05. Dezember 2012

Jochen Krisch: Lernen von Jeff Bezos


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„People don’t want gadgets. They want services“, erklärt Amazon-Chef Jeff Bezos im Interview mit Charlie Rose. Die größte Herausforderung am Kindle sei nicht die Hardware gewesen, sondern die Anwendungssoftware. Was bedeutet das für den Handel?


Jeffbezos

„For us the hardest piece has been, integrating – in a very very simple way for customers – the vast Amazon content eco-system.“

„Service“ heißt für Amazon zum Beispiel auch, dass die Anwendungen nicht nur auf einem Gerät laufen, sondern Bücher, Musik und Filme auf dem einen Gerät begonnen und am nächsten Gerät an der selben Stelle weitergelesen, -gehört oder -gesehen werden können (siehe auch: Wie Amazon sein Mobil-Geschäft mit Kindle & Co. vorantreibt).

Wenn man sich vor Augen führt, wo bei Amazon wie bei Apple der Schlüssel zum Erfolg liegt, dann wundert einen immer wieder die Gadgetfixierung der Web-/Techszene. Wie sehr auf die neuesten Geräte und Features geachtet wird, und wie wenig die Schaffung der zugrundeliegenden Plattformen gewürdigt wird.

Speziell im E-Commerce führt das gadgetzentrierte Denken dazu, dass iPhone, iPad, Kindle & Co. nahezu ausschließlich als technische Geräte wahrgenommen werden, die man als Händler mehr oder weniger geschickt für sich nutzen kann, nicht aber als essentieller Bestandteil eines Services, den man anbieten könnte.

Dabei stellt sich gerade im E-Commerce zunehmend die Frage: Wie werden künftig Lebensmittelservices aussehen (siehe Familyhood: Wie Amazon zum neuen Walmart (er)wächst)? Wie werden ausgefeilte Bestell- und Lieferservices aussehen? Wie entsprechende Services für Mode, für Möbel oder für andere Produkt- und Handelssegmente?

All das sind – unter Service-Gesichtspunkten – noch ungeklärte Fragen. Wobei man davon ausgehen kann, dass es für viele dieser Services heute noch gar keine geeigneten Gerätschaften gibt.

Es gilt also weniger, sich mit den heutigen Gegebenheiten abzufinden, sondern als Anbieter zu überlegen, was braucht ein bestimmter Service idealerweise – und wie komme ich dazu? So läuft es zumindest bei Amazon.

„Not macht erfinderisch“ („Necessity is the mother of invention“), ist nicht ohne Grund ein weiterer Lieblingsspruch von Jeff Bezos, der in keinem Interview fehlen darf.

Jochen Krisch ist Herausgeber des Weblogs Exciting Commerce, das die wichtigsten Entwicklungen im E-Commerce verfolgt.