Doppelte Spreizung
buchreport.de-Jahresrückblick: Handel (1. Teil)
Im deutschen Buchhandel sind die Ladengeschäfte zwar weiter mit gut 50 Prozent Marktanteil wichtigster Vertriebsweg, verlieren aber im Kerngeschäft an Umsatz, während der Online-Buchhandel weiter wächst. Die Konsequenzen für den stationären Handel sind eine Sortiments- und Vertriebswegespreizung:
- Der stationäre Buchhandel integriert verstärkt Ergänzungssortimente, vor allem verwandte Medien (Video-DVDs, Musik-CDs), Konsolen- und Computer-Games, klassische Spiele sowie PBS und dekorative Nonbooks.
- Die Multichannel-Strategie gewinnt an Bedeutung, indem der stationäre Handel seine eigenen Online-Shops offensiver bewirbt, auch um die Option zu nutzen, am beginnenden E-Book-Geschäft nicht außen vor zu bleiben.
Die großen Filialisten sind beim Thema Multichannel besonders rührig:
- Thalia hat mit der Übernahme der Mehrheit an Buch.de bereits vor einem Jahr erfolgreich die Weiche in Richtung Zweigleisigkeit gestellt.
- Hugendubel verbreitert seinen Shop durch Andockung bei Partner Weltbild.
Vor allem Weltbild ist nach dem Krisenjahr 2009 (Personalabbau, Verkaufspläne) wieder obenauf. Chef Carel Halff versteht sich mit Blick auf seine gewachsenen Vertriebsschienen Katalogversand, Online-Shop und Ladenkette als Pionier im zukunftsträchtigen Multichannel-Vertrieb, zumal aus dem bisherigen Nebeneinander jetzt ein integriertes Konzept mit Online-Handel als Motor werde. Verlierer ist der stationäre Handel, weshalb auch die vor Kurzem noch expansionsfreudigen Filialisten mehr Standorte aufgeben als neu eröffnen. Lediglich bestehende Mietverträge bremsen die Erosion. Halff prophezeit, dass in den nächsten fünf Jahren 40 Prozent der Buchverkaufsflächen verschwinden und auch bei Douglas/Thalia ist zum Jahresende von einem Umbruch die Rede.








