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Buchhandel
Montag, 21. November 2011 (06:30 Uhr)


Kampf um die Zukunft von Weltbild

„Melkkuh“ auf dem Weg zur Schlachtbank?

Im Vorfeld des heutigen Treffens des Rats der Deutschen Bischofskonferenz u.a. zur Zukunft von Weltbild bringen sich die verschiedenen Interessensfraktionen in Stellung. Der Erzbischof von Köln fordert den Verkauf des Medienkonzerns. Weltbild-Chef Carel Halff (Foto: Weltbild) versucht, die Wogen zu glätten. Und die Gewerkschaft warnt vor einem „Notverkauf“.

„Welt ist nicht akzeptabel in die Kirche eingedrungen“

Im Interview mit der „Welt am Sonntag“ geht Joachim Kardinal Meisner (Foto: Erzbistum Köln), Erzbischof von Köln, erneut auf Distanz zum Augsburger Unternehmen, das wegen der Verbreitung erotischer Inhalte seit Wochen in der katholischen Kirche unter Beschuss steht. „Wir müssen uns davon verabschieden. Hier ist Welt in einer Weise in die Kirche eingedrungen, die schlicht nicht zu akzeptieren ist.“ Dass die Kirche in der Woche damit Geld verdiene, „wogegen wir an den Sonn- und Feiertagen von den Kanzeln predigen“, sei „einfach skandalös“. Hinzu komme, dass es grundsätzlich für Bischöfe nicht angemessen sei, Unternehmer eines Großunternehmens mit Milliardenumsätzen und rund 6500 Mitarbeitern zu sein.

Das Erzbistum Köln hatte sich schon 2008 von seinen bis dahin gehaltenen Weltbild-Anteilen getrennt; diese gingen an den Verband der Diözesen Deutschlands (kontrolliert das Gros der Anteile, weitere Anteile haben die Soldatenseelsorge Berlin und zwölf katholische Diözesen, siehe Grafik, Quelle: Weltbild).



Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff wandte sich indes mit einem E-Mail-Rundschreiben an die Belegschaft, offenbar um dieser Mut zu machen: „Das Unternehmen ist stark und gut aufgestellt, wie Sie selbst am besten wissen. Wir können deshalb gemeinsam mit Selbstbewusstsein in die Zukunft blicken“, zitiert Verdi aus der Mail.

„Löschen der katholischen Scheiterhaufen“

Die Gewerkschaftler selbst werten Halffs Einlassungen als „Pfeifen im dunklen Walde“, zeigen sich aber solidarisch: Ein Notverkauf, wie von „fundamentalistischen Kirchenkreisen“ gefordert, sei aus Sicht der Mitarbeiter keine wünschenswerte Lösung. Durch das kontinuierliche Wachstum von Weltbild seien Jobs in der Region geschaffen worden, und im Vergleich zu Konkurrenten wie Amazon seien die Arbeitsbedingungen in der Augsburger Zentrale „im Großen und Ganzen in Ordnung“. Ein neuer Investor „könnte dieses Prinzip umkehren und Weltbild zur Melkkuh machen und anschließend schlachten. Damit stünden tarifliche Bindungen ebenso in Frage wie zahlreiche Arbeitsplätze.“

Dass die Geschäftsführung mit dem „Löschen der katholischen Scheiterhaufen“ beschäftigt sei, komme zu einer ungünstigen Zeit, da „Deutschlands größter Buchhändler“ mitten in der wichtigsten Umstrukturierung der Unternehmensgeschichte stehe: Die komplette IT-Infrastruktur werde umgekrempelt, die Positionierung im Buchmarkt völlig neu definiert und die Logistik solle künftig mit Amazon Schritt halten können. „Kein guter Zeitpunkt, um das Unternehmen für einen angemessenen Preis zu verkaufen.“ (hier mehr)

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