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Buchhandel
Montag, 22. Juni 2009 (14:30 Uhr)


Ermittlungen gegen Ex-Cobu-Chef

Oops!... He Did It Again

Ein halbes Jahr, nachdem der auf den Ruinen des Elbe Teams errichtete Gebrauchtbuchspezialist Cobu ebenfalls kollabierte (vgl. das Dossier zur Krise auf dem MA-Markt), heißt das Motto offenbar: Neues Spiel, neues Glück. Nach Informationen von buchreport betreibt Ex-Cobu-Chef Fritz-Peter Kuss – zwar unter dem Dach der Schweizer Firma Innosense AG, aber über eine Firmenfiliale am alten Cobu-Standort Dresden – unter der Internetadresse www.globooks.de wieder einen Handel mit MA-Titeln. Nicht nur die Cobu-Gläubiger, sondern auch Insolvenzverwalter Thomas Linse sowie die Staatsanwaltschaft dürfte diese Nachricht hellhörig machen.

Peter Kuss startet zum vierten Mal

Für Kuss ist Innosense (der Name stammt offenbar übrigens von einer 1997 gegründeten Girlgroup rund um Britney Spears, die wiederum mit dem Song „Oops!...I Did It Again“ berühmt wurde) der vierte Neuanfang auf dem MA-Markt, nach Stationen bei Zanolli, Elbe Team und Cobu („Am Anfang war die Liebe zum Buch“). Wieder ein nahtloser Übergang, diesmal reichlich verschachtelt:

  • Nur zwei Tage, nachdem die Schweizer Cobu-Schwester – zuletzt in domus libri (helvetica) AG umbenannt – am 18. November 2008 in Konkurs ging, heuerte Kuss als Verwaltungsratspräsident der auf Projektentwicklung im IT- und Medienbereich spezialisierten Innosense AG an.
  • Vier Monate später – inzwischen war auch die deutsche Cobu-Mutter pleite – zog die in Wuppertal gegründete Innosense GmbH nach Dresden, um vom alten Cobu-Standort aus MA-Titel auf Ebay und Amazon zu verkaufen. Im Internet beschreiben die Dresdner ihr Angebot wie folgt: 100.000 antiquarische Titel, 250.000 MA-Titel und 400000 Neubuchtitel. Als Geschäftsführerin fungiert u.a. die Ex-Cobu-Mitarbeiterin Ines Scheppan.

Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung

Nach der Devise „neues Spiel, neues Glück“ könnten wohlwollende Branchenbeobachter Kuss & Co. bei ihrem erneuten Versuch, mit MA zu reüssieren, alles Gute wünschen. Doch dem neuen Geschäft haftet zumindest ein Geschmäckle an. Denn während der nach eigenen Angaben erfahrene Krisenmanager Kuss offenbar wieder fest im MA-Sattel sitzt, versucht Cobu-Insolvenzverwalter Linse händeringend, aus der Insolvenzmasse so viel Geld zusammenzukratzen, um den insgesamt 179 angemeldeten Gläubigern zumindest einen Teil ihrer Forderungen (3,5 Mio Euro) zu erstatten.

Nach Auskunft der Kanzlei aus Coburg wurde bei der Gläubigerversammlung die „drohende Masseunzulänglichkeit“ erklärt, soll heißen: Nach heutigem Stand keine Rückerstattung der Forderungen nach Quote; das Geld durch den Verkauf der Cobu-Bestände (u.a. an den 1-Euro-Buchladen in Hamburg) ist zu wenig (aktuell liegen 50.000 Euro auf dem Cobu-Konto). „Wir haben die hochwertigen antiquarischen Bücher aus dem Cobu-Bestand gesucht, aber nichts gefunden“, erklärt eine Mitarbeiterin der Kanzlei. Nach den Hinweisen von buchreport werde man jetzt in Dresden suchen, von wo aus offenbar auch antiquarische Titel vertrieben werden.

Es gibt weitere Unregelmäßigkeiten:

  • In den Unterlagen sei zwar ein Vertrag zum Verkauf von Büchern der damals noch in Dresden ansässigen Cobu an Innosense hinterlegt, es gebe jedoch keinen Geldeingang, was heißen würde: Kuss hat an Kuss verkauft, ohne zu bezahlen.
  • Laut Linse ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Kuss wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung.
  • Gerichtlich versucht Linse, den ehemaligen Cobu-Gesellschafter Kurt Schmid zur Erstattung von 100.000 Euro zu zwingen. Bei einem Sieg vor Gericht gäbe es auch eine Quote.

aus: buchreport.express 25/2009



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