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Buchhandel
Dienstag, 24. Februar 2009 (11:52 Uhr)


Elmar Wolff zur Krise auf dem MA-Markt

„Zu viele Anbieter, zu wenige Reste“

In den vergangenen Jahren sind neben Zanolli, Elbe Team und Cobu und zuletzt auch mit hitbuch.de und vielbuch.de große MA-Anbieter von der Bildfläche verschwunden (buchreport.de berichtete). Im Interview beschreibt der MA-Experte Elmar Wolff (Lit-Media-Buchdiscount, früher bei Zanolli und Thalia aktiv) die Krise und analysiert ihre Ursachen.

In den vergangenen Jahren sind neben Zanolli, Elbe Team und Cobu zuletzt auch mit hitbuch.de und vielbuch.de große MA-Anbieter von der Bildfläche verschwunden. Krankt die Branche?
Ja, und zwar an drei Dingen: unangemessene Großspurigkeit einiger Persönlichkeiten – dies hat die Zanolli-Holding, Hitbuch und Cobu in den Ruin geführt. 2. Zu viele Anbieter feilschen um zu wenige Reste. Allein die großen Buchfilialisten Thalia, Mayersche und die Gruppe um Weltbild mit Hugendubel, Jokers, Weltbild plus, Wohltat usw. verschlingen die meisten Reste. Dann kommen noch die Nebenmärkte mit den Großanbietern wie Buchpartner und Librofino. Erst dann kommt das Internet, in dem die Reste der Reste von den Resten verkauft werden. 3. Alle haben das gleiche Sortiment. Dies bezieht sich auf die sogenannten MA-Verlage wie Parragon oder Tandem. Wenn Sie durch die Fußgängerzonen gehen, können Sie anhand des MA-Angebotes nicht unterscheiden, ob Sie bei Thalia oder der Bücherstube XY stehen. Dasselbe gilt fürs Internet. Das Sortiment ist austauschbar. Wenn Dinge austauschbar sind, werden sie überflüssig und verschwinden vom Markt. Das ist ein natürlicher Prozess. Zur Zeit findet diese Selektion im Buchhandel, wie auch im Internet, statt. Wer jetzt überlebt, hebt sich von der Masse ab und kann dem Kunden tatsächlich noch etwas bieten.

Wer bleibt auf der Strecke?
Diejenigen verschwinden, die keine überzeugenden Geschäftsideen bieten und somit entweder das Gleiche wie alle haben oder die Reste der Reste anbieten, die schlicht und ergreifend unverkäuflich sind. Gerade im Internet tummeln sich sehr viele Anbieter, die meinen, mit ein paar Büchern das große Geschäft machen zu können. Wie sich langsam zeigt, ist dies ein Irrtum. Dies liegt aber auch im Internet selbst begründet. Jeder kann alles verkaufen, ob Powerseller oder Privatperson, die den Speicher entrümpeln möchte. Das erweitert die Konkurrenz um ein vielfaches. Auch hier kann der Kunde oft nicht unterscheiden, ob es sich um einen Privatverkauf oder einen professionellen Verkäufer handelt. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor ist die umfangreiche Arbeit, um Artikel im Internet vernünftig zu präsentieren. Das fängt bei der Stammblattpflege an und hört bei einer gescheiten Artikelbeschreibung auf. Wer nicht bereit ist, diese Sorgfalt walten zu lassen, hat keine Chance.

Neue Geschäftskonzepte scheinen gefragt zu sein. Doch weder bei Zanolli noch bei Cobu ist es beispielsweise gelungen, per Franchise reine MA-Läden zu etablieren.
Das ist so nicht ganz richtig. Der Buchhandel ist ein einziges großes Franchise-Unternehmen. Alle Buchhandlungen von Thalia bis zur Buchhandlung XY haben die „Spiegel“-Bestsellerliste ausliegen. Alle Buchhändler, die MA vertreiben, haben Parragon und Tandem vor der Tür liegen. Hinzu kommt, das bei diesen Produkten Preisbindung besteht. Die Kunden verwechseln schon ohne Franchise die Buchhandlungen miteinander, wie soll da Platz für Franchise sein? In meiner Zeit bei Phönix standen sehr oft Kunden mit dem Kaufhof-Prospekt bei mir und wollten die Angebote haben. Der Kunde sieht folglich keinen Unterschied. Das Sortiment von McDonalds in Hamburg ist das gleiche wie bei McDonalds in München. Genauso ist es mittlerweile im Buchhandel. Aber dass so etwas Ähnliches im Buchhandel möglich ist, zeigen Buchpartner, Librofino und die Mayersche mit B.O.B. bei Real oder Rewe.

Wie kann der Preiskampf im Internet eingedämmt werden?
Dazu sage ich nur „Geiz ist geil“. So lange es Kunden gibt, die Bücher für einen Cent kaufen, wird es wohl Anbieter geben, die Bücher zu diesen Preisen anbieten. Amazon z.B. scheint auch nicht bereit zu sein, das Geschäftskonzept zu ändern. Nun sind es die Kunden natürlich mittlerweile gewohnt, Bücher für so wenig Geld zu bekommen. Warum sollte man z.B. fünf Euro für ein Buch plus Versand ausgeben, wenn man es für einen Cent plus drei Euro Versand bekommt? Die Händler haben die Kunden zu dieser Mentalität erzogen, sich ihre eigenen Preise versaut und müssen nun die Rechnung tragen.



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