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Buchhandel
Donnerstag, 24. Juni 2010 (09:17 Uhr)


Preisbindungsstreit soll mit VlB-Hilfe befriedet werden

Amazon und Buchhändler vor Vergleich

Der Online-Shop Amazon und Buchhändler, die vor Gericht gegen Preisbindungsverstöße von Amazon klagen, stehen offenbar vor einem außergerichtlichen Vergleich. Am Dienstag dieser Woche waren die Parteien mit Börsenvereinsjustitiar Christian Sprang und Preisbindungstreuhänder Christian Russ sowie Börsenvereinsvorstand Stephan Jaenicke (Buchhandlung Jaenicke, Detmold) im Frankfurter Buchhändlerhaus zusammengekommen und haben sich nach Berichten von Teilnehmern in Grundzügen geeinigt. Hinter den Kulissen wird jetzt noch an den Details geteilt. Trotz Animositäten zwischen den Anwälten, sprachen Teilnehmer von insgesamt harmonischen Gesprächen.

Hintergrund der Streitigkeiten sind die unterschiedlich sorgfältig gepflegten bibliografischen Datenbanken der Branche mit entsprechenden Preisabweichungen, was gegen die gesetzliche Preisbindung verstößt. Standortbuchhändler hatten sich über niedrigere Preise von Amazon geärgert, die bei ihren Kunden den Eindruck erweckten, der Einkauf im Internet sei günstiger. Sortimenter berichten von Abwanderungen zu Online-Shops, die nicht nur der allgemeinen Verschiebungen zwischen den Vertriebswegen, sondern explizit fehlerhaft niedrigeren Preisen bei Amazon geschuldet seien.

Während Börsenverein und Preisbindungstreuhänder die Preisbindungsverstöße von Amazon vor allem informell regelten, waren kleinere Standortbuchhändler vor Gericht gezogen. Für dringenden Handlungsbedarf hatte ein Landgerichts-Urteil gesorgt, das der Brunsbütteler Sortimenter Dietrich Wienecke im Januar gegen Amazon erwirkt hatte (buchreport hat ausführlich berichtet).

Die Buchhändlergenossenschaft eBuch – einige der klagenden Buchhändler sind dort Mitglied – hatte den Börsenverein nicht nur wegen seiner Zurückhaltung kritisiert, Amazon zur Einhaltung der Preisbindung anzuhalten, sondern auch die Fehler in der von der Verbandstochter MVB betriebenen Datenbank „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ (VlB) und dem daran angedockten Verkaufsplattform buchhandel.de angeprangert.

Als politisch elegante Lösung hatte das Branchenparlament im Frühjahr einen Plan verabschiedet, der mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt. Das VlB wird zur verbindlichen Referenzdatenbank und die Verlage werden mit Sanktionen gezwungen, die Preise im VlB sorgfältiger zu pflegen. Die eBuch hat hierzu dem VlB-Betreiber MVB, der offenbar zunächst versucht hatte, die VlB-Qualität mit Bordmitteln anzuheben, das EDV-Tool „Preisradar“ kostenfrei zur Verfügung gestellt, das Preisabweichungen z.B. zwischen den Katalogen der Großhändler wie Libri und KNV und dem VlB offen legt.

Amazon kann sich mit dem VlB als Referenzdatenbank offenbar anfreunden und würde mit dem Einsatz der VlB-Daten künftig rechtssicher agieren. Weil ihr politisches Ziel damit erreicht ist und Amazon nicht mehr in Einzelfällen als scheinbar günstigerer Anbieter auftreten kann, wollen Buchhändler wie Wienecke auf die gegen den Online-Shop erwirkten Titel verzichten. Amazon soll dafür, so die Vergleichsgespräche, die Kosten der Buchhändler aus den Rechtsstreiten übernehmen. Das dürfte sich, meldet buchreport.express in seiner aktuellen Ausgabe, auf ca. 30.000 Euro summieren.



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