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Bibliotheken
Mittwoch, 30. November 2011 (10:42 Uhr)


Karin Gerhardt von DiViBib über Potenziale der E-Book-Ausleihe

„Wir sind bis März ausgelastet“

In den USA hat sich von Seiten der Verlage ein Proteststurm gegen das neue Ausleihmodell von Amazon formiert (hier mehr). Inzwischen sind auch die Bibliotheken betroffenen, aus deren Katalogen der Penguin Verlag sämtliche seiner aktuellen E-Book-Titel zurückgezogen hat.

Hierzulande beackert die EKZ-Bibliotheksservice GmbH über ihre Tochtergesellschaft DiViBib den E-Book-Verleih. Im Rahmen des „Onleihe“-Services können Nutzer von mehr als 320 Bibliotheken in Deutschland, Österreich und in der Schweiz im Internet digitale Medien wie E-Books und Hörbücher für einen begrenzten Zeitraum herunterladen.

Konkurrenzdruck aus Seattle oder Skepsis bei den deutschen Verlage hat Vertriebs-und Marketingleiterin Karin Gerhardt (Foto) bisher nicht beobachtet. Im Gegenteil, das Angebot wachse ebenso kontinuierlich wie die Nachfrage bei den Lesern, erklärt sie im Interview mit buchreport.de.

Wie entwickelt sich das Onleihe-Geschäft?
Das Onleihe-Geschäft hat sich, seit es 2007 mit den ersten Bibliotheken an den Start gegangen ist, in jedem Jahr kontinuierlich nach oben entwickelt und erfreut sich großer Beliebtheit. Zur Zeit sind 321 Bibliotheken in unterschiedlichen Größenordnungen angeschlossen. Wir haben mit rund 170 Verlagen Verträge geschlossen und rund 18.000 E-Books im Programm – darunter Titel von Random House, Hanser, Campus, Langenscheidt oder Pearson. Und wir gehen von weiterem Wachstum aus.

Verändert sich die Resonanz bei den Bibliothekskunden?
Die Nachfrage nach E-Books ist extrem und wächst zusehend. Insbesondere die Epubs erfreuen sich einer großen Nachfrage – nicht zuletzt dank unserer Apps für iPhone, iPad und Android-Geräte, die von allen Nutzern verwendet wird.

Bei einigen Verlagen hört man, es gebe keinen Konsens bezüglich eines einheitlichen Geschäftsmodells. Wie reagieren Sie auf die Skepsis?
Die Skepsis erschließt sich mir nicht. Natürlich kommt in Vertragsverhandlungen auch das Thema Kopierschutz häufig zur Sprache, aber ich kann nicht bestätigen. dass es extrem unterschiedliche Meinungsbilder bei den Verlagen gibt.

Haben die Verlage Angst vor einer Kannibalisierung des Verkaufs?
Natürlich bestehen im digitalen Markt immer Ängste bei den Verlagen, dass die Lizenzen mehrfach genutzt werden. Dies beschränken wir, indem wir Verbundgrößen oder Vormerkungen entsprechend nachhalten. Es gibt in der Verwertung keine mir bekannten Kritiken, die darauf schließen lassen, dass die Mehrfachnutzung extrem wäre. Das ist für uns kein Thema mehr.

In den USA baut Amazon den Verleih von E-Books aus. Wird Amazon zur Konkurrenz für sie?
Beim Verleihmodell von Amazon in den USA muss man differenzieren: Einerseits gibt es einen Pool von rund 5000 E-Books, die im Rahmen einer Jahresgebühr für „Amazon Prime“-Kunden zur Ausleihe angeboten werden. Hier ist es nach meinem Kenntnisstand Amazon bisher nicht gelungen, die großen Verlage von diesem Modell zu überzeugen – die angebotenen Inhalte sind entsprechend begrenzt. Darüber hinaus leiht Amazon Lehrbücher als E-Books aus. Hier sind die Preise für eine Ausleihe recht hoch und sprechen insofern eher gut situierte Zielgruppen als das breit gefächerte Publikum öffentlicher Bibliotheken an. Für ein deutsches Angebot muss Amazon zudem entsprechende Ausleihlizenzen von den Verlagen erwerben. Solche Aktivitäten sind mir derzeit nicht bekannt, aber wir beobachten den Markt sehr genau.  

Sie sammeln spätestens seit der Übernahme von soforthoeren Erfahrungen im Endkundengeschäft. Sind Sie bisher zufrieden?
Ja. Die Resonanz ist noch verhalten, wir stehen noch am Anfang. Die Entwicklungen weisen aber darauf hin, dass wir ein gutes Fundament geschaffen haben und dass es im kleinen Rahmen nach vorne geht. Konkrete Zahlen können wir noch nicht nennen.

Welche Projekte gibt es bei der Onleihe 2012?
Mit unseren Planungen sind wir bis einschließlich März ausgelastet. Das ist schon erstaunlich in einem Markt, der immer um finanzielle Mittel zu kämpfen hat. Wir werden beobachten, wie sich die Apps entwickeln, aber auch Anpassungen innerhalb unserer eigenen Programme vornehmen, da diese im digitalen Markt, der sich kontinuierlich weiterentwickelt, der stetigen Verbesserung erfordern. Wir werden alles dafür tun, unsere Plattform so aufzusetzen, dass sie für unsere Kunden schnell, tragfähig und zukunftssicher ist.

Die Fragen stellte Lucy Kivelip.



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