„Der Onlinebuchhandel wird 25% erreichen“
Interview mit buch.de-Chef Albert Hirsch
Die Wirtschaftskrise scheint einen Bogen um die Onliner zu machen. Im buchreport.de-Interview spricht buch.de-Chef Albert Hirsch (Foto) über seinen Erfolg, die Konkurrenz zum stationären Handel und zu Amazon und über Lebensmittel aus dem Online-Shop.
Die Wirtschaftskrise scheint nach den jüngsten Zahlen der Versandhändler einen Bogen um die Onliner zu machen. Wie erklären Sie sich das?
Die Menschen haben das Internet als wesentlichen Bestandteil ihres Lebens anerkannt; 70 bis 80% der Verbraucher haben einen privaten Internetzugang. Daher steigt der Gesamtumsatz der Onlinehändler stetig. Vor zehn Jahren wurde ein Marktanteil der Onliner von 25% prognostiziert. Davon sind wir zwar heute noch entfernt, aber wir werden dahin kommen.
Vor zehn Jahren war die Finanzkrise noch nicht in Sicht...
Krisen hat es immer gegeben. Viele Krisen sind außerdem Kopfsache und werden dramatisiert. Die Rahmenbedingungen sind heute dieselben wie früher: Die Kunden suchen Qualität, Service und Convenience. Wenn sich Unternehmen darauf besinnen, haben sie eine Chance zu gewinnen.
Sägen die Onliner am Ast der stationären Buchhändler?
Wenn man die nackten Zahlen sieht, dann scheint dies so zu sein. Man darf die einzelnen Vertriebsschienen – stationär, Internet, Katalog, Telefon – aber nicht isoliert sehen. Auf dem Markt muss man versuchen, die Grenzen zu überwinden und den Kunden auf verschiedenen Wegen zu erreichen. Aktuell wird viel über das Mobile Marketing gesprochen, das Kaufen per Handy und Smartphone. Auch dabei sollte man nicht davon ausgehen, dass dies zu Lasten der Internetumsätze geht.
Wie lautet Ihr Fazit fürs erste Halbjahr?
Die Zahlen werden wir erst am 5. August bekanntgeben. In den ersten drei Monaten des Jahres 2010 sind wir beim Umsatz um 30% gewachsen. Das ist sehr erfreulich.
Amazon hat laut GfK einen 11%-Marktanteil auf dem deutschen Buchmarkt. Hemmt Sie die große Übermacht der Münchner im Onlinebereich?
Nein, wir wachsen aus eigener Kraft, das ist das Wichtigste. In diesem Jahr werden wir in Personal und Systeme investieren, noch viel mehr als in den vergangenen Jahren. Da sehen wir den Schlüssel für die kommenden Jahre. Es gibt in keinem Markt der Welt Monopolisten, die mehr als ein paar Jahre existiert haben, auch nicht im Buch- und Medienbereich. Insofern steht uns der Weg offen, und wir wären selbst schuld, würden wir nicht die eigenen Wachstumschancen nutzen.
Was wird sich für Ihre Kunden verbessern?
In diesem Jahr eruieren wir in diversen Projekten die weiteren Potentiale unserer Verbesserungsmöglichkeiten für alle Kundenprozesse. Unser Ziel ist es, noch schneller beim Kunden zu sein. Schon jetzt gehören wir bei der Buchlieferung zu den Schnellsten, aber bei PBS-und Elektroartikeln sind wir noch weit von unseren Zielen entfernt.
Amazon nimmt Lebensmittel ins Sortiment. Wann stoßen Sie nach?
Zunächst gar nicht, weil wir uns auf den Bereich Buch- und Medien konzentrieren. Das ist weiterhin ein Wachstumsfeld. Lebensmittel per Internet zu verkaufen, ist ein interessanter Ansatz und wird in einzelnen Regionen auch funktionieren. Aber solche Prozesse muss man im Griff haben, angesichts von Frische und Mindesthaltbarkeitsdatum.
Frank Kreuzer aus Nehren
Donnerstag, 22-07-10 19:36Ich bestelle seit Jahren Bücher nur noch im Internet. Das Vorbestellen und spätere Abholen im Buchladen fand ich immer ziemlich nervig. Verloren geht dabei natürlich das Erlebnis, in Büchern stöbern zu können.








