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Bücher & Autoren
Montag, 03. Mai 2010 (14:29 Uhr)


Über das digitale Veröffentlichen auf eigene Faust

Braucht man noch Verlage, Herr Albers?

Markus Albers veröffentlichte bei Campus einen Bestseller. Sein neues Buch „Meconomy“ hat er als E-Book und BoD selber herausgebracht. Im Interview zieht der Autor eine erste Bilanz.


Wollen Sie mit Verlagen nichts mehr zu tun haben?

Ich veröffentliche gern wieder bei einem Verlag, denn der Hebel, den dieser bietet, ist für einen Massenerfolg nach wie vor unersetzlich, allein, um in den Buchhandlungen präsent zu sein. Und der Verlag könnte von meinen Erfahrungen im elektronischen Publizieren profitieren. Neu ist: Ich habe als Autor die Freiheit, mich bei jedem Text für einen Vertriebskanal zu entscheiden. Es ist kinderleicht geworden, ein E-Book in allen Formaten selbst anzubieten. Print on Demand hat gute Druckqualität, annehmbare Herstellungskosten und man landet im VlB –; „Meconomy“ gibt es auch bei Amazon und auf Bestellung im Buchhandel. Verlage müssen ihren darüber hinausgehenden Mehrwert neu definieren.

Sind Sie mit dem wirtschaftlichen Ergebnis zufrieden?

Sehr, es war ja ein Experiment. Hätte ich nur 20 Bücher verkauft, wäre ich gescheitert. Ab etwa 300 habe ich den Break-even erreicht, seitdem ist alles Gewinn. Nach gut zwei Monaten bin ich bei etwa 1000 Exemplaren, das finde ich respektabel. Die Presse berichtet viel und positiv, auf Twitter und in Blogs ist „Meconomy“ ein Riesenthema, die Nachfrage bleibt stabil. Und die Wertschöpfungskette ist noch nicht ausgereizt: Als nächstes kommt das Hörbuch, dann die Extended-iPad-Version. Pro Buch gehören 40 bis knapp 100% des Verkaufspreises mir. Dazu kommen Lizenzeinnahmen – zum Beispiel dafür, dass Sony „Meconomy“ auf seinen E-Readern vorinstalliert – sowie Honorare für Artikel und Vorträge zum Thema. Wie Chris Anderson sagt: Bücher zu schreiben dient nicht zuletzt dem Selbstmarketing, das richtige Geld verdient man oft woanders.

Wem würden Sie Ihr Modell empfehlen?

Sie merken, dass ich meine Arbeitszeit nicht erwähnt habe: Ein Buch zu schreiben dauert aber mindestens ein halbes Jahr. Es lohnt dann, wenn man für ein Thema brennt, sowieso dazu recherchieren und publizieren möchte. Dann ist das Buch automatisches Nebenprodukt einer größeren Leidenschaft. Meinen Lebensunterhalt würde ich damit allein nicht bestreiten wollen.

Zur Person: Markus Albers

1969 in Rheine geboren, arbeitete als freier Autor und Redakteur u.a. für „Spiegel“, „Stern“, „Welt am Sonntag“, „Brand eins“ und „Vanity Fair“. 2008 erschien sein Buch „Morgen komme ich später rein“ bei Campus und kletterte bis auf Platz 13 der „manager magazin“-Wirtschaftsbestsellerliste. Da der Verlag die Veröffentlichung seines neuen Buches „Meconomy“ verschieben wollte, brachte Albers es auf eigene Faust als Paid Content heraus und verkauft es u.a. als PDF via Internet sowie als iPhone-App. Auf dem neuen Sony-Reader ist „Meconomy“ vorinstalliert. Im Buchhandel ist es als PoD-Titel bei www.epubli.de erhältlich.  
 

Die Fragen stellte David Wengenroth

Weitere Interviews im neuen buchreport.magazin 5/2010. Hier mehr zum Inhalt



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