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Mittwoch, 11. November 2009 (11:11 Uhr)


Innovative Geschäftsmodelle: Greenleaf

Profi-Service für Selbstpublizierer

Die Selbstveröffentlichung, ob als Printversion oder online, hat sich für viele Autoren zu einer attraktiven Option entwickelt. Nicht alle halten allerdings das Angebot von Print-on-De­­mand-Unternehmen wie Xlibris oder Lulu.com für ausreichend. Für diejenigen, die sich eine professionellere Lösung wünschen, bietet die Greenleaf Book Group  einen Mittelweg zwischen einer einfachen Do-it-yourself-Veröffentlichung und der Arbeit mit einem herkömmlichen Verlag.

Das in Austin, Texas, ansässige Unternehmen Greenleaf bietet Kunden, die die Kontrolle über die Rechte an ihren Werken behalten möchten, eine Reihe kostenpflichtiger Verlagsservices an. Gegen ein Honorar von 10000 bis hin zu 250000 US-Dollar übernimmt Greenleaf Lektorat, Design, Druck, Distribution, Marketing und Ver­trieb für das Buch eines Kunden. Im Gegenzug erhält der Autor ein Honorar von 70% auf alle verkauften Exemplare.

„Das alte Modell trägt nicht mehr“, sagt der 34-jährige Firmenchef und CEO Clint Greenleaf (Foto, hier ein Video über das Unternehmen). „Mein Unternehmen ist kein Selbstkostenverlag, sondern eine Art Brutkasten für Publikationen, auf der Suche nach Autoren, die bereit sind, in ihre Bücher zu investieren und ihre Veröffentlichungen eigenverantwortlich voranzutreiben. Die Tatsache, dass ich mit Autoren arbeite, die keinen Vorschuss brauchen, bedeutet für mich, dass ich sie nicht überprüfen muss. Ich weiß, dass sie hart dafür arbeiten werden, dass das Buch ein Erfolg wird.“

Nachdem die Firma 1997 zunächst als Vertriebsunternehmen gegründet wurde, um den eigenen Titel des Gründers über männliche Etikette zu promoten, begann sie im Jahr 2000, Bücher im eigenen Imprint zu verlegen. In den vergangenen Jahren hat sich die Produktion beinahe verdoppelt, von 45 Titeln im Jahr 2006 hin zu 85 im Jahr 2008. Das Unternehmen hat ein eindrucksvolles Wachstum zu verzeichnen: Mit einem Nettoumsatz, der von 4,64 Mio US-Dollar im Jahr 2006 auf 8,12 Mio im Jahr 2008 zulegte, ist es Dauergast auf der Liste der am schnellsten wachsenden Unternehmen „Inc. 500“. „Trotz der Rezession sehe ich immer noch ein Wachstumspotenzial von 10% und würde mich nicht wundern, wenn wir dieses Jahr die 9-Mio-Grenze erreichen“, sagt Greenleaf.

Im Bereich der Serviceleistungen ist das Geschäft laut Greenleaf „nicht weiter ausbaubar“, und es ist letztendlich auch dem Kerngeschäft untergeordnet, Kunden zu finden und Bücher auszuwählen, von denen man sich hohe Verkaufszahlen verspricht. „Wir weisen jedes Jahr Tausende von Leuten ab, weil wir nicht glauben, dass ihre Bücher für uns geeignet sind“, so Greenleaf. „Wir suchen echte Partnerschaften, in denen wir das Risiko für beide Seiten klein halten können.“ Im Schnitt akzeptiert das Unternehmen gerade einmal sechs der 200 Bücher, die monatlich eingereicht werden, wobei Wirtschaftstitel das Basisgeschäft bilden. 2008 wurden rund 60000 Exemplare des Titels „Killing Sacred Cows: Overcoming the Financial Myths That Are Destroying Your Prosperity“ von Garrett B. Gunderson verkauft, unterstützt von zahlreichen Medienauftritten. Ebenfalls erfolgreich waren medizinische Titel, Ratgeber sowie einige Belletristik-Titel.

Das Unternehmen nutzt die üblichen Vertriebskanäle, inklusive Buchhandelsketten und Online-Buchhändler, doch Greenleaf betont, man sei besonders im Bereich „Special Sales“ erfolgreich, d.h., indem man Bücher an Orte bringe, die traditionell keine Bücher verkaufen, wie etwa Flughafen­shops. Die Firma kann auch E-Books produzieren, aber das sei nicht „unsere Stärke“, wie Greenleaf gesteht, der dem digitalen Bereich bis jetzt noch nicht viel Gutes abgewinnen kann.

Er sagt, die Wirtschaftskrise habe seiner Firma die Gelegenheit geboten, eine Reihe talentierter Kräfte an sich zu binden, die New Yorker Verlagshäuser auf die Straße gesetzt hätten, und tatsächlich hat das Unternehmen intensiv rekrutiert und sein 30-köpfiges Team allein im September um vier neue Mitarbeiter verstärkt. „Ich glaube, dass diese Firma ein Geschäftsvolumen von 25 bis 100 Mio Dollar erreichen kann“, sagt Greenleaf. „Mit der Infra­struktur, die ich aufbaue, wäre das leicht zu schaffen.“

Hier eine Übersicht zu den bisher erschienenen Teilen der Serie

 

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