Bezug auf diese Entwicklung muss geprüft werden.
27. Die Umsatzverschiebung aus gedruckten Medien auf elektronische Paid-Content Angebote zwingt den Börsenverein zur Entscheidung, ob er den verbliebenen Buchmarkt repräsentiert oder auch die neuen Marktakteure als echte Mitglieder betrachtet.
28. Die Mission des Börsenvereins (Prinzip Buch) muss neu und verständlich formuliert werden.

 

Lobbyarbeit

29. Die Lobbyarbeit für die Sicherung des Urheberrechts bei elektronischen Produkten gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
30. Die Lobbyarbeit für die Preisbindung bei elektronischen Produkten gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
31. Die Lobbyarbeit für die reduzierte Mehrwertsteuer bei elektronischen Produkten gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
32. Die Lobbyarbeit muss die Dramatik der Veränderungen im Bereich der Bildungsmedien für die Politik transparent machen.

 

Messe

33. Die Buchmessen werden mit einem rückläufigen Flächenbedarf der Verlage rechnen müssen.
34. Die Buchmessen werden mit rückläufigen Ausstellerzahlen bei den Verlagen rechnen müssen.
35. Die Buchmessen werden mit rückläufigen Besucherzahlen aus dem Sortiment rechnen müssen.
36. Die Leipziger Buchmesse kann sich als Messe für das gedruckte Buch profilieren und so Rückgänge in Wachstum umkehren.
37. Die Frankfurter Buchmesse muss die an den klassischen Buchmarkt angrenzenden Akteure noch stärker in den Blick nehmen.
38. Die Mischung von Angeboten in der Hallenbelegung muss überdacht werden.
39. Standkonzepte der Verlage müssen die problematische Darstellung elektronischer Medien (Vorbild Gamesconvention) und den erhöhten Beratungsbedarf der Händler berücksichtigen.

 

Börsenblatt

40. Die Zahl der Börsenblatt-Bezzieher in den Sparten Verlag und Buchhandel wird um rund ein Viertel zurückgehen.
41. Die Zahl der Börsenblattanzeigen und deren Bedeutung werden zurückgehen.
42. Das Börsenblatt muss neue Produktinformationsmöglichkeiten für komplexe Paid- Content-Angebote entwickeln.
43. Das Börsenblatt muss ein crossmediales Fachinformationskonzept entwickeln.

44. Das Börsenblatt muss seine Themen im Bereich Paid Content deutlich ausweiten.
45. Das Börsenblatt muss die Zielgruppe der Leser auf Paid Content verbreiten und ausrichten.

Mediacampus

46. Die Ausbildung am Mediacampus muss die Verschiebung der Umsatzschwerpunkte und die neuen Anforderungen berücksichtigen.
47. Die Bedarfsplanung am Mediacampus muss sich auf den erwarteten Rückgang der Unternehmenszahlen bei Buchhandlung und Verlag einstellen.
48. Die Bedarfsplanung am Mediacampus muss sich auf die veränderten Ausbildungsgänge einstellen.
49. Der Mediacampus muss die neuen Marktakteure im Bereich Paid Content ins Blickfeld nehmen und ein Aus- und Fortbildungsangebot prüfen. Das muss sowohl Buchhandelswissen für E-Content-Händler als auch E-Content-Wissen für Buchhändler umfassen.
50. Der Mediacampus muss insbesondere Konzeption, Technik und Verkauf von elektronischen Bildungsmedien (Schule und Studium) ins Blickfeld nehmen.

 

VLB/Libreka

51. Die vermutete Marktentwicklung kommt dem Geschäftsmodell von Libreka entgegen.
52. Die Abnehmer des VLB von Handelsseite gehen zurück, die Finanzierung muss ganz auf die Verlagsseite verlagert werden.
53. Die Titelzahl und der Bedarf an Orientierungsmedien steigen und unterstreichen die Bedeutung des VLB.
54. Die Bedeutung von Metadaten steigt.
55. Ein übergreifendes Verzeichnis zum Nachweis und zur Bereitstellung von Mediadaten für Bücher, E-Books, Apps, E-Papers und anderen Paid-Content- Angeboten wird dringend benötigt.

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