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Ausland
Dienstag, 15. Dezember 2009 (14:12 Uhr)


Headline-Umbau sorgt für Unruhe

Promis auf dem Abstellgleis

Im britischen Buchmarkt klingeln die Alarmglocken, denn dem Lieblingsgenre der Publikumsverlage droht Ungemach: Memoiren aus prominenter Künstler- und Sportlerfeder, die seit 2007 die Bestsellerlisten fast im Alleingang dominiert hatten und auch in diesem Bücherherbst wieder zu Dutzenden auf das Lesevolk losgelassen worden sind, liegen jetzt wie Blei in den Regalen. Und ausgerechnet der Marktführer, der maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt war, zieht angesichts der Kaufzurückhaltung der Verbraucher die Notbremse.

Tim Hely-Hutchinson, der CEO von Hachette UK, will die Egotrips von Stars und Sternchen zwischen Buchdeckeln nicht mehr (oder nur in Ausnahmefällen) finanzieren und hat deshalb bei der größten Hachette-Tochter Headline Publishing Group eine drastische Kürzung des Sachbuch-Programms zugunsten des Ausbaus der Unterhaltungsliteratur angekündigt, personelle Konsequenzen eingeschlossen. Insbesondere für „von Ghostwritern verfasste Celebrity- und Sportlermemoiren“ ist ab sofort kein Platz mehr.

Wachwechsel im Management

Nachdem Headlines CEO Kate Wilson bereits im Oktober – damals noch überraschend, vermutlich aber bereits im Vorgriff auf die jetzige Umstrukturierung – nach weniger als einem Jahr das Handtuch geworfen hatte, sind in den letzten Wochen weitere Führungskräfte vorwiegend aus dem Sachbuch­bereich ausgeschieden. Jamie Hodder-Williams, der in der Hachette-Gruppe für Hodder & Stoughton zuständig ist, ist ab sofort auch CEO von Headline.

Dass der Marktführer ausgerechnet im Blitzlichtgewitter des Weihnachtsgeschäfts, das der Branche mit schwächelnden Umsätzen und der Borders-Pleite bereits reichlich Probleme beschert hat, die Reißleine zieht, spricht Bände für die Befindlichkeit des Marktes. Die Verlage halten sich mit Kommentaren zurück, doch der „Bookseller“ spricht von einem „katastrophalen Herbst“ für das Sachbuch, auch wenn die Nachfrage derzeit wieder leicht anzieht.

Zahlen sind schwer zu bekommen, laut Nielsen BookScan lagen die zehn erfolgreichsten Sachbücher im Oktober um 52% hinter dem Vorjahr zurück; dagegen kletterte der Absatz von gebundener Unterhaltungsliteratur um 90%.

Schriftsteller und Printmedien wettern gemeinsam

Hely-Hutchinsons Entscheidung ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die schon seit Monaten lautstark gegen den ausufernden Memoiren-Boom zu Felde ziehen. Immer mehr namhafte Schriftsteller nutzen jede Gelegenheit, öffentlich darüber zu wettern, dass die Verlage bei ihren Vorschüssen knausern, aber für Promi-Bücher immer noch Geld haben. Auch die Printmedien haben das Thema aufgegriffen. Ob „Times“, „Independent“ oder „Daily Telegraph“, viele Journalisten mokieren sich über die Begeisterung der Verlage für „schlechte, nichtssagende Bücher drittklassiger Prominenz“.

Selbst unter britischen Literaturagenten, die den Boom maßgeblich geschürt haben, macht sich zunehmend Celebrity-Müdigkeit breit. Viele namhafte Agenten kommentieren Headlines Rückzug hinter vorgehaltener Hand als längst überfällig und rechnen damit, dass andere Publikumsverlage ihre Programme ebenfalls kritisch überprüfen werden. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits: So hat HarperCollins jüngst den zweiten Teil der Erinnerungen von Komiker Russell Brand ebenso auf unabsehbare Zeit verschoben wie die auf fünf Bände angelegte Lebensgeschichte von Fußballer Wayne Rooney.

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