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Verband
Freitag, 18. September 2009 (10:20 Uhr)


Buchmesse-Chef Juergen Boos

„Thema wird die Messe prägen“

Der Gastlandauftritt Chinas hat mit einem Eklat und heftiger Kritik an der Buchmesse-Politik begonnen. Im buchreport-Interview nimmt der Buchmesse-Chef zum Vorwurf Stellung, für China unliebsame Diskutanten ausgeladen zu haben.

Wie unvorbereitet hat Sie die Konfrontation beim Auftakt-Symposium getroffen?

China ist ein Land, das ein großes Problem hat, in der Wirklichkeit wie in der Wahrnehmung, und es ist Fakt, dass es dort eine Zensur und Unterdrückung Andersdenkender gibt. Deshalb wussten wir, dass es Diskussionen geben wird, auch dass die Beteiligten sich gegenseitig an den Pranger stellen. Dass es gleich derart knallt und polemisch wird, hatte ich aber nicht erwartet.

Die Frankfurter Buchmesse wird aber nicht wegen zu viel Konfrontation kritisiert...

Wir haben im Vorfeld als Mitveranstalter des Symposiums den Fehler gemacht, dass es bei den Teilnehmern ein Hin und Her gab und daraus der falsche Eindruck entstand, wir würden uns den politischen Interessen des Gastlandes fügen. Dafür muss ich mich entschuldigen. Wir laden niemanden aus.

Haben  China und Buchmesse in den langen Vorgesprächen aneinander vorbeigeredet?

Nein, wir haben vertraglich festgeschrieben, dass es für die Buchmesse keine Zensur und Einflussnahme geben kann und dass Meinungsfreiheit unser höchstes Gut ist. Es hat im Vorfeld aber auch keine Pressionsversuche gegeben.

Ist mit dem konfrontativen Auftakt die weitere Richtung des China-Auftritts vorgegeben?

Die Auseinandersetzungen werden im Rahmen der Frankfurter Buchmesse noch ganz andere Dimensionen erreichen. Viele der von uns gesetzten Themen und eingeladenen Gäste enthalten viel Konfliktpotenzial. Wir bieten eine Plattform für den Dialog und haben China eingeladen, sich dem auszusetzen und in diesem Rahmen zu präsentieren. Die Buchmesse bietet nicht nur dem offiziellen China den Raum, sondern vielen Chinas, dem Exil-China, dem unterdrückten China, dem sehr literarischen China. Dass sich das größte Land der Welt darauf einlässt, ist ein Anfang, der China verändernwird...

...und wie sehr die Buchmesse?

Die Buchmesse bleibt weiterhin eine Geschäftsmesse. Das Thema China wird die Tage in diesem Jahr aber sehr prägen, zumindest in der politischen und kulturellen Öffentlichkeit.

Wie groß ist das Risiko, dass das bisher weitgehend auf freundliches Win-Win angelegte Gastland-Konzept der Buchmesse  derart strapaziert wird, dass am Ende China und die Buchmesse als Verlierer dastehen?

Dass sich China auf der Buchmesse stellt, ist in jedem Fall ein Gewinn. Eine Gefahr bestünde nur, wenn wir uns nicht gegenseitig zuhören und wir Meinungsfreiheit und Liberalität nicht hochhalten würden.

(Aus buchreport/express 38/2009)



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