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Buchhandel
Freitag, 09. März 2012 (16:54 Uhr)


Verdi erklärt Tarifverhandlungen bei Weltbild für beendet

Verkaufsverhandlung mit Leitplanken

Die Verhandlungen um den Zukunftstarifvertrag bei Weltbild stehen kurz vor dem Abschluss, meldet die Gewerkschaft Verdi. Bis auf eine Detailfrage sei man sich einig. Für die Verkaufsfahrt ins Ungewisse sind die Mitarbeiter für erste gut angeschnallt.

Die Arbeitnehmervertreter und die Geschäftsführung haben sich laut Verdi auf folgende Punkte geeinigt:

  • Alle Arbeitsplätze sollen ab jetzt für zwei Jahre und acht Monate gesichert werden. 
  • Betriebsbedingte Kündigungen im Zusammenhang mit dem Verkauf werden ausgeschlossen.
  • Der Standort Augsburg soll bis mindestens Ende 2014 erhalten werden.
  • Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen gelten in vollem Umfang weiter.
  • Auszubildende werden übernommen, die Anzahl der Ausbildungsplätze wird nicht reduziert.

Zudem darf der Betriebsrat einen Wirtschaftsausschuss einrichten, dem alle wirtschaftlichen Kennzahlen und Entwicklungen offengelegt werden. Über dieses Gremium können die Arbeitnehmer auch auf den Verkauf von Weltbild Einfluss nehmen. 

Um  die Beschäftigung zu sichern, wurde eine Schutzklausel verhandelt: Diese sieht vor, dass betriebsbedingte Kündigungen nur über eine richterliche Einigungsstelle durchgesetzt werden können. Diese Klausel will die Weltbild-Geschäftsführung laut Verdi noch juristisch absichern. 

„Aus unserer Sicht sind die Verhandlungen beendet“, erklärt Verdi-Verhandlungsführer Stefan Kraft in einer Mitteilung. „Wir erwarten die Unterschrift der Geschäftsführung im Laufe der nächsten Woche.“ Anschließend müssen noch die Bischöfe unterzeichnen – ihre Unterschrift gelte aber als sicher, sobald die Geschäftsführung grünes Licht gegeben hat. 

Der neue Tarifvertrag soll ab Unterschrift bis zum 31. Dezember 2014 gelten.

„Wenn der Tarifvertrag in dieser Form unterschrieben wird, haben wir im Sinne der Beschäftigten viel erreicht und sehen der Zukunft von Weltbild positiv entgegen“, erklärt Timm Bossmann, Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe, im Gespräch mit buchreport.de. Und warnt : „Sollte der Vertrag unerwarteterweise nicht unterzeichnet werden, sind wir ab dem 1. April streikfähig.“ Dann endet die „Friedenspflicht“, in der kein Arbeitskampf gegen den Bestand eines geltenden Tarifvertrages stattfinden darf. 

Ob potenzielle Käufer die strengen Vorgaben abschrecken? Weltbild sei nach wie vor sehr attraktiv, so Bossmann: „Wir sind ein wirtschaftlich starkes Unternehmen und kein Sanierungsfall, der Arbeitsplätze abbauen muss. Und: Unter den ausgehandelten Bedingungen lassen wir uns gerne verkaufen.“ 

Auch eine Stiftungslösung sei weiterhin im Gespräch. Fraglich sei aber, ob auf diese Weise inhaltliche Auseinandersetzungen – ursprünglicher Auslöser für den Verkauf war eine Debatte um erotische Bücher – auf Dauer vermieden werden könnten.

Bei Weltbild wollte man die Verhandlungen nicht kommentieren.

Mehr zum Thema lesen Sie im buchreport-Dossier zu Weltbild. 



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