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Donnerstag, 06. März 2014 (10:51 Uhr)


Sibylle Lewitscharoff: Hassrede gegen künstliche Befruchtung

„Abartig gezeugte Halbmenschen“

Ein „Onanieverbot“ erscheint ihr „weise“, künstliche Befruchtung sei „widerwärtig“ und zeuge „zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas“. – Es ist schon grotesk, was für eine Weltsicht die mit Literaturpreisen überschüttete Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff öffentlich zur Schau gestellt hat.

Zwar hatte Lewitscharoff in ihrer Rede im Dredner Schauspielhaus (hier anzuhören) bereits angekündigt, dass es „ernst“ werde – doch damit hatte dann aber doch niemand gerechnet: Das „gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse“ erscheine ihr „derart widerwärtig, dass ich sogar geneigt bin, Kinder, die auf solch abartigen Wegen entstanden sind, als Halbwesen anzusehen“, erklärt sie vor versammelten Publikum. 

„Grotesk“ werde es spätestens in solchen Fällen, in denen sich lesbische Paare ein Kind besorgen, indem entweder ebenfalls ein anonymer Spender oder ein naher Verwandter der Freundin der künftigen Mutter herangezogen wird, um sein Sperma abzuliefern.“

Und die Schriftstellerin setzte noch eins drauf: „Mit Verlaub, angesichts dieser Entwicklungen kommen mir die Kopulationsheime, welche die Nationalsozialisten einst eingerichtet haben, um blonde Frauen mit dem Samen von blonden blauäugigen SS-Männern zu versorgen, fast wie harmlose Übungsspiele vor.“ Diese Worte versuchte Lewitscharoff abzuschwächen („ich übertreibe, das ist klar, ich übertreibe“).

„Menschenverachtend? Gefährlich. Ungeheuerlich“

Zwar ist die mit dem Georg Büchner Preis ausgezeichnete Schriftstellerin in der Sprache zuhause, doch „ernst“ war eigentlich nicht das richtige Wort zur Einleitung, antwortet der Chefdramaturg des Dresdner Schauspielhauses, Robert Koall, in einem offenen Brief auf die Rede der Schriftstellerin – und fragt sich: „Welcher Ausdruck wäre besser? Menschenverachtend? Gefährlich?“ Es sei schon erschreckend, dass eine der meistbeachteten deutschen Schriftstellerinnen öffentlich ein Menschenbild pflege, das „Verklemmung mit Verachtung paart“. 

„Es gibt einen Punkt, der die Dresdner Rede vom 2. März gefährlich macht“, betont Koall: „Das ist das Tendenziöse, die Stimmungsmache, das tropfenweise verabreichte Gift. Ihre Worte sind nicht harmlos, Frau Lewitscharoff. Aus falschen Worten wird falsches Denken. Und dem folgen Taten. Deshalb sind es gefährliche Worte.“

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier bezeichnet nicht nur die Rede als „ungeheuerlich“, sondern insbesondere die ausbleibende Empörung: „Es gab keinen Aufschrei, keine bestürzten Reaktionen im Literaturbetrieb, der Sibylle Lewitscharoff seit Jahren mit Preis um Preis auszeichnet, keine aufgeregten Debatten in den Feuilletons, die sie im vergangenen Jahr feierten, als sie auch noch die bedeutendste literarische Auszeichnung des Landes erhielt, den Georg-Büchner-Preis.“ 

Doch allmählich tritt eben diese Empörung langsam zutage: Als eine „schreckliche Tirade“ kritisiert die „taz“ die Rede Lewitscharoffs. „Es müssen der Schriftstellerin alle Sicherungen durchgebrannt sein, als sie am Sonntag in ihrer Dresdner Rede im dortigen Schauspielhaus über Geburt und Tod vom Leder zog.“ Die Lust auf ihr nächstes Buch sei einem damit vergangen. 



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