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Buchhandel
Mittwoch, 12. Mai 2010 (09:05 Uhr)


Bei Zweitausendeins soll jede zweite Stelle wegfallen

„Uns steht das Wasser bis zum Hals“

Monatelang wurde über die schwierige Situation beim Frankfurter Versender und Filialisten gemunkelt. Wirft der 2006 eingestiegene Eigentümer Michael Kölmel (Foto) das Handtuch bei Zweitausendeins? Jetzt liegen die bitteren Fakten auf dem Tisch: Um eine Insolvenz abzuwenden, will Zweitausendeins fast jeden zweiten Mitarbeiter entlassen, das eigene Kundencenter dichtmachen und den restlichen Mitarbeitern Zugeständnissen bei Arbeitszeit und Gehalt abverlangen.

In einer Mitteilung des Betriebsrats an die Mitarbeiter, die buchreport vorliegt, werden die geplanten Einschnitte der Geschäftsführer Ralph Koch und Bianca Krippendorf aufgelistet:

  • Insgesamt sollen 51 Mitarbeiter noch bis Ende Juni betriebsbedingt gekündigt werden, in kleineren und mittleren Filialen zwischen einem und zwei Mitarbeitern, in größeren Filialen vier bis sieben Mitarbeiter. Dies liefe darauf hinaus, dass viele Filialen nur noch mit einer Person am Tag besetzt würden – ähnlich wie bei der Wohlthatschen.
  • Das Kundencenter soll stillgelegt werden (14 Mitarbeiter), um Dienstleistungen auszulagern.
  • Eine weitere Stelle in der „Merkheft“-Redaktion soll wegfallen.
  • Außerdem ist eine Standortverlegung der Zentrale in Frankfurt (Sontraerstraße) im Gespräch - nach buchreport-Informationen wird ein Umzug nach Halle erwogen, wo offenbar Fördermittel locken.
  • Die verbleibenden Mitarbeiter sollen künftig 40 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich arbeiten; die Gehaltserhöhungen der vergangenen drei Jahre sollen außer Kraft und auf künftige Erhöhungen der Gehälter soll verzichtet werden.

In den kommenden Wochen werde die Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandeln. Bei einem Treffen der Chefetage mit dem Betriebsrat am Montag hat der Betriebsrat nach buchreport-Informationen seine Bereitschaft signalisiert, über über Sozialplan und Interessenausgleich zu vehandeln.

In einer gestern verschickten Mail an alle Mitarbeiter begründet die Geschäftsführerin Krippendorf die tiefen Einschnitte damit, dass die Alternative nur in der Insolvenz bestehe. „Uns steht das Wasser bis zum Hals.“ Und: „Natürlich stellte sich in den letzten Monaten dem Gesellschafter, den Kreditgebern und auch der Geschäftsführung immer wieder die Frage, ob eine Restrukturierung und Sanierung der Zweitausendeins überhaupt noch Aussicht auf Erfolg haben kann und ob eine drohende Insolvenz abwendbar ist.“

Man habe sich aber entschieden, Zweitausendeins erhalten zu wollen. „Die Analysen haben gezeigt, dass wir eine realistische Chance haben, neu durchzustarten. Und das es uns gelingen kann, die notwendigen wirtschaftlichen Mittel dafür zu bekommen, wenn wir ein tragfähiges und perspektivisches Konzept umsetzen.“

Krippendorf, bis dato Justiziarin und bisherige Assistentin von Gesellschafter Michael Kölmel, war Ende 2009 als neue Geschäftsführerin bei Zweitausendeins angetreten. Im Oktober 2009 war Till Tolkemitt als Geschäftsführer ausgeschieden.

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