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Bücher & Autoren
Montag, 14. Mai 2012 (10:31 Uhr)


Anonymous veröffentlicht Daten von Urhebern

„Fuck your copyright“

Der Streit ums Urheberrecht eskaliert. Die Web-Guerilla-Aktivisten von Anonymous haben massenhaft Daten von Unterzeichnern der Kampagne „wir-sind-die-urheber.de“ (hier mehr zur Aktion) veröffentlicht, darunter Telefonnummern und Adressen von prominenten Autoren wie Charlotte Roche, Sven Regener, Charlotte Link und Frank Goosen. Zuvor hatte Anonymous bereits die Vereinigung von Krimiautoren „Das Syndikat“ attackiert.

Die Links zu den geschützten Daten der Autoren und sonstiger Vertreter des Kulturbetriebs (u.a. Rammstein-Sänger Till Lindemann) sind auf der Facebook-Seite von Anonymous gepostet worden. Die Initiatoren der Unterschriftenaktion haben auf ihrer Seite den Angriff bestätigt: „ Wir werden bedroht! Kriminelle, die das Urheberrecht bekämpfen, kündigen an, von jedem der Unterzeichner die Postanschrift (oder denic-Adresse) zu hacken und ins Netz zu stellen, wenn wir unsere Unterschriftenliste nicht schließen. Bitte sehen Sie von einer Unterschrift ab, wenn Ihnen darum bang ist. Natürlich geben wir keinerlei Adressen weiter.“ Der Initiator, der Berliner Literaturagent Matthias Landwehr, erklärte in der „FAZ“: „Es geht hier um Bloßstellung und Bedrohung, wie man sie aus totalitären Staaten kennt“..

„Spätestens nach dieser Aktion muss Facebook handeln, wenn sie sich nicht selbst haftbar machen wollen“, schreibt der Rechtsanwalt Arno Lampmann in einem Blogpost zum „schwerwiegenden Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht aller Beteiligten“.

 

Update: Mehrere deutsche Buchverleger haben die Aktion von Anonymus kritisiert. Dies sei „der vorläufige Höhepunkt von beispiellosen kunstfeindlichen Beleidigungen und Beschimpfungen aus der Deckung des Internets“. Man werde die betroffenen Künstler mit allen, auch juristischen Mitteln gegen diese Nötigung und gegen die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte verteidigen. „Die Einschüchterung der Unterzeichner durch die drohende illegale Veröffentlichung ihrer geschützten privaten Daten richtet sich nicht nur gegen das Grundrecht der freien Meinungsäußerung. Sie will Künstler mundtot machen und für vogelfrei erklären.“ Unterzeichnet haben die Mitteilung Nicola Bartels (Blanvalet), Günter Berg (Hoffmann und Campe), Jörg Bong (Fischer Verlage), Siv Bublitz (Ullstein Buchverlage), Klaus Eck (Verlagsgruppe Random House), Alexander Fest (Rowohlt), Ulrich Genzler (Heyne, Blessing Verlag), Marcel Hartges (Piper), Wolfgang Hörner (Galiani Berlin), Michael Krüger (Hanser), Jo Ländle (Dumont), Helge Malchow (Kiepenheuer & Witsch, Rainer Osnowski (KiWi-Köln), Birgit Schmitz (Berlin-Verlag), Thomas Sparr (Suhrkamp), Hans-Peter Übles (Droemer Knaur), Georg Reuchlein (Goldmann, btb, Luchterhand).

Der SPIEGEL berichtet in der aktuellen Ausgabe (14. Mai 2012) von einem weiteren Angriff von Anonymous. Im Visier stehen die Initiatoren einer weiteren Kampagne für den Erhalt des Urheberrechts: Im Vorfeld der jüngsten Aktion von Landwehr hatte die Autorengruppe „Das Syndikat“ dazu aufgerufen, sich für den weltweiten Schutz des Urheberrechts einzusetzen. Neben einer Erklärung hat die Gruppe auch drei Anzeigenmotive entworfen, bei denen ein Anonymous-Vertreter Leichen (von Autoren) fleddert (s. Fotos unten, buchreport.de berichtete).

Ende April habe Anonymous mit so genannten Mailbomben die Computer aller an der Kampagne Beteiligten in die Knie gezwungen. 100.000 Mails seien allein bei der Autorin Nina George innerhalb einer Stunde eingegangen. Der Text der Nachricht: „Don’t Fuck With Anonymous“. Auch in diese Fall seien private Daten der Autoren auf pastebin.com veröffentlicht worden, die sich an der „Ja zum Urheberrecht“-Kampagne beteiligt hatten. Dies sei das erste Mal gewesen, dass Anonymous Privatpersonen angegriffen habe. Bisher seien es immer Firmen und Organisationen gewesen, die attackiert worden seien, berichtet der SPIEGEL.



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