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Buchhandel
Freitag, 08. Mai 2009 (14:55 Uhr)


Größere Buchhandlungen zur Preisdiskussion

Stärkere Titel teurer machen

Nachdem die Buchpreise trotz Kostendruck über viele Jahre konstant gehalten wurden, wächst jetzt bei den Verlagen die Bereitschaft, höhere Preise zu kalkulieren, auch wenn der Zeitpunkt (Wirtschaftskrise) als problematisch gilt.

Vor allem nicht austauschbare Toptitel könnten verteuert werden, aber auch insgesamt wird diskutiert, die Preisschwellen (10 Euro beim Taschenbuch, 20 Euro beim Hardcover) zu schleifen. Bei übereinstimmender Analyse, dass bei den Preisen etwas passieren muss, weichen die Einschätzungen durchaus ab, wo die Spielräume liegen.

Im Handel wächst die Akzeptanz höherer Buchpreise. Die Einschätzungen aus dem Buchhandel gehen allerdings weit auseinander, vor allem kleinere Buchhandlungen sind oft skeptisch. buchreport präsentiert das Meinungsspektrum, das im Handel von kleinen Standortbuchhandlungen bis hin zu großen Regionalfilialisten reicht; die bundesweit aktiven, marktführenden Ketten Thalia und DBH halten sich bisher bedeckt:

Teil 4: Größere Buchhandlungen und Filialisten über Buchpreise

Hartmut Falter, Mayersche: „Bei den Preisen könnte in der Tat etwas passieren. Insbesondere im Taschenbuchbereich kann ich mir eine Preisanhebung im Rahmen von 1 bis 2 Euro vorstellen.“

Heinrich Riethmüller, Osiander: „Die Preisüberlegungen sind im Prinzip richtig, denn das Rationalisierungspotenzial ist stark ausgeschöpft. Die Branche braucht höhere Erlöse. Es bietet sich an, gezielt starke Titel teurer zu machen. Dass ein so schlankes Bändchen wie Daniel Kehlmanns „Ruhm“ erfolgreich für 18,90 Euro verkauft wird, deutet die Möglichkeiten an. Beim Taschenbuch liegt die Grenze vielleicht bei 12,90 oder 13,90 Euro.“

Christian Heymann, Heymann: „Eigentlich ist jetzt die falsche Zeit für Preiserhöhungen, aber generell halte ich die Forderung durchaus für berechtigt. Nur muss man differenzieren: Höhere Preise lassen sich im Einzelfall durchsetzen, wenn sich Argumente dafür finden: etwa bei Büchern mit einer besonderen Begehrlichkeit, mit einer besonderen Ausstattung oder größerem Umfang. Kurz: Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen. Eine pauschale Preiserhöhung halte ich für falsch. Beim Taschenbuch bin ich z.B. sehr froh, dass in den vergangenen Jahren die Preise nach unten angepasst wurde, weil sich die Preisunterschied zum Hardcover gegenüber Kunden besser verdeutlichen lässt.“

Frank Edele, Dannheimer/Edele (Kempten): „Höhere Buchpreise: Ja bitte, sehr gerne! Unsere Margen werden immer knapper, der Handel würde davon profitieren. Als ich 1981 den Buchhändlerberuf ergriffen habe, kostete ein gebundener Roman 40 DM, heute sind es 20 Euro. Seit Jahrzehnten sind die Preise für Bücher konstant, während es in allen anderen Branchen Anpassungen gab. Preiserhöhungen lassen sich sicherlich nicht pauschal umsetzen, sondern müssen im Einzelfall entschieden werden. Für Bücher von arrivierten Bestseller-Autoren wie Grisham oder Dan Brown könnte aber durchaus mehr verlangt werden als für das Debüt eines Neulings. Mit etablierten Marken lässt sich auch in anderen Branchen ein Preisunterschied rechtfertigen. Konkret gesprochen ist die 20-Euro-Schwelle beim Hardcover nicht in Stein gemeißelt: Je nach Autor und Umfang sind auch 25 Euro möglich. Beim Taschenbuch ist es schwieriger, aber 11 bis 12 Euro kann ich mir ohne Weiteres vorstellen.“

Joachim Wrensch, Graff (Braunschweig): „Bücher verkaufen sich selten über den Preis, in vielen Fällen ist der Verkaufspreis nicht ausschlaggebend für den Verkaufserfolg. Daher ist sicherlich noch Spielraum nach oben. Das gesamte Sortiment 1 bis 2 Euro teurer zu machen, halte ich aber nicht für gangbar. Hier sollte mit Augenmaß kalkuliert werden. Beispiele: Ein Taschenbuch, das mit 8,95 Euro angeboten wird, lässt sich sicher auch für 9,95 Euro verkaufen. Generell liegt beim Taschenbuch bei 12 Euro wahrscheinlich die Obergrenze.“

Horst Zimmermann, Zimmermann’s (Nürtingen): „Von Fall zu Fall kann eine Preiserhöhung möglich sein. Unser Sortiment bietet aber die Möglichkeit, beim Buchkauf nach unten auszuweichen und auch Bücher für 6 bis 8 Euro zu kaufen.“

 



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