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Bücher & Autoren
Sonntag, 21. August 2011 (16:56 Uhr)


Zahlreiche Neuerscheinungen begleiten den Gastlandauftritt

Sagen und Krimis aus dem Reich der Geysire

Literatur und Lesen nehmen in Island einen besonderen Stellenwert ein: 2,5 Mio Bücher werden in dem kleinen Inselstaat pro Jahr verkauft, was bei 318000 Einwohnern einen weltweiten Rekordwert im „Pro-Kopf-Verbrauch“ von acht Exemplaren ergibt. Auch die Autorendichte ist höher als in anderen Ländern. Buchhandlungen haben in der Hauptstadt Reykjavík länger geöffnet als die meisten anderen Geschäfte.

Die Bindung an die eigene Geschichte und die eigenen Traditionen ist groß, denn anders als viele andere Nationen können die Isländer die ersten Schriften ihres Landes – darunter die Isländersagas, die Einblicke in die Landnahmezeit geben – noch im Original lesen, weil die Sprache sich seit dem Mittelalter kaum verändert hat.

Diese Begeisterung soll nun auch auf das internationale Publikum übergreifen, das alljährlich auf die Frankfurter Buchmesse pilgert: Island ist in diesem Jahr das Gastland, das sich mit fast 200 Titeln präsentieren wird; mehr als die Hälfte davon sind belletristische Beiträge. Von der „Fülle der Neuerscheinungen“ zeigt sich selbst Messe-Direktor Juergen Boos überrascht und folgert: „Offensichtlich teilt das deutsche Publikum diese Lust nach guten Geschichten.“

Manch einer jedoch schätzt die Titelflut, die so gar nicht im Verhältnis zur internationalen Gewichtigkeit der isländischen Literaturproduktion zu passen scheint, auch kritisch ein. So stichelt Konstantin Richter in der „Welt am Sonntag“ unter der Überschrift „Wann platzt die Island-Blase?“: „Schade also, dass sich die deutschen Verleger nicht dazu durchringen konnten, dem Wettpublizieren ein Ende zu machen und besagte Bücher auf einen einzigen Roman zusammenzukürzen. Auf dem Cover hätte man einen Fisch oder schlechtes Wetter abbilden müssen, für die Handlung hätte sich ein Potpourri aus typischen Islandromanen empfohlen.“

Ansonsten ist der Tenor im deutschsprachigen Feuilleton aber deutlich positiv gestimmt, fleißig werden isländische Romane, Kinder- und Sachbücher rezensiert. Für die Verlage, die mit entsprechenden Novitäten auf der Buchmesse reüssieren, geht damit die Rechnung auf, ein Plus an Aufmerksamkeit zu ergattern.

Kristján B. Jónasson, Präsident des isländischen Verlegerverbands, sieht den Auftritt in Frankfurt als folgerichtige Entwicklung, denn seit den 90er-Jahren werden isländische Stoffe im Ausland verstärkt nachgefragt (hier ein ausführliches Interview mit ihm). Spitzenreiter bei den Lizenzen – nicht nur in diesem Jahr – ist Deutschland.

Einen Bestsellerautor mit einer Gesamtauflage von 3,5 Mio Exemplaren hat beispielsweise Bastei Lübbe im Programm: Arnaldur Indridason zählt zur Phalanx erfolgreicher skandinavischer Krimiautoren, mit „Myrin“ („Nordermoor“, 2003) – dem dritten Roman seiner Serie um Kommissar Erlendur Sveinsson – begründete er seinen internationalen Durchbruch. Der Kölner Verlag wartet zur Buchmesse mit Taschenbuch(neu)ausgaben, Hörbüchern sowie einer Novität („Abgründe“) auf, Indridason wird – neben vielen anderen isländischen Autoren – außerdem mit einer Lesereise in Deutschland unterwegs sein.

Jedem Verlag sein Island-Autor

Auch andere deutsche Verlage pflegen ihre isländischen Hausautoren:

  • Bei S. Fischer erscheinen seit 2002 die Bücher von Kristín Marja Baldursdóttir (Gesamtauflage über 200.000 Ex.), die im September als Taschenbuch neu herausgegeben werden. Zugpferd ist die Hardcover-Novität „Sterneneis“. Ebenfalls schon länger im Programm: Die Krimiautorin Yrsa  Sigurdardóttir, von der drei  Taschenbücher („Geisterfjord“, „Feuernacht“, „Das gefrorene Licht“) und ein Kinderbuch („Die IQ-Kids und die geklaute Intelligenz“) in die Regale kommen.
  • Vom isländischen Bürgerkrieg im 13. Jahrhundert erzählt Einar Kárason im Roman „Versöhnung und Groll“. Bei btb ist seit Mai außerdem Kárasons Trilogie über das Island der Nachkriegszeit als Neuausgabe im Taschenbuch lieferbar.
  • Um den 1998 verstorbenen isländischen Nobelpreisträger für Literatur Halldór Laxness macht sich Steidl verdient: Erstmals in deutscher Sprache erscheint im September der Essayband „Das Volksbuch“, des Weiteren gibt es im Oktober eine Neuauflage der Laxness-Biografie von Halldór Gudmundsson sowie eine kleinformatige Werkausgabe (13 Bände, ET: Oktober) und ein Hörbuch.
  • Klett-Cotta schickt den mit mehr als 50000 verkauften deutschsprachigen Ausgaben erfolgreichen Hallgrímur Helgason mit einer Neuauflage („Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein“) und beim Imprint Tropen mit der Neuerscheinung „Eine Frau bei 1000°“ ins Rennen.
  • dtv hat die Taschenbuch-Ausgabe des Erfolgsromans „101 Reykjavik“  (erstmals auf Dt. 2002) sowie des 2010 bei Tropen erschienenen Titels „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen“ im Programm.

Unterstützung kleiner Verlage

Von der Übersetzungsförderung aus Mitteln des isländischen Literaturfonds und des Organisationskomitees „Sagenhaftes Island“ haben besonders kleine Verlage profitiert, die sich seit Jahren um die Verbreitung der skandinavischen Literatur in Deutschland bemühen.

So hatte der Münsteraner Kleinheinrich Verlag 1987 die Reihe „Isländische Literatur der Moderne“ aus der Taufe gehoben, die vom Kölner Skandinavistik-Professor Gert Kreutzer herausgegeben wird. Dank Förderung kann Verleger Josef Kleinheinrich in diesem Jahr gleich drei Titel – allesamt Gedichtbände – in der Reihe veröffentlichen: Steinunn SigurdardóttirSternenstaub auf den Fingerkuppen“, Linda Vilhjálmsdóttir Alle schönen Worte / Frostschmetterlinge“ und Gyrdir Elíasson Einige allgemeine Worte über die Erkaltung der Sonne“. Der diesjährige Träger des Literaturpreises des Nordischen Rates, Gyrdir Elíasson, ist mit zwei Romanen beim kleinen Züricher Verlag Walde + Graf präsent, die auf Deutsch „Ein Eichhörnchen auf Wanderschaft“ und „Am Sandfluss“ heißen.

Renommierprojekt der Übersetzungsförderung ist allerdings die Neuübertragung der mittelalterlichen Isländersagas in fünf Bänden bei S. Fischer. Auf der Buchmesse wird es ansonsten auch Reiseführer, opulente Bildbände, viele Anthologien und sogar ein Kochbuch zu bestaunen geben.

Aus: buchreport.magazin 8/2011


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