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Buchhandel
Montag, 19. April 2010 (10:37 Uhr)


Susanne Köster-Schoon über opulente Lesungen in der Kleinstadt

Einfach mal etwas größer denken

 

Auch in der Kleinstadt sind großformatige Lesungen möglich. Susannes Buchhandlung im ostfriesischen Wiesmoor holt Prominente auf eine Freilichtbühne: Acht-Stunden-Programm mit Reinhold Messner, Ben Becker, Andrea Sawatzki und Christian Berkel. Ein Interview in der Debatte über zeitgemäße Lesungen.

Was treibt eine Kleinstadt-Buchhändlerin, ein so großes Rad zu drehen?
Ich habe vor zehn Jahren mit Lesungen be­gonnen und in dieser Region mit relativ wenigen Kulturveranstaltungen für etwas Aufmerksamkeit gesorgt. Das ist nicht im­mer befriedigend, auch weil die Verlage zu wenig in die Sprechausbildung ihrer Au­toren in­vestieren. So habe ich häufig auf prominentere Könner gesetzt wie Hardy Krüger, Heike Makatsch oder Hellmuth Karasek. Die Re­finanzierung ist aber schwierig, wenn der größte Raum in der Stadt nur 350 Menschen fasst. Da bietet jetzt die Freilichtbühne mit 2300 Sitzplätzen eine neue Perspektive. Dass ich mich leichter tue, größer zu denken, hängt womöglich mit meinem ersten Beruf als Fernsehjournalistin zusammen.   

Bleibt ein fünfstelliges Risiko, was sich nur leisten kann, wer finanziell unabhängig ist?
Mein Mann, der das Vorhaben tatkräftig unterstützt, ist in einer anderen Branche selbstständig tätig und wir würden bei einem Flop tatsächlich nicht Pleite gehen. Aber die Buchhandlung muss sich rechnen und auch das Festival soll möglichst Gewinn abwerfen. Hinter all dem steht mein An­spruch, keine halben Sachen zu machen.

Müssen sich Literatur und Buchhandlungen offensiver verkaufen?
Die Autoren und Künstler müssen einen Auftritt haben, ob mit Wasserglas vor einem Vorhang oder in einer Bühneninszenierung. Es sei übrigens auch nicht verschwiegen, dass die Organisation einer Bühnenveranstaltung mit Künstlern komplizierter ist als ein Lesungsvertrag mit einem Verlag.

Kann die Buchhandlung im Alltag von einem solchen Leuchtturmprojekt profitieren?
Obwohl ich diese Buchhandlung seit 13 Jahren führe, gibt es immer noch Menschen im Einzugsbereich, die nicht ge­merkt ha­ben, dass es in Wiesmoor eine kompetente Buchhandlung gibt und die viele Kilometer in die nächste Großstadt fahren. Hier auf dem Land stehen zudem viele kleine Orte miteinander im Wettbewerb. Da ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen, das weithin sichtbar ist.

Dafür braucht es den Knalleffekt?
Ich bin nicht unzufrieden, denn der Laden läuft, aber gerade eine Buchhandlung kann mehr bewegen. Ich habe es mit Netzwerken versucht und mich zum Beispiel im Gewerbeverein engagiert. Aber das ist ein mühseliges Bohren dicker Bretter, so dass ich mich entschieden habe, meine Energie in eigene Projekte zu investieren und mir nicht reinreden zu lassen. Dass dann der eine oder an­dere aufspringt, als Sponsor und Werbepartner, ist natürlich willkommen.

Die Fragen stellte Thomas Wilking

Zur Person: Susanne Köster-Schoon

war nach Studium von Politik-, Literatur- und Kommunikationswissenschaft Fernseh- und Nachrichten­redakteurin u.a. bei ZDF und ARD, bevor sie 1997 parallel zur Fami­liengründung eine 160-qm-Buchhandlung in Wiesmoor übernahm. Nach verschiedenen Lesungs- und Vortragsveranstaltungen mit prominenten Autoren bereitet Köster-Schoon ein achtstündiges Freilichtbühnen-Programm für den 29. Mai vor mit Vortrag (Reinhold Messner), Lesungsduett aus den Glattauer E-Mail-Romanen (Sawatzki & Berkel) und einer „Seewolf“-Inszenierung (Ben Becker & Band) mit Eintrittspreisen von 49 bis 139 Euro.
www.nachobenoffen.de

 

Verlauf der Debatte über Lesungen:

Stephan Porombkas erster Text

Kritik von Rainer Moritz

Weitere Kommentare von Benedikt Geulen und Jan Böttcher

Erwiderung von Porombka zu Moritz

Silke Ohlenforst regt an, Format immer auf den Autor zuzuschneiden

Wolfgang Tischer meint, der Autor müsse es drauf haben

 



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