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Buchhandel
Dienstag, 15. April 2008 (10:54 Uhr)


Schmorl & v. Seefeld auf Sanierungskurs

Boulevard vs. Fachbuch

Buchhändler Martin Schmorl (Foto), Ende März 71 Jahre alt geworden, hat sich endgültig aus Hannovers Traditionsbuchhandlung Schmorl & v. Seefeld zurückgezogen. Die 30% Geschäftsanteile, die die Familie zuletzt noch gehalten hatte, sind mit Wirkung zum Jahreswechsel von Hugendubel übernommen worden. Die Geschäftsführung liegt in den Händen der im vergangenen Jahr von Hugendubel Berlin gekommenen Christina Timpe.

Schmorl hatte im August 2005 für das 1850 gegründete Familienunternehmen Insolvenz anmelden müssen, nachdem er mit einer Filialisierung nach Göttingen gescheitert war und zudem im Haupthaus bei anhaltend hohen Miet- und Personalkosten erhebliche Umsatzeinbußen verkraften musste in Folge der Neueröffnung einer Weiland-Großfläche in der Nachbarschaft. Für die Rettung sorgte der Filialist Hugendubel, der im Herbst 2005 die Mehrheit übernahm und Hannovers Marktführer 2006 in den neu gegründeten DBH-Verbund einbrachte. Die jetzt vollzogene Komplettübernahme war absehbar, weil innerhalb der Schmorl-Familien kein Nachfolger bereitstand.

Die Buchhandlung, die auf 2500 qm ca. 18 Mio Euro umsetzt, hat aufgrund von Altlasten und 450.000-Euro-Modernisierungsinvestitionen auch unter der Hugendubel-Ägide weitere hohe Verluste eingefahren, 2008/09 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

Im Herbst verändert sich das Marktgefüge

Neben der Sanierung, Neuorganisation und Bündelungseffekten im Einkauf hat sich aus Sicht von Schmorl & v. Seefeld auch die örtliche Marktsituation leicht gebessert. Die 3600-qm-Weiland-Filiale wurde mittlerweile von der Lehmanns-Kette übernommen, die einen stärkeren Akzent aufs Fachbuch setzt, während sich Schmorl stärker als Boulevard-Buchhandlung positioniert.

Noch einmal verändert wird das Marktgefüge im Herbst, wenn Schmorl nur 200 m entfernt eine 2000-qm-Filiale im neuen ECE-Center Ernst-August-Galerie am Hauptbahnhof eröffnet. Mit der Anmietung wurde zwar der Thalia-Zuzug verhindert, die Möglichkeiten der Markterweiterung scheinen andererseits begrenzt.

Lehmanns-Filialleiterin Sabine Kuckuck glaubt, dass sich die beiden Schmorl-Standorte Boulevardumsätze abjagen, während der eigene Aufbau im Firmenkunden- und Studentenmarkt gut vorankomme. Das von Lehmanns-Chef Manfred Hahn vergangenes Jahr im buchreport-Interview offensiv formulierte Ziel, gegen die alteingesessene Marke Schmorl plus DBH-Verbund die Nummer 1 in Hannover werden zu wollen, gelte jedenfalls unverändert.



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