Interview mit dem Autor Markus Albers über „Meconomy“
„Jede Raubkopie ist Werbung für mein Buch“
Markus Albers ist aus der Not heraus zum Solisten geworden: Da sein Verlag die Veröffentlichung seines neuen Buches „Meconomy“ verschieben wollte, brachte der Journalist es im Frühjahr auf eigene Faust als digitales und Book on Demand heraus. Ein halbes Jahr später liegt auch ein Hörbuch vor (mehr bei audible.de und soforthoeren.de) – und der Journalist zieht im Gespräch mi buchreport.de eine positive Bilanz zum Projekt.
Nachdem Sie Ihr Buch in Eigenregie herausgebracht haben, lassen Sie jetzt das Hörbuch folgen. Angesichts des Aufwandes das größere Wagnis?
Sollte man meinen, aber das Gegenteil war der Fall. So wie ich bei E-Book, App und Print on Demand mit textunes, Sony und epubli starke Partner hatte, die mit ins Risiko gegangen sind, habe ich auch das Hörbuch nicht alleine gemacht, im Gegenteil. Gleich nach Erscheinen der Print-Ausgabe kontaktierten mich die beiden Profi-Sprecher René Wagner und Martin Falk und schlugen vor, das Hörbuch in Eigenregie zu produzieren. Ich habe nur das Manuskript leicht gekürzt und noch die Musik beigesteuert – den Rest haben die beiden erledigt, und nicht nur ich bin begeistert vom Ergebnis. Dafür teilen wir uns die Einnahmen. Ein ebenso simples und pragmatisches wie effizientes Businessmodell, das moderne Technologie und Vertriebsformen nutzt – also Meconomy in Reinkultur.
Können Interessenten Ihr Hörbuch auch auf CD oder MC beziehen? Wie organisieren Sie das?
Diesen Vertriebsweg schließen wir zwar nicht aus, aber er steht nicht an erster Stelle. Physische Tonträger zu produzieren ist teuer, aufwendig und im Gegensatz zum Download im Grunde nicht sehr modern. Allerdings käme man damit in die Buchhandlungen, das wäre wieder interessant. Sollte sich ein also Hörbuchverlag finden, der das mit uns versuchen möchte, kann er sich gern bei mir melden.
Wie läuft der Verkauf der gedruckten und digitalen Ausgabe?
Hervorragend. Ich habe immer gesagt: Bei 20 verkauften Exemplaren bin ich gescheitert, bei 200 liegt der Break-Even, bei 500 freue ich mich, und bei 1000 gibt's Champagner. Inzwischen sind es seit Januar knapp 2000 verkaufte Exemplare und es geht fröhlich weiter. Die Flasche ist also schon geköpft. Dazu kann man die vielen Exemplare rechnen, die zusammen mit Sony E-Book-Reader verkauft werden, auf denen Meconomy ja vorinstalliert ist. Und man muss bedenken, dass es auf mein PDF und EPUB keinerlei DRM oder Kopierschutz gibt, dagegen habe ich mich aus Prinzip entschieden. Jeder Käufer kann also das E-Book theoretisch an hunderte Freunde weitermailen und praktisch tun das sicher auch viele. Es gibt also wahrscheinlich dramatisch mehr Leser als Käufer. Ich bin trotzdem mehr als zufrieden – die Einnahmen stimmen und auch jede "Raubkopie" ist ja im Grunde Werbung für das Buch und für mich.
Da Sie nun schon Ihr eigener Verleger sind: Lust bekommen, auch die Bücher anderer Autoren zu verlegen?
Hatte ich kurz überlegt, wäre aber im Grunde unlogisch. Die moderne Technik ermöglicht ja gerade jedem Autor, des das möchte, sich selbst zu verlegen. Die brauchen mich also gar nicht. Und wer sich um Dinge wie Vertrieb, Presse und Marketing gar nicht kümmern mag, ist bei einem klassischen Verlag nach wie vor am besten aufgehoben. Außerdem ist jeder der beste – und leidenschaftlichste – Verkäufer seines eigenen Werkes. So, wie ich mich für meine Bücher einsetze, könnte und wollte ich für ganz andere Werke gar nicht stehen. Ich brenne, wie wohl jeder Autor, für meine Themen, und diese zahlen ja auch auf meine eigene Marke ein, zum Beispiel als Redner und Experte. Nur vom Bücherschreiben lässt es sich ja in der Regel nicht leben – egal, ob man bei einem klassischen Verlag ist oder nicht.
Die Fragen stellte David Wengenroth
Foto: Martin Mai








