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55 Thesen: Wohin steuert die Branche?

Szenario 2025: Alle gedruckte Medien verlieren an Bedeutung. Fachbuchhandlungen werden verschwinden. Ebenso das Schulbuchgeschäft. Umsatzrückgänge werden mittels Paid Content ausgeglichen. 

Die Vertreter der drei Sparten Matthias Ulmer (Verleger-Ausschuss), Heinrich Riethmüller (Sortimenter-Ausschuss) und Matthias Heinrich (Ausschuss für den Zwischenbuchhandel) haben den Wandel des Marktes in 55 Thesen umrissen und auf den Buchtagen 2011 vorgestellt. 

Die Thesen basieren auf einer Zahlenbasis, die buchreport.de zum Download zur Verfügung stellt. Die Matrix bietet die Möglichkeit, unter Aufnahme eigener Daten individuelle Ergebnisse zu erzielen und eigene Thesen zu entwickeln. 

Ulmer, Riethmüller und Heinrich haben breites Echo geerntet, ihre Thesen wurden rege und kontrovers diskutiert. Die Debatte reicht von der Auseinandersetzung mit den Prognosen, eine Metadiskussion über die beste Form des Thesen-Diskurses bis hin zur inhaltlichen Weiterentwicklung. Auch inhaltlich haben die Branchen-Auguren den Nerv der Leser getroffen, wie eine Auswertung von rund 90 Abstimmungen einer buchreport-Umfrage zeigt. 

Bei den allermeisten Thesen haben die Teilnehmer ihre Zustimmung signalisiert, wodurch sich ein großes Krisen-Bewusstsein abzeichnet:

  • Sortiment: 83% der Befragten gehen wie Ulmer & Co. davon aus, dass der Buchhandel in den kommenden 14 Jahren fast ein Drittel der Erlöse einbüßt. Anschlussthese: Fast zwei Drittel glauben, die Verlage müssten ihre Fokussierung auf den stationären Handel reduzieren.
  • Verlage: 85% meinen, die Bücher-Produzenten verlören Marktanteile an neue Content-Anbieter; fast genauso viele sehen Nachholbedarf bei Konzeption, Produktion und Vermarktung multimedialer Bezahlinhalte.
  • Zwischenbuchhandel: Fast zwei von drei Befragten rechnen mit „stark rückläufigem Volumen“, flankiert von einer durch die Entwicklungen im Handel und bei Verlagen verschärften Konzentration (75% Zustimmung).
  • Auswege: So klar die Zustimmung zum Wandel, so umstritten die Frage nach den Konsequenzen: Fast die Hälfte der Befragten geht – anders als die Thesen-Autoren – nicht davon aus, dass die Umsatzrückgänge bei gedruckten Büchern durch Paid Content-Zuwächse ausgeglichen werden können. 
  • Zwar räumen 76% ein, dass neue Flächenkonzepte im Handel fehlen, ob die Händler aber die durch Umsatzrückgang frei werdenden Flächen durch neue Produkte auffüllen sollen, ist unklar. „Non Books sind Verlust der Kernkompetenz“, schreibt ein Teilnehmer per Kommentarfunktion. Bis zu 15% Umsatz seien durch „sortimentsnahe“ Produkte generierbar, danach verwische sich aber das Profil. „Flächenrückbau scheint da eine Alternative.“ Uni sono ein anderer Teilnehmer: „Gourmetbuchhandlung statt Regalmetertristesse.“

Verband muss gemeinsamen Nenner neu formulieren 

Dass sich die Branche an allen Ecken wandelt, spiegelt sich auch mit Blick auf das Feedback zu den Thesen rund um den Börsenverein wider:

  • Verband: Der Börsenverein müsse sich entscheiden, ob er den verbliebenen Buchmarkt oder neue Marktmitglieder repräsentiert, dies befürworten 71%.
  • Eine neue und verständlichere Formulierung des „Prinzips Buch“ als gemeinsamem Nenner der divergierenden Sparten fordern 71%. 
  • Messe: Rückläufige Besucher- (Sortimenter) und Ausstellerzahlen (Verlage) in Frankfurt und Leipzig werden von über 60% schon „eingepreist“; besonders das Profil der Schau an der Pleiße erscheint problematisch.
  • Libreka: Fast jeder zweite Teilnehmer widerspricht der Annahme, dass die Marktentwicklung dem Geschäftsmodell des MVB-Portals entgegen kommt.

Der Börsenverein hat angekündigt, dass das Forum Zukunft am 8./9.September 2011 auf Basis der 55 Thesen eine Zukunftskonferenz veranstaltet, organisatorisch begleitet und moderiert von Ehrhardt F. HeinoldHeinold, Spiller & Partner Unternehmensberatung (hier mehr Infos).


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