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Buchhandel
Donnerstag, 04. August 2011 (12:08 Uhr)


Interview mit Gabal-Geschäftsführerin Ursula Rosengart

„Belletristik kann jeder“

Viele Buchhändler tun sich schwer mit Wirtschaftsbüchern, bemängelt der „8er-Club der Wirtschaftsverlage“. Dabei lassen sie sich die Chance entgehen, Stammkunden zu gewinnen, meint Gabal-Chefin Ursula Rosengart (Foto).

Der „8er-Club der Wirtschaftsverlage“ wirbt für eine offensive Präsentation von Wirtschaftsbüchern im stationären Sortiment. Sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Es gibt eine Reihe von Buchhändlern, die teilweise hervorragende Wirtschaftsbuchabteilungen aufgebaut haben und damit gute Umsätze machen. Aber insgesamt gesehen tut sich das stationäre Sortiment schwer.

Warum?

Wir registrieren in den Wirtschaftsverlagen eine wachsende Nachfrage nach unseren Produkten. Aber aus dem stationären Buchhandel hören wir oft: Der Internetbuchhandel nimmt uns dieses Segment weg.

Sind die Käufer von Wirtschaftsbüchern besonders internetaffin?

Ich halte es grundsätzlich für einen Trugschluss, dass die Leute heutzutage nicht mehr shoppen gehen. Wir würden unsere Umsätze gern mit dem Buchhandel machen. Die Klagen haben etwas von einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Die Sortimenter, die sich über sinkende Umsätze beschweren, haben nicht selten vorher die Wirtschaftsbuchabteilung verkleinert.

Ist es nicht nachvollziehbar, wenn Buchhändler aus wirtschaftlichen Gründen ihr Sortiment verschlanken?

Die Frage ist doch, welche Schwerpunkte man setzt. Meiner Meinung nach verlassen sich viele Buchhändler zu unkritisch auf marktgängige Belletristik und Nonbooks. Ich sage oft bewusst provokant: Belletristik kann jeder. Ein eigenständiges Profil bekommt eine Buchhandlung durch gut geführte Fachabteilungen ...

... die aber eine Menge Aufwand erfordern.

Der Aufwand lohnt sich aber auch. Mit Mainstream-Belletristik und Wühltischen im Eingangsbereich zieht ein Buchhändler vielleicht Laufkundschaft an, die seinen Laden im Zweifel einmal und nie wieder betritt. Mit einer gut geführten Fachabteilung aber zieht er Stammkunden an, die immer wieder kommen. Gerade das Geschäft in den Fachabteilungen ist sehr stark abhängig vom Vertrauen des Kunden zu „seinem“ Buchhändler – bei dem er dann übrigens auch seine Belletristik kauft.

Ist es nicht schwer, Wirtschaftstitel publikumswirksam zu bewerben?

Aus der Praxis erfolgreicher Wirtschaftsbuchabteilungen gibt es viele Anregungen, etwa Thementische auf Kongressen und Messen oder gemeinsame Aktionen mit Unternehmen. Mit unseren Autoren kann man in der Buchhandlung attraktive Veranstaltungen wie Rhetorik- oder Telefontraining machen. Und das sind nur ein paar Beispiele.

Die Fragen stellte David Wengenroth

Weitere Berichte und Themen im Supplement buchreport.spezial RWS Wirtschaft/Beruf/Management, das dem aktuellen buchreport.magazin beiliegt (zum Inhaltsverzeichnis).

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Kristine Kupferschmidt aus Freiburg i. Br.

Samstag, 13-08-11 10:46

Ja, Belletristik kann jeder, da stimme ich Ihnen ganz zu, Frau Rosengart. Das Wirtschaftsbuch gibt einer Buchhandlung Profil und bietet den ortsansässigen Unternehmen und Selbständigen einen großen Nutzen. Schade und unklug, wenn ich als Buchhändler auf dieses Firmenkundengeschäft verzichte und mich stattdessen in die Opferrolle begebe und auf den Internetbuchhandel schimpfe.
Amazon & Co. werden auch weiterhin gern diese Kunden bedienen, wenn der stationäre Buchhandel es nicht tut und sich dem kaufwilligen Kunden nicht als professioneller Buch- und Medienhändler zeigt.

Also liebe Buchhändler: Wirtschaftsbuch ausbauen und Firmenkundenakquise betreiben! Meine Erfahrung zeigt es immer wieder: Unternehmen kaufen sehr gern ihre Fachmedien im örtlichen Buchhandel und sind freudig erstaunt, dass die Buchhandlung am Ort so leistungsfähig ist. Nur Mut, Akquise macht nämlich auch Spaß!

 

Gitte Härter aus München

Mittwoch, 10-08-11 10:03

Ich bin Viel- und Gernelserin, betreibe seit über zehn Jahren Businesswebsites, für die ich immer wieder gute Wirtschaftsbücher als Buchtipp suche/lese und Autorin diverser Ratgeber, unter anderem auch bei GABAL.

