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Buchhandel
Montag, 13. Oktober 2008 (11:48 Uhr)


TMI insolvent – wie geht's weiter?

Atemnot im Supermarkt

Im rauen Revier der Rackjobber weht der Wind der konjunkturellen Krise offenbar besonders kalt: Mit personellen Verstärkungen – inklusive Abwerbung von der Konkurrenz – unterstrich der Mediengroßhändler TMI Gruppe erst kürzlich seine Ambitionen im Buchgeschäft. Doch dann musste Alexander Wessendorf, geschäftsführender Gesellschafter, die Notbremse ziehen und Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen.

Frieren im abgekühlten Konsumklima

Herr im Haus ist nun der vorläufige Insolvenzverwalter Christopher Seagon. Der Heidelberger Rechtsanwalt ist derzeit damit beschäftigt, die Zahlen zu analysieren und Kontakt zu Kunden, Lieferanten und Banken aufzunehmen. „Die Unternehmensleitung sah sich zum Insolvenzantrag gezwungen, weil sich das Konsumklima in den vergangenen Monaten nochmals stark eingetrübt hat und der Einzelhandelsumsatz, von dem TMI direkt abhängt, dementsprechend zurückging“, heißt es in einer ersten Mitteilung. Finanzierungspartner hätten daraufhin ihrerseits ihre ursprünglichen Kreditlinien nicht mehr aufrechterhalten. Das operative Geschäft soll nach Prüfung durch Seagon mit dem erklärten Ziel fortgeführt werden, „eine Sanierung in der Insolvenz zu ermöglichen“.

Kampf um Marktanteile mit harten Bandagen

Die TMI-Gruppe, 1989 als Großhändler für CDs und DVDs gestartetes Unternehmen mit Stammsitz in St. Leon Roth bei Heidelberg, hatte im Januar 2006 in einem ersten Schritt eine Allianz mit Libri geschlossen, um das Geschäftsfeld Buch aufzubauen. Das Hamburger Barsortiment, von der TMI-Insolvenz überrascht und derzeit in Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter, bot seinen Kunden im Zuge der Kooperation seitdem auch DVDs und Tonträger an. Im November 2006 meldete TMI-Geschäftsführer Wessendorf die Übernahme des Konkurrenten Librofino. Mit dem Erwerb wollte TMI vor allem auf Kleinflächen im Lebensmittelhandel Flagge zeigen.

Der Systemgroßhändler drängte mit seinem forcierten Gesamtauftritt in ein Revier, auf dem besondere Spielregeln gelten:

  • Weil bei den Kunden vor allem Waren wie Wurst und Butter auf dem Einkaufszettel stehen, herrscht ein harter Wettbewerb mit Ramsch, Kampfpreisen und Verkaufsaktionen.
  • Gleichwohl wird der Teilmarkt von der Branche intensiver beackert. In den „Sonstigen Verkaufsstellen“, zu denen der Börsenverein in seiner Branchenstatistik „Buch & Buchhandel in Zahlen“ Discounter, Supermärkte, aber auch Tankstellen zählt, wurde 2007 ein Umsatz von 873 Mio Euro zu Endverbraucherpreisen erzielt. Das entspricht einem stabilen Marktanteil von 9%.

Nach dem Stolpern von TMI bleiben neben dem Darmstädter Rackjobber Buchpartner zwei weitere Hauptakteure im Rennen. Der Medienriese Weltbild und die Mayersche-Tochter Best of Books (B.o.B) betreiben seit Mitte 2006 unter dem Signet Weltbild best Shop-in-Shop-Systeme bei Edeka, Famila und Ratio. Im Alleingang ist B.o.B, gegründet 2001, außerdem beim SB-Riesen Real mit rund 70 Flächen aktiv.



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