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„Regionalität ist mehr als Folklore“

Der angestrebte Zusammenschluss des Landesverbands NRW mit dem Bundesverband (hier mehr) hat in der Branche eine Diskussion über die Zukunft des Börsenvereins ausgelöst. Im Interview mit buchreport.de bezweifelt Thomas Gruß, Vorsitzender im Landesverband Region Norddeutschland, dass der Börsenverein durch die Integration der Landesverbände schlagkräftiger würde, und verteidigt die föderalen Strukturen.

Der Landesverband NRW will mit dem Bundesverband fusionieren. Ist dieser Schritt eine Option auch für Ihren Verband?
Was NRW jetzt anstößt, ist nichts Neues für uns, das haben wir schon vor sechs Jahren mit dem Bundesverband versucht. Im Jahr davor hatten Niedersachsen und wir ein Zusammengehen der beiden Landesverbände besprochen. In beiden Fällen war die Kosteneinsparung aber nicht groß genug angesichts der Risiken eines solchen Schritts. Nun greift ein großer Landesverband das Thema wieder auf, und wir sind gespannt auf das Ergebnis.

Ist das der Auftakt zur Abschaffung der föderalen Strukturen im BV?
Gute Strukturen ergeben sich aus den Aufgaben, die sie lösen sollen. Die föderalen Strukturen des Börsenvereins stammen nicht zuletzt aus seiner Aufgabe, Bildung zu fördern, vom Schulbuchgeschäft bis zur Leseförderung. Bildung ist in Deutschland Ländersache. Der Börsenverein muss wegen seiner Aufgaben föderal aufgestellt bleiben. Das Durchregieren einer Zentrale wird es nie geben, egal, wie der Verband konstruiert ist.

Würde durch das Aufgehen von Landesverbänden und BV der Börsenverein insgesamt schlagkräftiger?
Schlagkräftiger hieße, durch weniger Bürokratie besser zu arbeiten. Würde die Arbeit besser? Heute werden zum Beispiel in den Landesverbänden zuhauf arbeitsrechtliche Fragen unterhalb der Anwaltslizenz beantwortet. Darauf sind die Rechtsanwälte in Frankfurt gar nicht eingerichtet, und wären sie es, kämen die Stundensätze teurer als die der Landesverbände. Die Frage kann also nur im Einzelfall beantwortet werden. Bürokratieabbau? Schaue ich mir meinen Zeitaufwand als Vorsitzender an, so sehe ich nicht viel Ersparnis, wenn es keine Landesverbände mehr gäbe. Ich nehme als Zwischenbuchhändler an deren Fachausschuss teil. Darin geht es um die Abstimmung innerhalb der Sparte. Ich nehme am Branchenparlament teil, dessen Aufgabe die Abstimmung zwischen den Sparten ist. Für beide Gremien ist die Dreistufigkeit des Verbandes verantwortlich, nicht die Existenz von Landesverbänden. Der Länderrat fiele zwar weg, in dem sich Bundesverband und Landesverbände abstimmen. Aber dann bräuchten wir ein anderes Gremium zwischen Regionen und Zentrale. Diesen Abstimmungsbedarf hat jeder Konzern mit seinen regionalen Tochterfirmen, er verschwindet nicht mit den Landesverbänden.

Wie wichtig ist die regionale Nähe noch?
Regionalität ist mehr als Folklore. Es ist Wissen um die neuen Ladenöffnungszeiten in Folge der Bäderregelung an den Küsten und Wissen um die Auswirkungen der Landkreisreform auf die Schulbuchbeschaffung. Solches Wissen kann keine Zentrale vorhalten, und deshalb ist unstrittig, dass der Börsenverein regionale Vertretungen braucht. Ob diese in einer Organisation ohne Landesverbände billiger wird als mit ihnen - diese Debatte hat NRW nach sechs Jahren wieder angestoßen.



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