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„Buch wird zum Nischenprodukt“

buchreport hat acht Online-Experten zu den Perspektiven elektronischer Bücher auf dem deutschen Buchmarkt interviewt. Werner-Christian Guggemos, Chef des Münchner E-Book-Händlers Ciando:

Amazon hat mit dem „Kindle“ einen neuen Versuch gestartet, dem E- Book zum Durchbruch zu verhelfen. Wie schätzen Sie die Chancen ein?
Ich gehe davon aus, dass das Kindle dem Geschäft mit E-Books einen weiteren, noch zusätzlichen Wachstumsschub verleiht. Insbesondere erwarte ich positive Effekte im Bereich des Verkaufs unterhaltender Literatur. Bis dato spielte die Belletristik auf dem E-Book-Markt eine geringe Rolle. Dies wird sich nun mit der Einführung des Kindles und ähnlichen Geräten sukzessive ändern.

Wo sehen Sie die größten Hürden dieses Marktes?
Im deutschsprachigen Markt sind die Hürden im Bereich des Markts für unterhaltende Literatur recht einfach zu identifizieren: Zum einen sind die entsprechenden Geräte hier noch nicht verfügbar. Zum anderen haben viele Verlage sich hinsichtlich ihrer Buchproduktion noch nicht auf das E-Book eingestellt. Im Bereich der Fachliteratur sieht dies anders aus. Hier sind die Verlage weiter und auch die Nachfrage fächert sich zusehends auf: Neben dem Einzelkundengeschäft gibt es einen relevanten Bibliotheks- und zunehmend auch Firmenmarkt.

Wie hoch wird Ihrer Meinung nach der Anteil digitaler Bücher am gesamten Buchmarkt in 5 Jahren sein? Wo liegt der Anteil heute?
Hierzulande bewegt sich das Geschäft mit elektronischen Büchern noch im Promillebereich des Buchmarkts. In den USA kann dagegen erkennen, dass das Geschäft schon in Prozentanteile vorstößt. Insgesamt erwarte ich eine weitere deutliche Beschleunigung des Marktes, bei gleichzeitiger Stagnation des Gesamtbuchmarkts. In fünf Jahren wird sich das Geschäft mit digitalen Büchern im höheren einstelligen Prozentbereich des Buchmarkts befinden.

Es gibt in den USA wie hierzulande Diskussionen zum Pricing von E- Books. auf welcher Basis sollten die Preise gesetzt werden?
Die Preise sollten letzten Endes durch die Nachfrage bestimmt werden. Im Bereich der Fachliteratur ist es hierbei ausreichend, dem Kunden einen 10-bis 15-prozentigen Preisabschlag auf das elektronische Buch anzubieten. Im unterhaltenden Marktsegment wird man dagegen stark mit Einheitspreisen agieren, nach dem Motto: Jedes E-Book für 9,90 Euro. Hier sind sicher auch Billigstangebote zu erwarten à la "drei Bücher für 10 Euro".

Hat der stationäre Buchhandel eine Chance, an dem Geschäft zu partizipieren? Wie?
Auf sich allein gestellt wird der stationäre Buchhandel kaum in der Lage sein, hier eine adäquate Alternative aufzubauen. Letzten Endes wird man die Partnerschaft mit Unternehmen suchen müssen, die technisch in Sachen E-Books auf der Höhe der Zeit sind, um langfristig ein Geschäft aufzubauen. Dann wird es auch möglich sein in der Breite des Marktes, vom Endkunden- bis zum Rechnungsgeschäft zu partizipieren.

Läuten Kindle Co. den Tod des gedruckten Buches ein?
Dieser Prozess ist bereits eingeläutet, wie jeder Fachverleger bestätigen kann. Verantwortlich hierfür sind aber nicht Endgeräte wie das Kindle. Um im Bild zu bleiben: Der Totengräber ist der allgemeine Prozess der Digitalisierung von Informationen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Technologie sich so weit entwickelt hat, dass das Buch alter Prägung ernsthaft Konkurrenz bekommt. Natürlich wird das Buch auch langfristig überleben, dann aber vor allem als Nischenprodukt und als Liebhaberstück.



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