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Buchhandel
Montag, 06. September 2010 (10:31 Uhr)


buchreport-Analyse der internationalen Buchketten

Mit dem Rotstift gegen tiefe Konjunkturdellen

Der Buchhandel steckt weltweit in einer Phase des Umbruchs. Konsolidierung und Sparkonzepte lassen kaum noch Platz für Expansion. Zum achten Mal hält buchreport auf einer »Weltreise« die aktuellen Trends fest.

Das Fazit vorweg: Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit befindet sich der Buchhandel, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, in einer Phase des Umbruchs, der vielfach tief geht und an strukturellen Grundwerten rüttelt. Die internationale Buchhandelsbranche ist zutiefst verunsichert. Großbuchhändler, die gelassen und wirtschaftlich solide aufgestellt ihren Geschäften nachgehen, sind eindeutig in der Unterzahl.

Hier die Top-10 der Buchketten (Land, Filialen) - Umsatz in Mio Euro (Entwicklung)

1. Barnes & Noble (USA, 1357) 5810,0 (keine Vergleichszahl)
2. Fnac (Frankreich, 143) 4376,0 (–1,8%)
3. Borders (USA, 699) 2210,0 (–13,8%)
4. WH Smith (Großbritannien, 1045) 1637 (–0,9%)
5. Kinokuniya (Japan, 90) 990,2 (keine Vergleichszahl)
6. Thalia (Deutschland, 292) 910,0 (+6,4%)
7. DBH (Deutschland, 493) 743,0 (–1,6%)
8. Indigo (Kanada, 246) 727,2 (+3%)
9. Waterstone’s (Großbritannien, 314) 625,0 (–6,3%)
10. Redgroup (Australien) 479,3 (keine Vergleichszahl)


Neben der Finanzkrise, die in vielen Ländern zu einer schweren Rezession geführt hat ist es die wachsende Macht der Internetbuchhändler sowie der sich unaufhaltsam formierende E-Book-Markt mit der ganzen Bandbreite digitaler Optionen, der die stationären Buchhändler um den Schlaf bringt.

Die Bilder gleichen sich von Land zu Land. Es wird gespart, entlassen, ge­schlossen, fusioniert. Ein paar Schlaglichter:

  • Nach nur einem Jahr hat in Schweden Bokia das Pilotprojekt Express-Buchhandlungen kommentarlos wieder auf Eis gelegt, es bleibt bei drei Testbuchhandlungen eines Boulevard-Buchhandelskonzept mit knapp 100 qm Verkaufsfläche und einem schnell drehenden Schmalspursortiment von Bestsellern und Taschenbüchern.
  • Der in extremer finanzieller Schräglage befindliche US-Großbuchhändler Borders hat in seinem Hauptquartier und in zwei Logistikzentren einige Hundert Mitarbeiter entlassen; zu den genauen Zahlen macht die Konzernführung keine Angaben.
  • Der russische Marktführer Top-Kniga ist ein Opfer der Wirtschaftskrise und seiner steilen Expansion geworden und hat nach einem Umsatzminus von 21% die Bremse getreten; etwa 100 Filialen wurden geschlossen, die fünf Buchhandlungen in der Ukraine verkauft.
  • Selbst in den Unternehmen, in denen es nicht akut „brennt“, steht längst nicht alles zum Besten. So trägt zum Beispiel die französische Fnac erneut ein Verkaufsschild: Zum zweiten Mal nach 2006 will sich der Eigentümer, der auf Luxusgüter spezialisierte Handelskonzern PPR, von seinen Me­dienhäusern trennen. Mindestens 2 Mrd Euro wollte PPR-Chef François-Henri Pinault seinerzeit haben, diesmal hält er sich mit Preisvorstellungen zumindest öffentlich vornehm zurück. Derweil wird die Fnac in Form getrimmt: Im Juli wurde nach fünf Jahren der Rückzug aus Griechenland angekündigt.

Auch deutsche Filialisten stoßen an die Decke

Der deutsche Filialbuchhandel hat sich im internationalen Vergleich (noch einmal) ordentlich geschlagen hat, aber im laufenden Jahr waren auch die Ketten vom rückläufigen Geschäft betroffen. Im stagnierenden-rückläufigen Buchmarkt stoßen auch hierzulande die großen Händler an die Decke, schließen deutlich weniger neue Standorte auf, das stationäre und das Online-Geschäft entwickeln sich auseinander. Jetzt gilt es, abzuwarten, wie sich die von den Marktführern Thalia und DBH propagierten Multichannel-Konzepte im Alltag bewähren.

Anja Sieg, sieg@buchreport.de

Die ausführliche Analyse ist im buchreport.magazin 9/2010 zu lesen, hier können Sie das Heft bestellen.



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