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Montag, 12. September 2011 (10:42 Uhr)


Baubeginn für neuen KNV-Standort im April 2012

„Der Umzug ist alternativlos“

Trotz der Bemühungen von Betriebsrat und Politik, den geplanten Umzug von Koch Neff in die Mitte Deutschlands (hier mehr) zu verhindern, hält die Chefetage an der Verlagerung fest. Bei Mitarbeiterversammlungen am vergangenen Freitag in Stuttgart und Köln erklärte die Unternehmensführung, ein Gegenkonzept des Betriebsrates sei nicht zukunftsfähig. Der Baubeginn sei für April 2012 geplant, erklärte KNV-Marketing-Chef Markus Fels gegenüber buchreport.de – ohne sich konkret zum neuen Standort zu äußern.

Hintergrund: Der Betriebsrat hatte sich im August für ein Festhalten an der  Zwei-Standorte-Strategie ausgesprochen (hier mehr), da das Konzept der Führungsspitze mit „unkalkulierbaren Risiken behaftet“ sei. Riskant seien besonders die Rekrutierung geeigneter Arbeitskräfte und die Kosten für Parallelbetrieb und Sozialplan. Außerdem gebe KNV mit einer Zentralisierung der Logistik sogar Vorteile bei der Erreichbarkeit von Amazon-Standorten und somit seine Wettbewerbsvorteile gegenüber dem Konkurrenten Libri auf, der vor knapp zehn Jahren sein Lager ins zentrale Bad Hersfeld verlegt hatte.

„Vorschlag des Betriebsrats ist wesentlich teurer“

Laut Fels habe man das von den Arbeitnehmervertretern ausgearbeitete Konzept mit externen Beratern geprüft, sich aber am Ende dagegen entschieden. „Unsere Hauptkritik ist, dass die Zwei-Standort-Strategie weitestgehend an den bestehenden Strukturen festhält – und damit auch die Nachteile in Kauf nimmt, mit denen wir seit Jahren unsere Wettbewerbsfähigkeit einbüßen“, erklärt die Firmenführung in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift „Log-Buch“, die buchreport.de vorliegt. „Die Vorschläge, die aktuellen Standorte technisch zu modernisieren, sind nicht umsetzbar, die notwendigen Grundstücke sind nicht verfügbar, und schließlich ist der Vorschlag auch wesentlich teurer“  – die Mehrkosten taxiert die Geschäftsführung auf 73 Mio Euro.

Logistik aus einem Guss statt Stückelei

Firmenchef Oliver Voerster hält den Umzug vor diesem Hintergrund für alternativlos: „Schauen Sie sich doch mal die modernen großen Logistikzentren von Amazon und Libri an. Die sind aus einem Guss, so sehen Zukunftsstrukturen aus! Sowohl Amazon in Leipzig und in Bad Hersfeld ist mehr als doppelt so groß wie unser gesamter zusammengestückelter Standort Stuttgart, Barsortiment und Verlagsauslieferung zusammen!“

Inzwischen habe die Firmenleitung einen Interessensausgleich und Sozialplan erarbeitet und den Betriebsräten übergeben. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollen nach dem Wunsch von Voerster & Co. rasch beginnen.

Auf Anfrage von buchreport.de kritisierte Gerhard Schönfeld, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von KNO VA, dass sich die Chefetage bislang nur mit einem Konzept des KNV-Betriebsrats beschäftigt habe, das notgedrungen „mit heißer Nadel gestrickt“ worden sei. Inzwischen hätten die KNV-Kollegen eine neue Fassung erstellt, außerdem gebe es auch von den KNO VA-Arbeitnehmervertretern ein Konzept, das der Führungsetage noch nicht habe präsentiert werden können. Die Betriebsräte hätten inzwischen sogar ein Gelände aufgetan, das unmittelbar an den Stuttgarter Standort grenze und eine Erweiterung ermögliche.

Ein Standort in der Mitte Deutschlands sei zwar für Versender im Privatkundengeschäft von Vorteil, nicht aber für einen Logistik-Konzern wie Koch Neff. Fazit: Eine Modernisierung der Standorte Köln und Stuttgart sei möglich und günstiger.

Fotomontage: buchreport.de



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