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Buchmesse
Mittwoch, 04. April 2012 (08:55 Uhr)


Riky Stock über die Präsenz deutscher Bücher in den USA

„Wir machen so viel Lärm wie nur möglich“

Übersetzungen spielen im US-Buchmarkt kaum eine Rolle. In New York trommelt Riky Stock (Foto) vom German Book Office seit zehn Jahren für Deutschland. Wie sie deutsche Literatur ins Gespräch bringt, erläutert sie im Interview mit buchreport

Zu Ihren Aufgaben gehört es seit 2002, in New York für Bücher „Made in Germany“ Werbung zu machen. Wie klein sind die Fortschritte?

Klein ist in der Tat das richtige Wort, wir bewegen uns langsam voran. Die USA sind ein schwieriger Markt für Übersetzungen, nicht nur für Bücher aus Deutschland. Es gibt keine verbindlichen Statistiken, aber die berühmte 3%-Faustregel, also der Anteil der Übersetzungen an den Neuerscheinungen pro Jahr, trifft es schon recht gut.

Manchmal treibt das aber auch Blüten. Die Märchen der Brüder Grimm kennt hier jeder, nur weiß kaum einer, dass sie deutschen Ursprungs sind. Cornelia Funke ist ein weiteres Beispiel. Sie lebt in Los Angeles, also muss sie Amerikanerin sein.

Gehen Sie abends oft frustriert nach Hause?

Selten, denn natürlich sind wir in den letzten Jahren ein Stück weitergekommen, obwohl wir nur ein kleines Büro sind. Unsere Aufgabe ist es zudem nicht, den Leser direkt zu erreichen, sondern die Schaltstellen, also Lektoren, Kritiker, Scouts. Dafür haben wir uns starke Partner gesucht und machen so viel Lärm wie nur möglich.

Alle deutschsprachigen Kulturorganisationen in New York machen mit, egal ob Deutsches Generalkonsulat, Goethe-Institut, Deutsches Haus at Columbia University bzw. New York University oder Austrian Cultural Forum. Unser „Festival Neue Literatur“, das kürzlich zum dritten Mal stattgefunden hat, wurde erstmals von der New Yorker Veranstaltungsbibel „Time Out“ berücksichtigt; darauf sind wir schon sehr stolz.

Warum sind die US-Verlage so übersetzungsfaul?

Zum einen gibt es kaum Lektoren, die Deutsch sprechen, was die Sache nicht leichter macht. Zum anderen stehen die amerikanischen Lektoren unter weit mehr Erfolgsdruck als ihre deutschen Kollegen.

Gibt es Hoffnungsschimmer?

Immer. Gefühlt ist das Interesse vor allem der Universitätsverlage an Büchern aus Deutschland gewachsen. Lektoren sehen sich häufiger um und fragen auch bei uns nach, was es im Sachbuch so gibt. Das heißt nicht zwangsläufig, dass sie auch Rechte kaufen, aber ein Anfang ist gemacht. Gleiches gilt für gehobene Literatur und auch für Kinderbücher.  

Wie bringen Sie deutsche Literatur ins Gespräch?

Durch das Festival und durch Mundpropaganda. Und dann bespielen wir natürlich die ganze Bandbreite an Social Media im Internet, ohne die hier gar nichts mehr läuft. Unsere Homepage ist nicht mehr das wichtigste Medium, sondern Facebook. Filme von unseren Veranstaltungen stellen wir bei YouTube ein.  

Die Fragen stellte Anja Sieg 

Riky Stock  
leitet seit 2002 das German Book Office (GBO) in New York, ein Tochterunternehmen der Frankfurter Buchmesse. Die gebürtige Husumerin  lebt seit 1999 in den USA und kennt die Tücken des Lizenzgeschäfts aus erster Hand. Sie war Scout für Mary Anne Thompson Associates und anschließend zwei Jahre  Senior Rights Associate in der Lizenzabteilung von HarperCollins.

Aus: magazin 4/2012 (hier zu bestellen)



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