Innovative Geschäftsmodelle: Callis
Lehrreiches für den Spanisch-Markt
Die Frankfurter Buchmesse und buchreport zeigen in einer Serie interessante Geschäftsmodelle der Buchbranchen weltweit. Nach China, Deutschland, Großbritannien und den USA folgt Brasilien: Von São Paulo aus arbeitet sich Callis mit Übersetzungen nach Norden vor.
Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle in der Buchbranche ist auch in Brasilien nicht auf die digitale Welt beschränkt. Der Verlag Callis Editora kann als Beispiel dafür gelten, dass auch auf anderer Ebene innovative Wege beschritten werden. Das Verlagsprogramm von Callis umfasst nahezu ausschließlich Kinder- und Lernbücher vom Kleinkindalter bis bis hin zu der Altersgruppe der Zwölfjährigen.
Vor sechs Jahren beschloss seine Inhaberin Miriam Gabbai, ein Unternehmen in Mexiko zu gründen, nachdem die mexikanische Regierung einige ihrer vom Portugiesieschen ins Spanische übersetzten Titel als Schulbücher zugelassen hatte.
„Als wir die Verträge vorbereiteten, um den Verkauf an die Regierung abzuschließen, informierten sie uns, dass sie nur Bücher von mexikanischen Verlagen erwerben könnten“, erläutert Miriam Gabbai, die Mexiko als vielversprechendes Geschäftsfeld betrachtete und daher beschloss, dort Geld zu investieren. Sie gründete Callis Niños, um ihre Titel an mexikanische Buchhandlungen und Regierungsprogramme verkaufen zu können.
Zu diesem Zeitpunkt wurden die spanischsprachigen Bücher in Brasilien produziert und nach Mexiko geschickt. Wenige Monate, nachdem Miriam Gabbai das Unternehmen gegründet hatte, bekam sie einen Anruf von dem spanischen Verlagshaus Kalandraka, wo man genau wie sie den mexikanischen Buchmarkt erschließen wollte. Man einigte sich auf ein 50:50-Joint Venture, um einen neuen mexikanischen Kinderbuchverlag zu gründen: Libros para Soñar. „Es ist nur ein kleiner Verlag, der sich aber als sehr effizient und profitabel erwiesen hat“, berichtet Gabbai.
Inzwischen werden die Callis-Titel in Mexiko von Romeu Tello, einem renommierten Übersetzer, ins Spanische übertragen. Und der jüngste Titel, den Libros para Soñar in Mexiko herausgebracht hat, wurde in Brasilien geschrieben, in Mexiko übersetzt, in China gedruckt und von dort aus nach Mexiko, Brasilien und in einige regionale spanischgeprägte Staaten der USA ausgeliefert. Außerdem hat Libros para Soñar schon einige Verkaufserfolge in Puerto Rico erzielt, und die Partner sehen den Verlag als geeignetes Mittel, den spanischsprachigen US-Markt zu erschließen.
Für die nächsten Jahre sieht Miriam Gabbai die Ziele von Libros para Soñar vor allem darin, „den Vertriebsprozess für den Buchhandel zu stabilisieren und die Lieferkette so zu organisieren, dass wir vermeiden können, bei Titeln, die sich sehr gut verkaufen, in Lieferschwierigkeiten zu kommen und dadurch ein Geschäft zu verlieren“. Sie ist überzeugt davon, dass „Libros para Soñar sich zu einem sehr rentablen Unternehmen entwickeln kann“.
Ricardo Costa
Hier ein Überblick über die bisher erschienenen Teile der Serie zu innovativen Geschäftsmodellen