Ich kann das, was Frau Rosengart sagt, aus Kundenperspektive nur unterstreichen: es ist wirklich ein Drama, wie schlecht viele Buchhändler bestückt sind und selbst die größeren Ketten haben oft nur wenige Regale, in denen die üblichen Verdächtigen liegen, die oft schon 3/4 des Sortiments ausmachen.

Ich gehe oft und gerne in Buchläden, willig Geld auszugeben und einen Stapel Bücher rauszuschleppen, aber im Wirtschaftsbereich findet man schlichtweg oft nichts. Da werde ich als Kunde regelrecht zu amazon.de getrieben. Der Nachteil: Dort kann ich zwar gezielt suchen, aber weder stöbern, noch mir ein näheres Bild von Büchern machen. Der online "Blick ins Buch", wie in amazon bietet, ist oft völlig wertlos, weil man seitenweise Vor- und Nachspann sieht, aber bis aufs Inhaltsverzeichnis kaum was lesen kann.

Und wenn ich mir meine eigenen zwei Dutzend Bücher anschaue, dann sehe ich es natürlich auch an den Verkaufszahlen: die Bücher, die im Handel präsent sind, verkaufen sich natürlich deutlich besser als die, die lediglich online gefunden werden müssen. Man kann ja nur kaufen, was man auch sieht.

 

Carsten Vogt aus Kempten

Freitag, 05-08-11 09:48

Danke, daß Sie erneut eine Lanze für das Wirtschaftsbuch brechen. Hoffentlich wird das auch von den Verantwortlichen im Sortiment gelesen. Dennoch: Der Sortimenter wird immer sortieren müssen. Alles kann eine Buchhandlung nicht führen. Und die kaufmännische Frage wird sich immer stellen, z.B. nach Lagerumschlag. Das Problem - nicht nur im Wirtschaftsbuch: Jeder Verlag meint, daß er (nur) Top-Titel produziert.

 

Peter-Uwe Sperber aus Bad Salzuflen

Donnerstag, 04-08-11 18:32

Liebe Frau Rosengart, folge Ihnen da gerne - bin ein alter ECONiter - aber es betrifft da ja nicht nur die vermeintliche BELLETRISTEN Einsicht !
Waren Sie mal im Aussendienst ? Hier die beliebsten Ausreden
- Verlag kenne ich gar nicht
- habe ich keine Kunde dafür
(Schaufenster, eigene Mail- oder Telefon-Strategie gar nicht bedacht )
- die Großen machen uns kaputt ( "woher haben die eigentlich das Geld?" statt mal da in die Filialen zu gehen und deren Warengruppen-Lücken für den jeweiligen Standort der eigenen Buchhandlung auszuloten und die Beratungs-Kompetenz abzufragen)
- und man traut dem bezahlenden Kunden kein Geld zu !!! "soll es ein Taschenbuch sein oder ..."

Beispiel von 3 Tagen Vertreterreise am katholischen Niederrhein > Anselm Grün NEU > ist ein Hardcover mit CD mit in grösserem Format als jedes Taschenbuch (kümmert man sich eigentlich auch nicht drum, der Autor ist ja Bestseller und legt es einfach aus).
Kommentar "ist zu teuer", draussen zogen Hunderte als Pilger vorbei. Traut man denen nur zu, dass sie ihr Geld in den Opferstock zur Erhaltung der diversen Kapellen werfen oder 40 oder Cent-Kerzen kaufen (können) für ihr Seelenheil ?????????????

Hinzu kommt leider, Ihre oder meine Kommentare werden einfach überflogen - egal in welchem Branchenblatt - aber deren Inhalt nicht realisiert.
Uns allen in der Hinsicht VIEL ERFOLG, denn ich glaube weiterhin an ein lebenstüchtigen Buchhandel,
nicht nur weil ich derzeit Vertreter bin, sondern gelernter Buchhändler auf vielen Ebenen.

 

Dorothea Redeker aus Bensheim

Donnerstag, 04-08-11 13:35

Ich kann Frau Rosengart nur zustimmen. Wirtschaftsbücher sind ausgesprochen gut geeignet, Buchhandlungen Profil zu geben und Kunden durch die Kombination von tiefem Sortiment, fachlichem Know-how und kommunikativen Elementen einen direkten und persönlich erfahrbaren Nutzen zu vermitteln. Am besten nicht nur mit Autorenveranstaltungen und Büchertischen auf Kongressen, sondern auch durch die Vernetzung vor Ort, beispielsweise mit regionalen Wirtschaftsvereinigungen. Profil gewinnt man mit einer solchen thematischen Ausrichtung nicht nur vor Ort, sondern auch durch eine aktive Beteiligung in den entsprechenden Foren und Gruppen im Internet.

 
 

 
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